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Seat Leon: Kurviger Matador

Neben dem neuen Leon versinkt die versammelte Kompaktklasse in Langeweile. Aber nicht nur optisch entzückt der Spanier, das Spaßgeschoss überzeugt mit Qualität und Fahrvergnügen.

Von Gernot Kramper

In der Sonne von Barcelona räkelt sich Seats neuester Spross behaglich am Strand. Ein Wagen, der seine Muskeln auf eleganteste Art verpackt. In der Seitenlinie bildet der Seat die Form eines perfekten Coupes, den erstaunlich hohen Innenraum sieht man ihn außen nicht an, die aufsteigende Linie unter den Fenstern verbirgt geschickt die tatsächliche Höhe. Hinzu kommt, dass die Griffe der hinteren Türen im Seitenfenster versteckt sind. Ein Trick, der schon dem Alfa 156 optisch verlängern durfte.

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Mehr als nur Muskeln

Trotz des sportiven Images wurde aus dem Leon kein Muskel-Tier, das schönste Detail ist die lang geschwungene Rokarde, die sich vor den Scheinwerfern aufbaut, über den Radkästen auftürmt und in den Türen ausläuft. Ein Designelement, das bereits den kleinen Altea schmückt, in der größeren Länge des Leons aber zum wirklichen Kunstwerk wird. Bestechend ebenfalls die Frontansicht. Mandelförmige Seinwerfer, breite Lufteinlasse und die klare Form der Pfeilung verschaffen dem Leon ein einmaliges Gesicht.

Klasse, statt Spielerei

Dabei geriet der Leon keineswegs zum Spielfeld experimentierender Designer. Das Niveau seiner Formsprache zeigt sich in der Makellosigkeit der Haube, es ist so ausdrucksvoll, dass das auf die beliebte Spielerei des Wechsels konkaver und konvexer Formen weitgehend verzichtet kann. Der neue Wagen ist ein vollkommen androgynes Wesen. Die Spannung seiner Seitenlinie, die Eleganz der Haube betonen die weiblichen Komponenten, in den noch kommenden Sportvarianten FR und Cupra werden entsprechende Verbreiterungen und Schwellungen einen muskulösen Stier aus ihm züchten. Optisch bringt der Leon alles mit, um zu begeistern. Neben ihm wirkt der Golf hausbacken, der Focus nicht zu Ende gedacht und selbst der Astra kommt hier nicht mit.

Senora, bitte einsteigen

Ob der Leon ein Wagen nur für die Herren der Schöpfung ist, wie es Seats Werbung suggeriert, darf bezweifelt werden. Frauen sind empfänglich für die schöne Verpackung. Gut denkbar, dass die eine oder andere dem bräsigen Golf den Laufpass und dem heißen Spanier den Vorzug geben könnten. Auch ein Wagen wie Alfas 147 empfiehlt sich schließlich den an Style interessierten Damen durch seine aufregende Form.

Viel Platz

Von außen betrachtet, stellt der Leon die gewünschte iberische Leidenschaft und Heißblütigkeit in die Garage. Lernt man ihn besser kennen, weiß er auch innen nicht zu nettäuschen. Die Sportsitze umschließen den Fahrer fest und geben Seitenhalt. Nur allzu breithüftig sollte man nicht gebaut sein. Die Passagiere hinten genießen eine erstaunliche Beinfreiheit und haben trotz der Coupéform viel Luft über dem Kopf. Verarbeitung und Materialwahl überzeugen. Die Zeiten, in denen ein Seat immer eine Spur plünneriger zusammengeschraubt wurde als die Wagen der Konzerngeschwister, sind passe. Damit enden die Lobgesänge auf den Innenraum. Die Sicht nach vorn und hinten, ist nicht optimal, aber erträglich.

Aber in Sachen Stauraum und Flexibilität muss der Leon leider passen, vom Angebot des pfiffigen Altea findet sich hier nur wenig. Das Angebot an Ablagen für die Passagiere erreicht höchstens einen "geht so"-Standart, auch die Mittelkonsole wird altbacken vom Griff der Handbremse beherrscht, daneben quetschen sich Cupholder und eine spärliche CD-Ablage. Die Rückbank lässt sich asymmetrisch teilen und umlegen. Das war es dann aber auch schon. Auch der Einlass am Heck leidet sich sichtlich unter der strammen Optik. Unter der Klappe öffnet sich ein Rund, wie in einer zu groß geraten Waschmaschine. Jede Last will weit über den ungeschützten Kunststofffänger gewuchtet werden. Für Familien mit Kinderwagen im Gepäck kann das keine Empfehlung sein, auch das sportive Pärchen, das sein Sportgerät mit an Bord nehmen will, wird mit dem Leon nicht glücklich werden. Trotz des perfekten Raumangebots für die hinteren Passagiere, bleibt der Inneneindruck gespalten. Kurz und gut: Angesichts des Alteas lässt sich eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen.

Fahrspaß pur

Diese Schwäche macht der Spanier in Fahrspaß und Fahrdynamik locker wett. Der Wagen gab in allen Situationen eine Top-Figur, von engen Serpentinen kann er nicht genug bekommen. Der Leon reagiert direkt und verzögerungsfrei auf die Lenkung, stürzt sich ohne zu Zögern in jede Kurve. Kleinmütiges Wanken und Schwanken in haarigen Lagen sind ihm unbekannt. Dabei reagiert das Fahrwerk erstaunlich gutmütig auf die Korrektur von Fahrfehlern. Hier macht der Leon Spaß. Wer diese Reize aus dem Wagen der Golf-Klasse herauskitzeln möchte, muss allerdings ins obere Motorenregal greifen. Der bekannte 140 PS Diesel erreicht eine Top-Performance, an die der 150 PS Benziner nicht heranreichen kann. Ihm fehlt der Power-Wumms des Diesels. Die reine Lust am Hochdrehen, die das Weniger an Drehmoment ausgleichen könnte, kann man ihm auch nicht attestieren. Zur Abrundung werden später der FR mit einem 185 PS Triebwerk und der Cupra mit entsprechend höherer Motorisierung antreten. Beide Modelle für die PS begeisterte Kundschaft haben allerdings das Problem, dass die reinen Leistungswerte beim Leon nicht mit der Konkurrenz mithalten können. Aus Konzernräson wird der FR kurz gehalten, er muss mit weniger antreten, als der Golf Gti bietet. Die Konkurrenz mit dem Blitz im Logo stellt zudem ganz andere Maschine auf die Strecke. Eine Logik, die außerhalb von Wolfsburg wohl kaum jemand verstehen wird.

Mit den angebotenen, kleineren Motorisierungen lässt sich der Leon natürlich auch gut und angemessen bewegen, nur seine Sportlergene kommen dann nicht wirklich zum Tragen. Der Basis-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum und 102 PS sorgt 184 km/h Spitzengeschwindigkeit. Der Basis-Diesel-TDI mit 1,9 Liter Hubraum, 105 PS ist für 185 km/h gut. Beide werden mit einem Fünf-Gang-Getriebe angeboten. Für die anderen Motorvarianten gibt es Sechs-Gang-Getriebe, optional sind eine Sechs-Gang-Automatik und das Sechs-Gang-Direktschaltgetriebe (DSG) erhältlich. Erstmals darf Seat FSI-Motoren aus dem Konzern einbauen, der 2,0 FSI leistet 150 PS bei 210 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Liebe auf den ersten Blick

Der Leon becirct durch sein Design. Hier vereint er Außergewöhnlichkeit mit Klasse, in Sachen Verarbeitung und Ausstattung muss sich der Schöne vor niemanden verstecken. Dazu gibt es Fahrspaß ohne Grenzen. Die Cleverness, die in Fahrwerk und Design gesteckt wurde, vermisst man allerdings im Innenraum.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.