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Nachfolger von Herbert Diess Porsche-Chef Oliver Blume übernimmt Führung bei VW – Wer ist der neue Mann an der Konzernspitze?

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG spricht bei einer Veranstaltung
Porsche-Chef Oliver Blume ist künftig auch für die Führung von VW verantwortlich
© dpa | Bernd Weißbrod / Picture Alliance
VW erhält einen neuen Chef: Oliver Blume. Als Porsche-Chef kommt dieser aus den eigenen Reihen und übernimmt die Führung des Konzerns. Aber wer ist Oliver Blume, der nun zu einem der mächtigsten Männer in der Autobranche aufsteigt?

Porsche-Chef Oliver Blume wird ab dem 1. September Konzernchef von Volkswagen. Wie der Konzern am Freitagabend mitteilte, tritt Blume damit in die Fußstapfen des bisherigen VW-Chefs Herbert Diess. Zugleich werde er Vorstandsvorsitzender der Porsche AG bleiben, hieß es. Zwar wurde Blume aufgrund von diversen Problemen innerhalb des Konzerns schon länger als Diess' Nachfolger ins Spiel gebracht, die Nachricht kam dennoch überraschend.

"Oliver Blume hat in verschiedenen Funktionen im Konzern und mehreren Marken seine operativen und strategischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt und führt die Porsche AG seit sieben Jahren wirtschaftlich, technologisch und kulturell mit großem Erfolg. Er ist aus Sicht des gesamten Aufsichtsrates jetzt die richtige Person an der Spitze, um die Kundenorientierung sowie die Positionierung der Marken und Produkte weiter zu schärfen", begründete Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch die Entscheidung, den 54-Jährigen zum neuen VW-Chef zu machen. Doch wer ist Oliver Blume eigentlich?

Oliver Blume: Vom Trainee zum VW-Chef

Blume wurde 1968 in Braunschweig geboren und teilt sich damit so gesehen die Heimat mit VW – der Konzernhauptsitz liegt etwa 30 Kilometer von Braunschweig entfernt. Nach seinem Abitur studierte der Porsche- und neue VW-Chef Maschinenbau an der Technischen Universität Braunschweig, bevor er 1994 mit einem internationalen Traineeprogramm seine Karriere bei Audi begann. Zwei Jahre später wurde er dort Planer im Bereich Karosseriebau und Lackiererei.

1999 stieg Blume zum Leiter im Karosseriebau des Audi A3 auf. Im Jahr 2001 promovierte er zum "Doctor of Engineering in Vehicle Engineering" am Institut für Fahrzeugtechnik an der Tongji Universität Shanghai und wurde Vorstandsassistent in der Audi-Produktion. Es folgten Stationen als Bereichsleiter bei Audi, Seat und Volkswagen. 2013 wurde Blume Mitglied des Vorstandes für Produktion und Logistik bei Porsche, zwei Jahre später dann Nachfolger von Matthias Müller als Vorstandsvorsitzender bei Porsche. Zusätzlich wurde er 2018 in den Konzernvorstand von Volkswagen berufen und erhielt die Verantwortung für die Konzernproduktion. 

Damit war er verantwortlich für die Markteinführung des elektrischen Porsche Taycan, welcher auch auf internen Widerstand stieß. Die Eigentümer-Familien Porsche und Piëch standen dem Vorhaben kritisch gegenüber. Dennoch wurde der Elektro-Sportwagen zu einem Erfolgsmodell in Europa.

Teamgedanke soll im "Mittelpunkt" stehen

Zuletzt war es vor allem die Aufgabe von Blume, die Porsche AG an die Börse zu führen. Dort soll er auch nach einem möglichen Börsengang des Unternehmens Vorstandsvorsitzender bleiben. Nun soll er außerdem bei VW mit dem Vorstand die Transformation zur Elektromobilität "weiter vorantreiben". Es war wohl die Art des Umgangs und der Führungsstil von Herbert Diess, der letztendlich zu dessen Rücktritt geführt hat. Blume soll das offensichtlich anders machen "mit einer Führungskultur, die den Teamgedanken in den Mittelpunkt stellt." 

"Mein Fokus liegt auf den Kunden, Marken und Produkten", so der neue VW-Chef. Entscheidend für den Erfolg seien "Teamgeist, Fairness und Leidenschaft". Der 54-Jährige gilt als ein Chef, der zuhört. Er ergänzt: "Wir haben Porsche technologisch, wirtschaftlich und kulturell erfolgreich aufgestellt – und sehen uns als einen Vorreiter nachhaltiger Mobilität." Deshalb hat er sich wohl auch gegen Audi-Chef Markus Duesmann durchgesetzt und ist nun einer der mächtigsten Männer in der Autobranche.

Einen Erfolg wie bei Porsche dürfte Volkswagen nun auch von seinem neuen Chef erwarten. Er wird nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer auch die Softwaresparte neu ausrichten. Der Wandel der Branche zu softwarezentrierten Wagen sei für klassische Anbieter wie VW eine "Riesenherausforderung", so der Professor zu DPA. "Das zeigt auch die Ablösung von VW-Chef (Herbert) Diess. Autobauer werden Tech-Unternehmen, wie Google, Apple, Microsoft - oder sie werden abhängig von den Software-Schwergewichten."

ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" berichtet über Einfluss auf Koalitionsvertrag

Ein Beitrag der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" von Dienstag wirft allerdings ein schlechtes Licht auf den Porsche-und neuen VW-Chef Oliver Blume. Demnach soll er damit geprahlt haben, dass Bundesfinanzminister Christian Lindner ihn "fast stündlich" in den Koalitionsverhandlungen "auf dem Laufenden gehalten" habe. Dabei soll Blume entscheidenden Einfluss auf die Entscheidung, E-Fuels ab dem Jahr 2035 in der EU weiter zu erlauben, gehabt haben.

"Wir haben sehr großen Anteil, dass die E-Fuels in den Koalitionsvertrag mit eingeflossen sind. Da sind wir ein Haupttreiber gewesen, mit ganz engem Kontakt an die Koalitionsparteien. Der Christian Lindner hat mich in den letzten Tagen fast stündlich auf dem Laufenden gehalten", zitiert die Sendung Blume. Ein Porsche-Sprecher, die Volkswagen Group, zu der Porsche gehört, als auch Christian Lindner dementierten dies.

Klar ist aber, dass Porsche gemeinsam mit Siemens eine Testanlage für E-Fuels in Chile baut. Dazu investierte der Autobauer Anfang 2021 rund 20 Millionen Euro. Außerdem hat er sich mit 75 Millionen Dollar an der Holding HIF Global LLC, eine Gesellschaft international tätiger Projektentwickler von E-Fuels-Produktionsanlagen, beteiligt. In diesem Jahr sollen die ersten Liter E-Fuels produziert werden. Diese sollen zwar zunächst im Motorsport Einsatz finden, später aber auch bei eigenen Autos mit Verbrennungsmotor sowie die Verwendung in Fahrzentren. Und der "Bild am Sonntag" sagte Blume noch Anfang des Monats: "Porsche setzt auf ein Doppel-E: E-Mobilität und E-Fuels." Denn E-Fuels seien eine effektive, ergänzende Lösung.

Quellen:VW Pressemitteilung, Porsche Pressemitteilung (1), Porsche Presse (2), Businessinsider, Neue Zürcher Zeitung, Bild am Sonntag, mit Material der DPA.


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