Seat Altea Freetrack Rumpeln wie ein Spanier


Lurche jagen, Kröten schrecken und Rehe ärgern. Altea bietet einen frechen SUV, der einfach alles kann. Stadt, Strand und Feldweg nimmt er mit Grandezza unter die Reifen. Ein Erfolg wird er trotzdem nicht.
Von Gernot Kramper

Wer mit dem Wagen durch Spanien fährt, denkt leicht, nirgendwo sonst sei jemals soviel EU-Asphalt-Geld verstreut worden. Selbst Straßen auf denen sich höchstens Schulbus und Michtransporter in die Quere kommen könnten, schlängeln sich als glänzend schwarzes Band durch den Busch. Offenbar kann man aber noch nicht alles erreichen, darum soll es von Seat einen SUV geben. Und zwar einen richtigen – mit mehr Bodenfreiheit und Allrad - und keinen optischen Geländelook-Blender.

Spanische Hochzeitssuppe

Beim Zutatenmix gibt es kaum einen Topf in den dieser Crossover nicht gelangt hätte. Reisemobil und Familienfan, schick für die Ausstellung in der Stadt, rustikal für den Landarzt. Trotz dieser verwirrenden Vielfalt gefällt der "Freetrack" - so der freiheitsdurstige Name schon auf den ersten Blick. Den weichen, fließenden Formen des Altea XL verleiht die urige Beplankung Kraft und Charakter. Wenn manches Studien-Gimmick, wie das auf der Heckklappe montierte Reserverad, es dann doch nicht in die Serie geschafft hat, kann das nur begrüßen.

Allrad wie von Volkswagen

Neben dem üblichen Zutatenmix von breiteren Reifen, Seitenplanken, Front- und Endschürzen und soliden Dachläufen bietet der des Wald- und Wieseniberer tatsächlich einen Allradantrieb. Bewährt im VW-Konzern, reicht der Antrieb für Ausflüge auf Feldwege und Schotterpisten aus und liefert bei Bedarf in jeder Lage mehr Traktion. Das Kraftwerk wird über die Hydraulik der Haldex-Kupplung verteilt. Im Normalfall fährt der Allradler wie jeder Fronttriebler, nur wenn es Not tut, leitet die Elektronik bis zu 50 Prozent der Antriebsenergie auf die Hinterräder. 40 mm mehr Bodenfreiheit als der Stanbdart Altea XL lassen einen sorglos auf Stock und Stein holpern. Speerdifferentiale und Geländeuntersetzung gibt es – wie zu erwarten – nicht. Diese Zutaten braucht es auch nicht, der der Buschhoppser bleibt eindeutig ein Straßenfahrzeug, in der Lage es auch einmal mit schlechterem Untergrund aufzunehmen.

Immer Dampf unter der Haube

Dass es mit dem Freetrack freizügig vorangeht, liegt nicht zuletzt daran, dass bei der Leistung nicht gegeizt wird. Der 2-Liter-TSDI-Benziner bietet 200 PS auf der 2-Liter-Diesel 170 PS. In Deutschland wird die Kundengunst zum Pumpe-Düse-Diesel gehen. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 204 km/h, der Benziner schafft zehn km/h mehr. Der Diesel möchte 6,8 Liter auf 100 Kilometer, der Benziner langt mit 9,4 Litern Super richtig zu. Nachdem sich die Wogen der Markteinführung geglättet haben werden, wird später still und heimlich noch eine kleine Version mit Vorderradantrieb nachgereicht.

Preise wie Premium

Im Wagen fühlt man sich wohl, die Sitze sind straff und bieten den gewünschten Seitenhalt. Die Verschieb- und Verstellbarkeiten sind wie im Altea XL. Innen handelt es sich beim Freetrack ohnehin um die aufgebesserte Variante des XL. Das Problem kommt dann beim aufgebesserten Preis. 30.790 Euro für den Freetrack mit Diesel lassen einen schon schlucken. Denn der Imagewert der heißblütigen Spaniers lässt die Deutschen bislang eher kalt. Letztlich haben alle Versuche, Seat als sportliche Designmarke zu etablieren, nicht gefruchtet, und die immerwährenden Negativschlagzeilen von der südliche Großbaustelle des VW-Konzerns wirken abschreckend. Wer in die Preislisten von Toyota, BMW und Audi schaut wird den Preis für den Freetrack als gerechtfertig empfinden. Wer allerdings beim Namen Seat partout ein Billigangebot erwartet, wird sich entsetzt abwenden. Obendrein bekommt man "nur" eine dezent Geländeoptik, so etwas sieht zwar besser aus, löst beim Kunden aber weniger "gefühltes" Abenteuer aus.

Sinnloses Experiment

Bei dem Spanien-SUV muss man sich leider fragen, ob so ein Fahrzeug den Markenkern von Seat bedient und stärkt, oder ob das Fahrzeug nicht vom frommen Wunsch befeuert wird, Käuferschichten zu erreichen, die von der Marke gar nichts wissen wollen. So oder so, bleibt der Freetrack ein Nischenfahrzeug, das die Seat-Misere nicht beenden kann. Befreiender für die Marke wäre ein großer Wurf in die andere Richtung - wie es Fiat mit dem "500" gelang. Noch bevor der Freetrack beim Händler ist, walzt aus Wolfsburg zudem die ultimative Killermaschine heran. Schwer vorzustellen, dass sich jemand für den Freetrack entscheidet, wenn er auch den Tiguan haben könnte.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Nebenher bedienen die vorgestellten Werbespots alle Vorurteile, die man zu Geländefahrten nur haben kann. Die Filmchen beginnen stets mit einer idyllischen, aber lahmarschigen Naturszenerie. In dieses Schlummerland von Lurch und Kröte brettert dann mächtig lifestylig der Freetrack hinein. Botschaft: Wenn die Natur zu langeilig ist. Die richtige Werbung für Burschen, die den Igel mittig matschen wollen. Hut ab, das ist mutig, so etwas würde sich nicht einmal Jeep trauen.


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