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Seat Altea 1.2 TSI: Deutsche Motoren beflügeln die Spanier

Mehr Leistung bei weniger Verbrauch - das Downsizing der Motoren im VW-Konzern hat nun auch Seat erreicht. Vier neue Aggregate sollen beim Sparen helfen - und dennoch Fahrspaß liefern.

Thomas Dicke, Chef der Motorenentwicklung bei der spanischen VW-Tochter Seat, ist es leid, sein Licht unter den Scheffel zu stellen: "Es ist keineswegs damit getan, einen Motor aus dem Konzernregal zu nehmen und ihn einfach unter die Haube eines neuen Autos zu schieben." Die kleine Einführung in Motorkunde hat einen realen Hintergrund: Die Spanier dürfen ihre Modelle Ibiza, Altea, Leon und Exeo nun auch mit vier neuen und sparsamen Aggregaten anbieten, die in anderen VW-Marken bereits unterwegs sind. Vom Kühlsystem, das sich mit jedem Frontdesign ändert, bis hin zum neuen Schalter für das Start-Stopp-System am Armaturenbrett haben Dicke und seine Ingenieure allerhand zu bosseln, bis alles passt.

Ein Ergebnis dieser Feinarbeit ist der 1.2 TSI-Motor, der künftig nicht nur VW Polo, Golf oder Škoda Fabia sondern bei Seat auch den Altea und den Leon antreiben wird. 77 kW/105 PS liefert der Turbo-Benziner aus einem Hubraum, der nur ein paar Strich über einer Wiesn-Maß liegt. 175 Nm Drehmoment werden dabei geliefert. Im Polo oder Fabia muss das Motörchen bei voller Beladung gerade mal gut 1,5 Tonne Gewicht vorwärts bringen - im Altea XL sind es fast zwei Tonnen. Offiziell beschleunigt der 1.2 TSI den Altea dennoch in 11,3 und den Altea XL in 11,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Downsizing nach Wolfsburger Art

Die Höchstgeschwindigkeit liegt demnach bei 184 km/h. Zum Vergleich: Der herkömmlich konstruierte 1,6-Liter-Benziner (102 PS) braucht im Altea für den gleichen Spurt mehr als eine Sekunde länger - und schluckt über zwei Liter mehr auf 100 km als der 400ccm kleinere TSI. Der ist laut Seat mit 5,6 Litern Super zufrieden. Und ein CO2-Ausstoß von 132 g/km hilft auch beim Finanzamt sparen. Downsizing nach Wolfsburger Art.

Jenseits der Zahlentabellen funktioniert das auch im Alltag erstaunlich gut. Der Altea nimmt das Gas ohne merkbare Verzögerung an und beschleunigt an der Ampel flott genug, um gut im Verkehr mitzuhalten. Auch bei normalem Landstraßen-Tempo gibt es keine wirklichen Probleme. Etwas nervig wird es allerdings, wenn man den Motor wirklich einmal fordert: An Steigungen zum Beispiel, wenn der Altea im 6. oder 5. Gang schnell schlapp macht. Oder beim Überholen, wenn man sich zweimal überlegt, ob es wohl reicht. Der 1.2 TSI verlangt nach fleißigem (Runter-)Schalten - vor allem, wenn man sich im höheren Drehzahlbereich bewegt. Besser passt es da bei niedrigen Drehzahlen: Das maximale Drehmoment liegt bereits ab 1550 U/min. an.

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Sicheres Fahrverhalten, dynamische Optik

Immer dabei sind die Vorteile aller Altea: Viel Platz im Innenraum, zumindest in XL und Freetrack ordentlich Stauraum hinter der Heckklappe, eine gut abgestimmte und komfortable Federung, ein sicheres Fahrverhalten - und die dynamische Optik. Wenig machen kann der kleine Motor auch gegen die nicht gerade berauschende Rundumsicht des Altea. Wirklich billig ist der Altea 1.2 TSI auch nicht gerade: Seat hat ihn ab der Ausstattungslinie "Reference" für 18.490 Euro in der Liste.

Dann sind bereits Bordcomputer, Audioanlage, Berganfahrhilfe und Klimaanlage an Bord. Und da er serienmäßig auch unter dem Label "Ecomotive" läuft, gehören unter anderem auch eine Start-Stopp-Automatik, eine optische Schaltempfehlung im Tacho und ein System zur Rückgewinnung der Bremsenergie (Rekuperation) dazu. Wer es wissen will: Ein in etwa vergleichbarer VW Golf Plus Blue Motion mit dem gleichen Motor kostet ab 20.775 Euro.

Drei weitere neue Motoren

Zusammen mit dem kleinen TSI führt Seat auch noch drei weitere Motoren aus der Konzernpalette ein. Der Exeo ist künftig auch mit dem 2.0 TSI-Benziner zu haben, der 155 kW/211 PS leistet und ihn als Limousine ebenso wie als Kombi flott auf Touren bringt. Mindestens 27.790 Euro wollen die Spanier für den stärksten Exeo haben. Mit 118 kW/160 PS gibt es den neuen Exeo 1.8 TSI ab 25.590 Euro. Der Ibiza bekommt einen neuen kleinen Diesel mit drei Zylindern. Auch er läuft unter dem Label "Ecomotive" und hat Start-Stopp-Automatik sowie Rekuperation im Gepäck. Der 1.2 TDI CR schafft 55 kW/75 PS und ein maximales Drehmoment von 180 Nm. Mit den drei Zylinderchen sind 173 km/h drin. Belohnt wird solche Bescheidenheit weniger durch den Basispreis von 16.050 Euro denn vielmehr an der Tankstelle: Der kleine Selbstzünder soll sich mit 3,4 Litern Diesel auf 100 km zufrieden geben.

Jürgen Wolff, press-inform / press-inform
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