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Fahrbericht Brabus 700 auf Basis Rolls-Royce Ghost EWB Gewünschte Blasphemie

Brabus 700 auf Basis Rolls-Royce Ghost EWB
Brabus 700 auf Basis Rolls-Royce Ghost EWB
© press-inform - das Pressebuero
Beim Brabus 700 auf Basis Rolls-Royce Ghost EWB kommt zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört. Oder vielleicht doch? Die Luxuslimousine nach Bottroper Art des Hauses hat auf alle Fälle ihren Reiz.

Brabus und Mercedes, das passt? Aber einen Rolls-Royce Ghost tunen? Das klingt für viele Fans der Luxusmarke nach Blasphemie. Diese Attitüde entspricht auch dem Selbstverständnis des britischen Automobilbauers. Besser als Rolls-Royce kann man es nicht machen. Das Gefährt ist ein Gesamtkunstwerk, an das nur die eigene „Bespoke“- Abteilung Hand anlegen darf. Der Bottroper Autoveredler wagt dies dennoch. „Wir haben auf die Kunden gehört, die sich das Brabus Design auch bei anderen Marken wünschen. Dieses Brabus Masterpiece. Dieses wird speziell auf die Ansprüche der Kunden zugeschnitten und es kommen Designs, Steppmuster und Materialien zur Verwendung, die sich im Wesentlichen von denen der anderen Hersteller unterscheiden“, sagt Brabus-Entwicklungschef Jörn Gander.

Brabus hat sich den Rolls Royce Ghost Extended Wheelbase (EWB), also die Version mit langem Radstand vorgeknöpft. Das bedeutet: 5,72 Meter lang, 2,15 Meter breit und 1,57 Meter hoch, mit einem Radstand von 3,47 Metern und einem Gewicht von gut 2,5 Tonnen. Und die Bottroper machen das konsequent. Als wir die Tür des schwarzen Autos öffnen, kneifen wir die Augen aufgrund des hellen weißen Leders unweigerlich etwas zusammen. Porzellanfarben, heißt der Farbton bei Brabus. Die Optik der Sitze mit den quadratisch perforierten Steppmustern aus der hauseigenen Sattlerei ist typisch für Brabus und erfüllt den eingangs erwähnten Kundenwunsch. Den bestätigt auch die haptische Handflächen-Probe des Leders. Hinten links lässt es sich auch in der Bottroper Version des Luxusschiffes wie in der ersten Klasse angemessen und fürstlich reisen.

Das binäre Farbenspiel aus Schwarz und Porzellanweiß zieht sich durch den ganzen Innenraum: angefangen vom dunklen Alcantara Dachhimmel über das omnipräsente Leder bis hin zu den obligatorischen Carbon-Einsätzen in der Mittelkonsole und im unteren Teil des Armaturenbretts. Allerdings spiegelt sich der helle Bezug deutlich in der Windschutzscheibe.

Wer die Bottroper Tuner kennt, weiß, dass ohne Mehrleistung nichts geht. Ghost hin, Innenraum-Veredelung her. Bislang ließen die Rolls-Royce-Verantwortlichen mit leicht näselnder Stimme verlauten: „Leistung ist genug vorhanden.“. Ab jetzt müssen die selbstbewussten Briten „unserer Meinung nach“ hinzufügen. Standardmäßig wuchtet ein doppelt aufgeladener 6,75-Liter-Zwölfzylinder mit 420 kW / 571 PS und einem maximalen Drehmoment den Luxus- Kreuzer nach vorne. Um in den Duktus der Rolls-Royce-Manager zu bleiben, durchaus genug Kraft, um das oft bemühte mühelose Gleiten zu bewerkstelligen. Aber jeder Autofahrer weiß, dass man nie genug Power haben kann, vor allem, wenn man ein Gefährt bewegt, das deutlich über zwei Tonnen wiegt.

Beim Brabus 700 sind es logischerweise 514 kW / 700 PS und 950 Nm maximales Drehmoment. Erreicht werden die 95 kW / 129 PS und 100 Nm Mehrleistung durch eine modifizierte Motorsteuerung, die per Plug-and-Play an die Motorelektronik angeschlossen wird und die Kennfelder für Einspritzung und Zündung sowie die elektronische Ladedrucksteuerung verändert. Das Resultat ist eine Beschleunigung in 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h, ehe die Elektronik bei 250 km/h erklärt, dass der Gentleman-Cruiser so schnell genug ist. Der Ghost liegt auch bei der Höchstgeschwindigkeit satt auf der Straße. Auch wenn die Karosserie mithilfe der Luftfedern 30 Millimeter tiefer über die Straße rollt, bleibt der Komfort erhalten. So sollte es auch sein.

Einen Drehzahlmesser sucht man auch in diesem Rolls-Royce vergebens. Bleibt der Zeiger der Power Reserve schon beim normalen Ghost meistens unterhalb der zehn Prozent, verharrt er beim Brabus Ghost fast schon stoisch ganz unten auf der Skala. In der Welt der normalsterblichen Autofahrer bedeutet das, dass maximale Drehmoment bei 2.000 U/min anliegt. Souverän. Sobald man den Zwölfender mit einem fulminanten Tritt auf das Gaspedal aus der Reserve lockt, geht es ambitioniert, aber unverändert majestätisch zur Sache, dass man völlig entkoppelt von der tatsächlichen Geschwindigkeit nach vorne strebt.

Diese führerscheingefährdende Entrücktheit, liegt auch an der Tatsache, dass die Bottroper so schlau sind, und die Basisattribute des Rolls-Royce Ghost nicht anzurühren. Dazu gehören auch die rund 100 Kilogramm Dämmmaterial und die speziellen Scheiben. Trotz des vierflutigen Klappen-Sportauspuffes dringt selbst bei Volllast nur ein angenehmes sonores Verbrennungsgeräusch leise an die Ohren der Insassen. Dank der Allradlenkung kommt der überlange Rolls-Royce auch in den Innenstädten ziemlich problemlos um enge Ecken. Unterm Strich ist die Blasphemie gelungen. Allerdings hat das Bottroper Husarenstück mit 649191,41 Euro auch seinen Preis.

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