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Audi A7 Sportback Eine schräge Offenbarung


Außen das eigenständige Konzept einer luxuriösen Schräghecklimousine, unten der Baukasten des kommenden A6, dazu Einrichtung und Extras aus der Oberklassenlimousine A8 - aus diesen Zutaten setzt Audi den A7 Sportback zusammen. Die Mischung ist aber nur teilweise gelungen.
Von Gernot Kramper

In den Sechzigern sahen Coupés rasant und sportlich aus, innen ging es aber beengt zu. Die Zeiten sind vorbei. Ein Edel-Coupé wie der A7 Sportback bietet heute souveränen Platz für alle. Als Besonderheit im Kreis der extravaganten Großcoupés lockt der A7 mit einer großen Heckklappe und umklappbarer Sitzbank.

Eine reizvolle Idee, die Coupé-Schick mit Nutzraum und Variabilität verbindet. Der 535 Liter große Gepäckraum lässt sich bei umgelegten Rücksitzen auf bis zu 1390 Liter erweitern. Kleiner Nachteil: Lade- und Passagierraum sind nicht wirklich getrennt. Diese Vermischung berührt eine Glaubensfrage. Ein Teil der potentiellen Kunden besteht auf einem separaten Laderaum. Zumindest beim alten Audi 100 Avant ging die Rechnung nicht auf – aber dieser Wagen war auch nicht besonders schön.

Von vorne "Hui"

Das Design haben die Ingolstädter heute weitaus besser im Griff. Das edle Gefährt dehnt sich zwar auf fast 5 Meter Länge und 1,9 Meter Breite aus, sieht aber strahlend schön und dabei dynamisch kraftvoll aus. Zumindest von vorn. Ausgeprägte Radhäuser, optionale 20-Zoll-Felgen, der in die Breite gestampfter Singleframe-Grill und eine Armada von LED-Leuchtkörpern in den Scheinwerfern lassen den A7 Sportback wie ein lauerndes Raubtier wirken. Von hinten wirkt der Wagen nicht so dynamisch. Betrachtet man ihn von schräg hinten, zerfließt die bloße Länge des Fahrzeugs in endlosen Flächen. Den ausfahrbaren Heckspoiler dürfte der Fahrer selbst kaum bewundern können. Ideen, die beim Format eines A5 stilistisch überzeugen können, stoßen beim größeren A7 offenbar an ihre Grenzen

Im Innenraum schließt der A7 direkt an das Niveau des Oberklassenmodells A8 an. Mit Features wie Schichtholzfurnier, belüfteten Massagesitze, einer von Google unterstützten Navigation oder dem im A8 vorgestellten Touchpad für die Bedienung des Mulitmediasystems MMI stößt der A6-Ableger allerdings auch in Preisregionen weit oberhalb eines typischen Mittelklassewagens vor.

Diese Gestalt verlangt nach Leistung

Audis Kompetenz im Leichtbau drückt das Gesamtgewicht das A7 Sportback auf achtbare 1,7 Tonnen. Für ein echtes Leichtgewicht reicht das nicht, zumal der Wagen in Vollausstattung noch einmal deutlich zulegt. Mit schwachbrüstigen Vierzylindern behelligt der A7 seine Kunden also besser nicht. Der motorische Einstieg ist der 204 PS starke 2,8 Liter V6-FSI (ab 51.650 Euro), die bessere aber auch 7000 Euro teurere Motorisierung gibt es mit 3.0 TFSI Quattro. 204 PS reichen zur Fortbewegung allemal aus, aber nicht für einen wirklichen Abstand zur Dienstwagenarmada auf den Autobahnen. Wer sich diesen Wagen mit seiner Extraliste gönnt, sollte weder am Motor noch am Allradantrieb sparen. Gemeinsam mit der Siebengang-S-Tronic bietet der 3.0 TFSI Quattro den größten Fahrspaß. Jenseits der beeindruckenden nackten Fahrleistungen kommen bei diesem Motor die Fähigkeiten des Fahrwerks zum Tragen. Beeindruckende Sprintreserven, enorme Spurtreue in den Kurven und dabei kein spürbares Drücken über die Vorderräder. Quattro ist ein Muss und lässt einen Gewicht und Größe des Wagens weitgehend vergessen. Für Freunde der sportlichen Gangart gibt es zum Markstart keine bessere Alternative. Einen Achtzylindermotor wird es A7 Sportback erst später geben, mit einer sportlichen S7-Variante kann man eher rechnen. Wer im edlen Schrägheck unbedingt dieseln möchte, kann zu überarbeiteten 3,0 Liter V6-Dieselmotoren mit 204 PS und 245 PS greifen. Hauptvorzug der Diesel sind ihre Mini-Verbrauchswerte, wie die 5,3 Liter bei der kleineren Version.

Weniger wäre mehr gewesen

Wo viel Licht ist, findet man auch Schatten. Weniger gefällt am A7, dass sich die hinteren Scheiben nicht vollständig absenken lassen. Auch manche Details nerven eher, als dass sie erfreuen. Für die große Bose-Anlage fahren kleine Satellitenhochtöner unter der Frontscheibe hoch. Das sieht lustig aus, doch das polierte Aluminium zieht die Blicke magisch an und spiegelt sich obendrein permanent im Glas. Audi wirbt mit pompösen Schichtholzfurnieren, die die Atmosphäre einer gediegenen Yacht im Auto herbeizaubern. Das optionale Head-Up-Display wird dafür von einer Wulst abgeschirmt, die einem VW Caddy alle Ehre machen würde. Auch hier spiegelt sich die Displaytechnik in der Frontscheibe.

Mit der MMI-Bedienungslogik setzte sich Audi einst von BMW und Mercedes ab. Einfach, reduziert und leicht zu bedienen. Trotz MMI machte sich in den voll ausgestatteten Testwagen eine Unzahl von Schaltern und Knöpfen breit. Selbst das Fahrerinformations-Display ist mit Anzeigen jeder Art überfrachtet.

Bedienen kann man diese rollende Schaltzentrale nur, weil das menschliche Gehirn zum Glück in der Lage ist, alles Überflüssige einfach wegzublenden. Schöner und puristischer wäre es, manches einfach wegzulassen.


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