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BMW 507: Ikone für Ikonen

Der BMW 507 gilt als einer der schönsten Oldtimer der Nachkriegsgeschichte. Zurecht. Eine Bestandsaufnahme einer süchtigmachenden Begegnung.

Es gibt so Typen, die ziehen einen von der ersten Sekunde an in ihren Bann. Ein Blick genügt, und man ist ihm verfallen. Nur, dass es diesmal nicht um einen Menschen, sondern einen automobilen Klassiker namens BMW 507 geht. Dieses in Blech geformte automobile Monument des guten Geschmacks, dem auch der französische Kino-Star Alain Delon und "The King" Elvis Presley verfallen waren. Ikonen ihres Genres. Flach und elegant steht er da, der weiße 4,38 Meter und nur 1,65 Meter lange Zweisitzer. Das Design des Klassikers stammt von Albrecht Graf Goertz und überzeugt mit seinen klaren aber unverwechselbaren Linien. Eine lange Motorhaube und ein kurzes Heck garantieren unverfälschte Roadster-Proportionen. Dazu gibt es eine breite Niere, Kotflügel, die schon bevor es einen Porsche 911 gab, mit einem eleganten Schwung nach unten abfallen. Als der schnittige BMW auf der IAA 1955 seine Europa-Premiere feiert, branden Beifallsstürme auf. Die Bezeichnung "Traum von der Isar" ist nur eine von vielen Huldigungen.

Die Technik des 507ers war für damalige Zeiten top. BMW nahm den famosen Achtzylinder aus der barocken Limousine 502, verpasste ihm eine Vitaminspitze von zehn auf 150 PS und implantierte das Triebwerk in den Roadster. Die Start-Prozedur ist dem Triebwerk angemessen. Erst dreht man den Zündschlüssel. Drückt den Start-Knopf und gibt dabei kräftig Gas. Damit ist tatsächlich ein kerniger Tritt gemeint. Wer das Pedal nur streichelt, erntet lediglich ein genervtes Husten aus acht Kehlen. Sobald das weißblaue Kraftwerk mit einem zornigen Knurren zum Leben erwacht, muss es bei drei bis 4.000 U/min bei Laune gehalten werden, bis die Betriebstemperatur erreicht ist.

Ist diese Übung absolviert, geht es auch schon los. Dabei ist der 507 erstaunlich alltagstauglich. Sogar der Gangknüppel befindet sich auf dem Mitteltunnel. Was heutzutage ein unverzichtbarer Grundsatz der Ergonomie ist, war damals im Zeitalter der Lenkrandschaltungen noch die absolute Ausnahme. Die Viergangschaltung und das Kuppeln sind kein Problem, allerdings sollte man schmale Schuhe mitnehmen, da die Pedale doch recht eng angeordnet sind. Auch das riesige Lenkrad mit dünnem Kranz sorgt bei der mächtigen Kurbelei doch eher für Schwielen, als für entspanntes Zirkeln. Zunächst.

Hat man sich einmal an das Fehlen der Servounterstützung gewöhnt - und das geht sehr sehr schnell - zeigt sich der ewig junge und doch 58 Jahre alte Beau auf vier Rädern als sehr alltagstauglich und vor allem richtig spaßfahrerisch dynamisch. Denn schon damals setzten die Münchener auf Leichtbau und verpassten dem sportlichen Aushängeschild eine Aluminium-Karosse, die das Leergewicht auf 1.220 Kilogramm drückte. Damit wetzt der Bayern-Renner richtig flink um jede Kurve, die sich dem Vorwärtsdrang in den Weg stellt. Das Heck lenkt bei sensiblem Umgang mit dem Gaspedal brav mit. Nur wenn man es übertreibt, vollführt das knackige Hinterteil einen geschmeidigen Schwenk, der aber durch schnelles Gegenlenkung sofort wieder kontrolliert werden kann.

Der 3,2-Liter-Motor ist der Quell der Fahrfreude. Einmal warmgefahren hängt er energisch am Gas und quittiert jeder Aufforderung zum Vortrieb mit einem bassartigen Bellen. Die Kraft macht aus dem formschönen Klassiker ein Auto, das auch im Jahr 2013 keine rollende Schikane ist. Ganz im Gegenteil: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt205 km/h. Ganz ordentlich! Der Sprint aus dem Stand bis zur 100 km/h-Marke ist nach rund 11,5 Sekunden absolviert. Ganz ordentlich. Was diese Zahlen jedoch nur unzureichend oder gar nicht ausdrücken können, ist der unglaubliche Fahrspaß, den der BMW 507 vermittelt. Der Fahrer sitzt tief, verschmilzt fast mit dem Asphalt und bekommt so die Dynamik der weißblauen Preziose unmittelbar mit.

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Allerdings ist das Vergnügen nur wenigen vergönnt. Von den 251 zwischen 1956 und 1959 gebauten Exemplaren, existieren nur noch rund 200. Warum so früh Schluss war? Einen schnellen BMW zu fahren, war damals wie heute kein ganz billiges Vergnügen. Der 507 kostete rund 26.500 DM. Zum Vergleich: Einen Käfer bekam man Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts schon für rund 3.800 Mark. In Zeiten, als das Wirtschaftswunder gerade anfing zu blühen und die Menschen ängstlicher waren, eine Menge Holz. Vor allem auf dem amerikanischen Markt blieben die Verkaufserfolge aus. Das ist mittlerweile anders: Heutzutage reißen sich die wohlhabenden US-Amerikaner um den schicken Münchener. Aber unter 800.000 Euro geht gar nichts.

Press-Inform / pressinform

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