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Caravan Salon 2009: Krise macht dünn

Teure Dickschiffe sind out. 60.000 Euro und mehr für ein Wohnmobil sitzen nicht mehr so locker wie vor einem Jahr. Der Kunde will es kleiner, auch damit weniger Sprit verbraucht wird

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge präsentieren die Hersteller von Freizeitfahrzeugen auf dem diesjährigen Caravan Salon (29. August bis 6. September) ihre Neuheiten. Die Verkaufszahlen sind rückläufig, besonders stark hat das Interesse an Mittelklasse-Reisemobilen in der Preisklasse um 60.000 Euro nachgelassen. Auffallend ist speziell das geringe Interesse an den einst sehr beliebten familientauglichen Alkovenmodellen. Einer der Gründe für die Kaufzurückhaltung dürfte, neben der aktuellen Wirtschaftskrise und sparsam haushaltenden Familienvorständen, der EU-Führerschein sein. Lediglich Fahrzeuge bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen dürfen mit der Pkw-Fahrerlaubnis bewegt werden. Da bleibt bei etlichen Reisemobilen kaum noch Zuladung. Damit ist die Marschroute für künftige Reisemobil-Generationen klar: Leichtbau ist angesagt, die Entwicklung und der Einsatz leichter Materialien und neuer Bauweisen sind gefordert. Und das nicht nur vor dem Hintergrund der 3,5-Tonnen-Grenze, sondern auch wegen stetig steigender Kraftstoffkosten.

Im Abspecken übt sich beispielsweise Dethleffs mit dem Advantage, der als Alkovenmobil durch konsequente Gewichtsreduktion unter die 3,5-Tonnen-Grenze gebracht wird. Das Mobil mit bis zu sechs Schlafplätzen ist ab rund 43.000 Euro zu bekommen, ohne Abstriche bei Ausstattung und Komfort. Aufs Gewicht achtet man auch bei Bürstner, wo man die Studie des "Aero Van" jetzt endlich zur Serienreife gebracht hat. Basis ist der Mercedes-Benz Sprinter mit Alko-Tiefrahmenchassis, rund 120 Kilogramm soll der Einsatz dieser Basis einsparen. Zudem ist der Aufbau im Windkanal auf möglichst geringen Luftwiderstand hin optimiert worden, jede Menge Rundungen und die Abrisskante machen den aerodynamischen Feinschliff auch sichtbar. Der knapp Aero Van T 700 bietet ein französisches Bett, ein Sanitärabteil und eine L-Küche, der Grundpreis des noblen 3,5-Tonners liegt bei 69 930 Euro.

Bei den Kunden aktuell besonders beliebt sind Teilintegrierte. Die Fahrzeuge mit verblechtem Serien-Fahrerhaus und den neckischen "Mützchen" darüber sind flach und stemmen sich mit weniger Stirnfläche gegen den Wind als Alkovenmodelle mit ihrer Schlafnase. So sinkt nicht nur der Luftwiderstand, sondern auch der Kraftstoffverbrauch. Für das reisende Paar bieten Teilintegrierte ausreichend Platz und Liegefläche. Doch für Kinder oder Enkel war in der Vergangenheit oft nur wenig Platz und kein weiteres, oder nur durch Umbau der Sitzbank entstehendes Bett an Bord. Die Hersteller haben das Manko erkannt, und bieten jetzt verstärkt Teilintegrierte mit quer installierten Hubbetten an. So aufgerüstet taugen die beliebten Modelle nun auch für den Urlaub zu viert. Ein Beispiel ist Bürstners Ixeo Plus, der in Düsseldorf Premiere als Alkoven-Alternative feiert. Der elegante Teilintegrierte auf Fiat Ducato- Basis bietet sogar ein elektrisch zu betätigendes Hubbett. Ergänzend zum bisherigen Ixeo-Programm kommt die Plus-Serie mit zwei Grundrissvarianten, einmal mit Queensbett im Heck und einmal mit Einzelbetten über der Heckgarage. Die Preise starten bei 53 000 Euro.

Auch Dethleffs reagiert auf den Wunsch der Kunden nach Teilintegrierten mit vier Schlafplätzen. Die Antwort aus Isny ist der Globe4, mit vier verschiedenen Grundrissen im Angebot. Wie bei Bürstner sorgt auch bei Dethleffs ein Hubbett für den Zuwachs an Liegestätten. Basis ist der mit einem Alko-Tiefrahmen-Chassis kombinierte Fiat Ducato, alle Modelle haben ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen und eine Zulassung für vier Personen. Die Grundpreise bewegen sich zwischen 45 799 und 47 999 Euro.

Einen neuen Teilintegrierten gibt es auch bei Eura Mobil. Der TT 710 HB soll die Tugenden eines Teilintegrierten mit den Vorteilen eines Integrierten verbinden, also kompakte Höhe plus großer Stauraum. Im Vorderwagen bietet eine L-Sitzgruppe und eine Doppelsitzbank Platz für bis zu sechs Personen. In der Fahrzeugmitte angeordnet ist die Winkelküche mit 175 Liter fassendem Kühlschrank und optionalem Backofen. Komfort bietet die separate Anordnung von Dusche und Waschraum. Im Heckbereich findet sich ein höhenverstellbares Doppelbett über einer Garage, die Platz für Fahrräder und eine Durchlademöglichkeit nach vorn bietet. Der Grundpreis des Mobils, das auch als 3,5-Tonner zugelassen werden kann, beträgt 58 950 Euro.

Neu im Programm bei Bürstner ist der knapp fünf Meter lange City Car C 500 mit optionalem Aufstelldach. Die untere Liegefläche misst 200 Zentimeter mal 135 Zentimeter, das Bett im Dach ist 200 Zentimeter mal 150 Zentimeter groß. Clou des C 500: Mit weg geklapptem Heckbett steht jede Menge Transportkapazität im Campingbus zur Verfügung. Der Grundpreis des Einsteigermodells liegt bei 30 380 Euro.

Zuwachs bekommt auch die Modellreihe AgilLiner von FR-Mobil durch die Typen L 650 und L 690. Der AgilLiner L 650 mit durchgehendem Doppelboden soll durch den unter dem Fahrerhaus platzierten Motor maximale Raumausnutzung bieten. Punkten dürfte das Mobil in der Klasse der 3,5 Tonner mit einem Basispreis von 99 900 Euro. Ab Frühjahr 2010 wird der L 690 das Liner-Programm ergänzen. Auf weniger als sieben Meter Gesamtlänge soll das Fahrzeug bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 5,2 Tonnen reichlich Innenraum bieten.

Frankia bringt das neue Modell FF 2 mit nach Düsseldorf, einen Teilintegrierten für zwei Personen mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Aus der Rundsitzgruppe im Heck entstehen durch Hochschieben der Rückenlehnen zwei getrennte Betten. Trotz gehobener Ausstattung wollen die Oberfranken preislich noch unter der Grenze von 60 000 Euro bleiben.

Neu bei Hobby ist unter anderem der Van Classic. Sein Grundriss erinnert an die Urversion des legendären Hobby 600: Hinten quer liegt das Doppelbett, in der Fahrzeugmitte auf der linken Seite die Nasszelle, gegenüber die Küchenzeile mit Spüle und Kocher. Im vorderen Bereich liegt die Sitzgruppe mit Sitzbank, Tisch und drehbaren Cockpitsitzen. Den neuen Van Classic gibt es in zwei Ausführungen ab knapp 40 000 Euro. Mit dem Alkovenmobil Siesta T 600 AK KMC kommt zudem ein familientaugliches Mobil ins Programm. Das Fahrzeug bietet Platz für sechs Personen und bleibt beim Gesamtgewicht unter der Marke von 3,5 Tonnen. Vier fest installierte Schlafplätze sind an Bord: ein Doppelbett im Alkoven sowie Etagenbetten quer im Heck. Zwei weitere Schlafgelegenheiten bietet die umgebaute Seitensitzgruppe.

Branchenriese Hymer konzentriert sich auf Konsolidierung. Eine Straffung des Programms und ausgesuchte, neue Grundrisse bestimmen den Modelljahrgang 2010. Mit sechs Caravan- und elf Reisemobil-Baureihen und annähernd 100 unterschiedlichen Grundrissen ist das Angebot des Vollsortimenters besonders umfangreich. Das Unternehmen aus Bad Waldsee hat sich vom Ford Transit als Basisfahrzeug verabschiedet und setzt konsequent auf den Fiat Ducato. So zum Beispiel beim Hymer Car 302, mit Preisen ab 30 000 Euro ein klassisches Einsteigermobil mit herausnehmbarer Küche und variablem Innenraum. Der Campingbus ist mit 2,31 Meter Höhe allerdings für die meisten Tiefgaragen zu hoch geraten.

Mit gestrafftem Angebot und besserer Serienausstattung geht Knaus ins Modelljahr 2010. Die Jandelsbrunner setzen für ihre Reisemobile ausschließlich auf den Fiat Ducato als Basisfahrzeug. Bei den Alkovenmodellen konzentrieren sich die Bayern auf den Sport Taveller, der Sun Traveller wird eingestellt. Bei den Teilintegrierten hat man dem Van TI eine optische Überarbeitung gegönnt, Sport TI und Sun TI gehen mit einer übersichtlicheren Auswahl von Grundrissen an den Start. Neu ist der Sun TI 700 MQG mit Queensbett und Garage.

Umweltfreundliche Antriebstechnologie zeigt La Strada aus Echzell. Der Ecostar, ein Modell der Avanti Kastenwagen-Baureihe, basiert auf dem Fiat Ducato mit Erdgasantrieb. Das Dreiliter-Antriebsaggregat bringt es auf 100 kW/136 PS, das maximale Drehmoment von 350 Nm liegt bei moderaten 1 500 U/min an. Der Avanti Ecostar ist monovalent, der Fahrer kann also nicht zwischen Gas- und Benzinbetrieb wählen. Die fünf Gasflaschen sollen eine Reichweite von rund 400 Kilometern garantieren, die Benzinreserve dürfte für weitere 100 Kilometer Fahrstrecke reichen.

Zum 25-jährigen Jubiläum des Nuggets hat Westfalia gemeinsam mit Ford eine Sonderausgabe entwickelt. Zudem hat der Hersteller seinen Klassiker, den Sven Hedin, überarbeitet und bietet mit dem Sven Hedin Classic eine Kombination des bewährten Grundrisses mit dem bereits aus dem James Cook bekannten Classic-Hochdach an. Wohn- und Schlafraum können bei einer Innenhöhe von 2,40 m gleichzeitig genutzt werden. Und, die wohl spannendere Neuigkeit: Westfalia setzt den Sven Hedin auf eine neue Plattform. Ab sofort läuft das Modell auf Basis des Mercedes Sprinter statt wie bisher auf der des VW Crafters. Gesenkt hat Westfalia den Basispreis des Sven Hedin, der nun bei 59 900 Euro liegt.

Eine besondere Neuheit zeigt Michael Bocklet auf dem Caravan Salon in Düsseldorf. Der Koblenzer, der unter Globetrottern als erste Adresse für den Bau von Allradmobilen gehandelt wird, zeigt einen Iveco Daily 4x4 mit Heckauszug. Ein reinrassiges Fernreise-Fahrzeug, das im Stand durch den "slide out" einen deutlichen Raumgewinn erfährt. Tischer zeigt mit dem Trail Liner einen Sattelauflieger nach amerikanischem Vorbild, mit europatauglichen Dimensionen. Als Zugfahrzeug kommt zum Beispiel der Nissan Navara Pick-Up Doppelkabine 4x4 zum Einsatz. Der Preis für dieses Gespann in kompletter Ausstattung beträgt weniger als 125 000 Euro.

Schade für potenzielle Kunden, die sich über Basisfahrzeuge informieren wollen: Mercedes ist ebenso wie Iveco nicht auf dem Caravan Salon vertreten. Bei VW wird es wohl nur eine Sonderschau historischer Fahrzeuge zu sehen geben. Der deutlich überarbeitete T5 beziehungsweise dessen Nachfolger wird erst zur IAA in Frankfurt (17. bis 27. September) zu sehen sein; die Premiere am Main wollte man sich bei VW Nutzfahrzeuge wohl nicht nehmen lassen.

Gerhard Prien/MID / MID

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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