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Citroën C6 V6 Hdi Biturbo FAP: Ein Gott für die Göttin

Unnahbar und doch erreichbar. Kühl und doch sinnlich. Eine Fahrt mit dem Flaggschiff von Citroën perlt wie ein Abend mit Catherine Deneuve, ein exquisites Abenteuer der feineren Art.

Von Gernot Kramper

Fahrer, die schnell zur Sache kommen wollen, mit quietschenden Reifen und dicken Auspuffrohren ihre Virilität zur Schau stellen möchten, haben einen Wagen wie den C6 nicht verdient. Mit Anmut und Eleganz bewegt er sich. Am Schönsten sind Fahrten durch die Großstadt. Auch wenn sie einmal nicht Paris heißen sollten. Dann, wenn nachts das Regenwasser auf dem Asphalt glänzt und der große Franzose seine Passagiere lautlos und ohne Ruck und Erschütterung von der Oper nach Hause bringt. Kein anderer Wagen dieser Preisklasse vermittelt so sehr die beruhigende Souveränität eines Reisens jenseits von Spurgehoppel und Ampelstart.

Individualität statt Standard

Wichtige Fragen verblassen. Bieten die Sitze genug Seitenhalt? Mehr als man benötigt. Lässt sich der riesige Wagen schnell durch die Kurven prügeln? Gewiss, aber wer möchte das schon. Weil Citroën einmal so mutig war, wie es die Tradition verlangt, kann man alles an diesem Fahrzeug lieben. Ein Head-Up-Display schien zuvor als eine Zutat für verkappte Formelfahrer, genau das Richtige für die M-Fahrzeuge, wenn Drehzahlen und Gangwahl über die Frontscheibe zucken sollen. Im C6 lässt man allein die Geschwindigkeitsanzeige beruhigend über die Fahrbahn leuchten. Mit keinem Wagen lässt sich das gesetzliche Tempo 50 leichter einhalten. Im C6 denkt man nicht man endlich einmal nicht, man sei zu kurz gekommen, nur weil man in der Innstadt nicht achtzig fahren darf. Halbmondförmige Ablagen in den Türen erinnern an Damenhandtaschen. Wer hat so etwas schon? Sie sind eigen, sie sind perfekt, sie sind Citroen. Die hinteren Fahrzeugleuchten - hat man da nicht zunächst spöttisch an Glühwürmchen gedacht? Aber erst sie geben dem Heck den richtigen Pfiff, wunderschön, wie sie nachts auf dem Parkplatz leuchten. So kann man endlos fortfahren. Wenn man den C6 verstanden hat, wird man ihn lieben.

Mehr als genug

Unterdrückt man die zärtlichen Gefühle, bleibt praktisch besehen eine große, elegante Reiselimousine, getrimmt auf Komfort und nicht auf übertriebene Sportlichkeit. Der 2.7-Liter-Dieselmotor hat inzwischen leistungsstärkere Konkurrenz bekommen. In den Kriterien von Laufruhe und Kraftentfaltung bleibt er in der Referenzgruppe. Das V6 HDi Dieselaggregat schaufelt mit zwei Turboladern 204 Pferdestärken und ein maximales Drehmoment von 440 Nm heran. Die Sechsgangautomatik schaltet unmerklich und sabft. Eine Beschleunigung von 9,3 Sekunden auf Tempo 100 kann natürlich nicht mehr als Rennwert in der Oberklasse gelten. Doch mit 230 km/h Spitzengeschwindigkeit ist man durchaus zügig unterwegs. Ein durchschnittlicher Verbrauch von etwa acht Litern darf erfreuen. Wer es sportlicher möchte, kann die Gänge von der Automatik höher drehen lassen, bei Bedarf lässt sich auch das hydropneumatische Fahrwerk auf sportlich trimmen. Fahrerlebnisse der ruppigen Art lässt der Citroën in keiner Stellung zu. Gerüttel und Geschüttel gibt es einfach nicht. Natürlich kann der Abstand, der einst zwischen dem Fahrwerk der DS und der Konkurrenz geherrscht hat, heute nicht mehr erreicht werden, dafür sind die Mitbewerber zu gut geworden. Aber dennoch zeigt sich diese ganz französische Lösung absolut auf der Höhe der Zeit. Die Lenkung zeigt sich leider ebenso komfortabel, hier wünschte man sich doch ein direkteres Feedback. Das Einparken erfordert Geduld, Umsicht und genaue Kenntnis der Dimensionen des Fahrzeugs. Man sollte an einen großen Gala-Ball denken, dort kann man die Partnerin ja auch nicht schwupps über die Fläche hebeln. Die Einparkhilfe sollte nicht getsrichen werden, dafür ist der C6 einfach zu groß und unübersichtlich.

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Endlose Dimensionen

Eindrucksvoll von außen ist der C6 allemal, auffälliger dürfte nur eine S-Klasse von AMG sein. In der gehobenen Mittelklasse gibt es kein großzügiger geschnittenes Fahrzeug. Der Komfort auf allen Plätzen ist berauschend, allein der Kofferraum ist begrenzt. In der Praxis dürfte das zu wenig Verdruss führen. Junge Familien mit Kinderkarren und Hund werden kaum zum C6 greifen. Großzügigkeit und Weite beherrschen den Innenraum. Ein Cockpit, das den Fahrer wie in einem Kampfjet umschließt, gibt es nicht. Glücklicherweise konnten sich schein-innovative Spielereien wie Mittelanzeige oder schrille Leuchtbänder nicht durchsetzen. Auf der Mittelkonsole hat Citroën leider noch nicht aufgeräumt. Anstatt eines Zentralschalters mit Menüsteuerung gibt es die Invasion der Knöpfe. Immerhin dezent angeordnet. Der Fahrer findet sich sofort und intuitiv zurecht. Nur die Stellräder für die Sitzheizung wurden sehr versteckt am unteren Sitz außerhalb der Sichtweite angebracht.

Paris ist manchen Euro wert

Der C6 ist der Gegenpunkt zur Globalisierung, in der inzwischen jeder Koreaner behauptet, europäische Gene zu besitzen. Der Citroën ist ein Bekenntnis zur Frankophilie. In der Topausstattung "Exklusive" kommt der Diesel mit Automatik auf 54.900 Euro. Mit Lederausstattung, Navigationspaket und 19 Zoll-Felgen wird die 60.000er-Marke locker übersprungen. Zumindest nominell ist das französische Savoir-vivre also nicht zum Schnäppchen-Preis zu haben.

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