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Die Göttin hat Geburtstag: Faszination: 50 Jahre Citroën DS

Gar nicht so einfach damals, anno 1955: Frankreich war so schon nicht gut drauf. Und dann kam auch noch sowas wie die DS. Sah aus wie ein flügelgestutzter Jagdflieger - aber mit vier Rädern. Und dem Zeug zur Legende.

Ein kommerzieller Erfolg und eine Legende. Eine zum Anfassen. Und zum Fahren. Zum Fahren wie Gott in Frankreich. Citroën hatte sie gezeugt - und eine Göttin war geboren: La Déesse, säkularisiert "DS".

Die hydropneumatische Federung machte die Sänfte auf vier Rädern möglich. Und sorgte gleichzeitig für eine konstante Bodenfreiheit unter jeglicher Last. Eine Revolution: Der Druck zwischen Gas und Flüssigkeit - damals französisch wohlklingend "Allianz von Luft und Wasser" benannt - ersetzte die Metallfedern der klassischen Fahrwerksaufhängungen. Und damit kein Ende: Via Handhebel im Innneraum konnte man die Bodenfreiheit auch noch selber verstellen!

Letztlich war aber auch diese Innovation nur einer der Ausflüsse einer revolutionären automobilen Technologie. Sie bestand in einer zentralen Hockdruck-Pneumatik, und diese speiste, oder besser: steuerte nicht nur die hydropneumatische Aufhängung mit "Trimmkorrektoren" hinten und vorne, sondern auch noch andere fürs Fahren lebenswichtige und zugleich komfortgenerierende Komponenten.

Zum Beispiel die Zweikreisbremse, deren Bremskraftverteilung sich je nach Beladung des Fahrzeugs mehr nach vorne oder nach hinten orientierte. Die Pneumatik machte Bremsen mit sehr viel weniger Pedaldruck möglich – vive la Servobremse! (Übrigens hatte die Déesse als erstes Großserienauto auch Scheibenbremsen.) Oder die Servounterstützung der Lenkung, die trotz des Hydrohelferleins für damalige Verhältnisse erstaunlich direkt und rückmeldend gewesen sein soll. Die Hydraulik lieferte zudem die Energie für die Schaltung mit automatischer Kupplungsbetätigung – heute zu Zeiten der sequenziellen (Direkt-)Schaltegetriebe eine Selbstverständlichkeit, aber damals eine weitere Sensation: schalten ohne kuppeln - incroyable.

Das alles wäre indes nichts ohne gebührende Außenhaut. Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass der Ingenieur André Lefèvre und der Zeichner, Designer und Bildhauer Flaminio Bertoni, beide noch von André Citroën persönlich eingestellt, ganz eng zusammen arbeiteten – galt es doch, die aufwändige Technik zum einen unterzubringen, zum anderen selbstbewusst darzustellen.

Das Ergebnis ist bekannt. Zwar erfuhr der fast fünf Meter lange Fronttriebler im Laufe seiner 20jährigen Lebensdauer zahlreiche Veränderungen (unter anderem stärkere Motoren, Automatikgetriebe und eine neue Front mit – eine weitere wegweisende Innovation – lenkbaren Scheinwerfern hinter Glas). Aber man verzichtete tunlichst darauf, an dem französischen Prestigeobjekt Grundlegendes abzuändern.

A propos Prestige: Bereits 1959 wurde eine Version mit Trennscheibe zwischen Vordersitzen und Wagenfond eingeführt, die für Chauffeur-Betreieb ausgelegt war und bei Bedarf mit Funktelefon ausgestattet werden konnte.

In gewisser Weise ging dieses Modell auf "Le Général" zurück: Charles de Gaulle, seit Ende 1958 Staatspräsident der V. Republik, schätzte die fahrende Göttin von Anfang an sehr. Und noch mehr, als sie ihm bei einem der insgesamt mindestens sieben Attentate, die im Zuge seiner Algerienpolitik in den Jahren 1962 und 1963 auf ihn verübt wurden, vermutlich das Leben rettete: Wie in Frederik Forsyths Thriller "Der Schakal" dokumentiert und in Fred Zinnemanns (kon)genialer Verfilmung eindrucksvoll dargestellt, wurde de Gaulles Limousine von zahlreichen Kugeln durchsiebt - er selbst aber nicht getroffen. Zwei Reifen waren perdu, die DS raste trotzdem unbeeindruckt weiter und brachte den Staatspräsidenten in Sicherheit.

Offensichtlich besaß auch die französische Unterwelt in jenen Zeiten Nationalgefühl – und Stilbewusstsein. Kein "film noir" ohne eine Déesse mit verbrecherischem "Inventar". Besonders dann nicht, wenn der Film von Jean-Pierre Melville gedreht wurde. Die DS wurde zur Gangsterlimousine schlechthin, einmal sogar als Krankenwagen. Auf diese Funktion hatte die Break-(= Kombi-)Ausführung in Frankreich allerdings praktisch das Monopol gepachtet.

Und wenn die Göttin – die schon sehr bald auch topless als Cabriolet brillierte - einmal nicht vor der Kamera agierte, dann kam sie schon mal dahinter zum Einsatz: Kameraleute schätzten sie über alle Maßen für Aufnahmen bei der Fahrt – wegen der Fortbewegung à la Sänfte. Très comfortable, vraiment.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.