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Entwicklung des Dieselpreises Der Diesel wird zum Luxus-Sprit


Dieselfahrer müssen jetzt ganz tapfer sein: Auf Dauer wird Diesel teurer als Super. Schuld daran seien aber nicht die Öl-Multis, sondern die deutsche Steuerpolitik, sagt eine Studie des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer.
Von Gernot Kramper

Der Dieselpreis bricht alle Rekorde. Fahrer eines Dieselfahrzeugs mussten im November die teuersten Spritpreise des Jahres in Kauf nehmen: Ein Liter Diesel kostete im Monatsmittel 1,453 Euro, so der ADAC. Diesel galt hierzulande immer als der billigere Treibstoff - plötzlich wird er zum Nobel-Sprit. Und das wird so bleiben – so das Ergebnis einer Studie des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer. Dieselfahrer müssen sich in Zukunft auf überproportional steigende Preise einstellen.

Schuld daran sind nicht irgendwelche finsteren Machenschaften der Automobilindustrie, schuld – so Dudenhöffer – ist die Politik. Die deutliche geringere Besteuerung des Dieselkraftstoffs macht das Fahren mit dem Selbstzünder finanziell zu attraktiv. Zur Zeit kassiert der Staat für ihn etwa 22 Cent weniger Abgaben pro Liter als für Benzin – obwohl der Diesel einen höheren Energiewert aufweist.

Neue Technik machte den Diesel stubenrein

Dieses Steuersignal hat allerdings erst seit etwa dem Jahr 2000 einen wahren Dieselboom bei den Neuzulassungen ausgelöst. Genügsam waren Diesel schon vorher, sie zeigten aber wenig Temperament und Laufkultur. Erst als Commonrail-Technologie und Direkteinspritzung dem Diesel Pepp verliehen, wich die Kaufzurückhaltung auch anspruchsvoller Kunden.

Angefeuert von der steuerlichen Besserstellung setzten die Selbstzünder zum Siegeszug an: 1990 kamen in Deutschland nur 11 Prozent aller Pkw-Neuwagen als Diesel auf die Straße, im Jahr betrug der Anteil schon 30 Prozent und heute liegt er bei 47 Prozent. In Ländern wie der Schweiz, die den Dieselmotor nicht künstlich fördern, liegt der Anteil nur bei 30 Prozent – fast ein Fünftel der neuen Diesel-Pkw gehen aklso auf Kosten der Berliner Steuerpolitik. Das ist besonders absurd, weil der Dieselmotor besonders schädliche Abgase ausstößt.

Feste Dieselquote in der Produktion

Das Problem ist, dass der Dieselanteil in der Produktion nicht mit angestiegen ist. Und es auch nicht konnte: Eine einmal gebaute Raffinerie produziert immer in etwa den gleichen Anteil von Diesel und Benzin. Nur auf Deutschland betrachtet heißt das: Es wird viel zu viel Benzin und zu wenig Diesel hergestellt – Diesel muss importiert werden. Die Knappheit treibt Preis. Zynisch könnte man sagen, inzwischen bremst die Marktwirtschaft die Steuerverzerrung wieder aus: Die steuerliche Anreize haben den Dieselanteil so unvernünftig weit nach oben gebracht, bis er am eigenen Erfolg erstickt.

Eine technische Lösung ist nicht in Sicht. Nur für Besonderheiten des deutschen Steuerrechts, die in einem Jahr geändert werden könnten, werden keine Spezial-Raffinerien errichtet, die 30 Jahre lang arbeiten müssen, so die Studie. Die tatsächliche Lösung des Problems wird über Frustration an der Tankstelle geschehen: Wenn das Dieseln sich nicht mehr lohnt, werden Benziner wieder Marktanteile hinzugewinnen.

Das wird vermutlich schneller als gedacht geschehen. Denn bei den Preisen wird der Diesel in Zukunft noch richtig Gas geben: Die Zunahme des weltweiten Frachtverkehrs werden Preis und Nachfrage weiter nach oben treiben. Hinzu kommt, dass Schiffe in Gewässern wie der Ostsee in Zukunft aus Umweltschutzgründen kein schweres Heizöl mehr verfeuern dürfen, sie werden statt dessen auf Diesel ausweichen.


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