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Fahrbericht: Citroën C1 1.0: Le Zwerg

Dank Abwrackprämie und Kampfrabatten gibt es kleine Stadtflitzer derzeit zum Spottpreis. Bei Citroën wurde gerade der C1 geliftet. Der Franzosen-Winzling erfüllt Grundbedürfnisse – nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Der C1 ist das kleinste Pferd im Citroën-Stall und das Schwestermodell von Toyota Aygo und Peugeot 107. Beim Facelift der drei Winzlinge hat sich wenig getan. Der augenfälligste Unterschied ist noch das neue Gesicht, das beim C1 besonders freundlich geraten ist. Eine Chromspange umrahmt den Kühlergrill wie ein lachender Mund und das Franzosen-Baby ist mit seinen Kulleraugen vor allem bei der weiblichen Kundschaft beliebt.

Beim Fünftürer grenzen die hinteren Verschläge direkt an die hoch gesetzten Rückleuchten. Damit wird das bisschen Auto - 3,43 Meter kurz, 1,63 Meter schmal und 1,47 Meter hoch – immerhin optimal ausgenutzt. Selbst auf der Rückbank können Erwachsene sitzen, ohne Beklemmungsgefühle zu bekommen. Für lange Reisen reicht der Sitzkomfort mangels Kniefreiheit allerdings kaum aus.

Im Cockpit ist das Platzangebot besser. Doch für große Fahrer lässt sich das Lenkrad nicht weit genug in der Höhe verstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Fahrersitz nur auf Schienen läuft und sich gar nicht in der Höhe anpassen lässt. Das Cockpit ist einfach strukturiert und einige Materialien wie die Hebel für die Lüftung versprühen immer noch den Charme billigen Plastikspielzeugs. Doch dafür gibt es praktische Ablagen und Becherhalter. Die Sitze sind weich und mit wenig Seitenhalt gesegnet - aber bequem genug für den Alltag. Ein wenig entsetzt reagiert das geschmacksbetonte Auge auf das blasse Streifenmuster der Polster, das an Campingmöbel aus den 70ern erinnert.

Kein Raum für einen Koffer

Das größte Manko des kleinen Franzosen ist der Kofferraum, den man besser Täschchen-Ecke taufen sollte. Das schmale Abteil schluckt nicht einmal eine Wasserkiste und ist mit 139 Litern allenfalls für ein paar Einkaufstüten geeignet. Da lässt man die Rückbank am besten ständig umgeklappt und hat bis unters Dach immerhin 712 Liter (Fünftürer: 751 Liter) zur Verfügung.

Der C1 fährt sich kinderleicht, hat einen Wendekreis von 9,5 Metern und dürfte beim Parken niemanden vor Probleme stellen, der auch ein Bobby-Car rangieren kann. Negativ anzumerken sind die hakelige Fünfgangschaltung und die etwas schwächlichen Bremsen.

Unter der Haube brabbelt ein Dreizylindermotörchen mit einem knappen Liter Hubraum vor sich hin, das im Leerlauf für spürbare Vibrationen im Fahrzeug sorgt. Das Aggregat leistet 50 kW/68 PS und benötigt fast 14 Sekunden, bis es den C1 auf 100 km/h gebracht hat. Im entscheidenden City-Bereich bis 60 km/h ist der Wagen allerdings putzmunter unterwegs und erfordert wenig Schaltarbeit.

Automatisch gegen Aufpreis

Mit ein wenig Feintuning am Motor hat Citroën den Verbrauch gesenkt, wobei eine Verbesserung von 4,6 auf 4,5 Liter pro 100 Kilometer (Werksangabe) nicht gerade rekordverdächtig ist. Der Wagen erfüllt nur die Euro 4-Norm. Die Dieselversion mit 40 kW/54 PS nimmt Citroën mangels Nachfrage aus dem deutschen Programm. Alternativ zur Fünfgang-Handschaltung kann man für 600 Euro Aufpreis ein automatisiertes Getriebe ordern. Der Verbrauch steigt dadurch laut Werksangabe nur um 0,1 Liter an und liegt im Stadtverbrauch mit 5,5 Litern auf dem Niveau des Handschalters.

Die Preisliste beginnt bei 9390 Euro (Dreitürer), das etwas besser ausgestattete Modell Style ist ab 10.350 Euro zu haben. Der Aufpreis für den Fünftürer beträgt jeweils 400 Euro. Wer seinen altersschwachen Polo, Twingo oder Panda in die Presse schicken will, dürfte dank Abwrackprämie und Rabatte einen Basis-C1 also schon für deutlich weniger als 7000 Euro bekommen. Dabei sollte man allerdings immer eventuelle Lieferzeiten im Hinterkopf behalten. Auch die Konkurrenz bringt derzeit Kleinwagen zu nie da gewesenen Preisen unters abwrackgewillte Volk – der Renault Twingo zum Beispiel ist schon für knapp 6000 Euro zu haben.

Nackte Basismodell haben allerdings ihre Tücken. Das C1-Basismodell Advance etwa hat nicht einmal Radio oder Servolenkung an Bord. Immerhin gibt es die gegen Aufpreis im 990 Euro teuren Sicherheits-Paket zusammen mit ESP und Kopfairbags. In der Style-Ausstattung sind neben optischem Zierrat noch Servolenkung, Isofix-Kindersitzbefestigungen, die geteilt umklappbare Rückbank und Zentralverriegelung an Bord.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.