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Fahrbericht: Jaguar XF 3.0d S: Doppelt geladen

Jaguar bringt seine Kätzchen auf Trab. Statt des bisherigen, wenig impulsiven 2.7 Diesel bekommt der noch junge XF jetzt nicht nur eine Modellpflege, sondern gleich auch einen neuen Powerdiesel mit 275 PS verpasst.

Der doppelt aufgeladene Commonrail-Diesel mit drei Litern Hubraum aus dem Hause BMW gilt mit seinen 286 PS für viele als das Maß der Dinge. Und auf dieser Vorgabe haben die Briten einen guten Job gemacht: "Wir haben uns bei der Entwicklung unserer neuen Diesel an den BMW-Triebwerken orientiert, die für uns hier klar die Benchmark sind“, lobt Neil Hume, bei Jaguar für die Entwicklung der Dieseltriebwerke zuständig, sich und sein Team. "Und gegenüber denen müssen wir uns mit unseren neuen Motoren beileibe nicht mehr verstecken."

Einst mussten nicht nur der Jaguar XJ sondern auch der besonders sportlich positionierte XF mit einem guten, aber vergleichsweise zahmen 2,7 Liter großen V6-Diesel auskommen. Mit 207 PS war man flott und leise säuselnd unterwegs - doch die Bestmarken setzten andere. "Wir mussten angesichts der Konkurrenz einfach schneller und stärker werden", sagt Malcom Sanford, Leiter der Motorenentwicklung bei Jaguar. "Das erwartet man von einer Marke wie Jaguar."

Der alte Doppelturbo wird in Deutschland nicht mehr angeboten. Neues Topmodell bei den Diesel ist ein drei Liter großes Commonrail-Triebwerk mit 202 kW/275 PS.

Damit klopfen die Briten in der ersten Liga an. Der Motor ist vibrationsarm und überzeugend leise, verwöhnt seine Insassen jedoch mit sportlichstem Tatendrang. Aus dem Drehzahlkeller hängt der über 1,8 Tonnen schwere Hecktriebler mustergültig am Gas und katapultiert sich mit maximal 600 Nm Drehmoment nach vorne.

Speck auf den Rippen

Das Turboloch ist winzig - und wüsste man das dezente Säuseln nicht besser zu deuten, man hätte Zweifel, in einem Dieselfahrzeug zu sitzen. Ein Grund für die harmonische Leistungsentfaltung ist der doppelte Turbolader. Im Normalbetrieb und bei geringer Motordrehzahl wird die Luft allein von einem Lader mit variabler Turbinengeometrie verdichtet. Erst ab 2.800 Touren wird der zweite, kleinere Lader für zusätzliche Leistungsausbrüche zugeschaltet.

Der Leistungszuwachs von über 30 Prozent soll sich an der Zapfsäule dagegen nicht bemerkbar machen. So sank der Durchschnittsverbrauch trotz bissigen 275 PS laut Jaguar auf 6,8 Litern Diesel je 100 Kilometer und der luxuriöse Engländer schafft die strenge Euro-5-Abgasnorm. Die Düsen spritzen den Kraftstoff dabei mit bis zu 2.000 bar Druck in die sechs Brennkammern ein. Dabei verzichten die umtriebigen Briten auf zusätzliche Einsparpotenziale in Form von entkoppelbaren Nebenaggregaten oder einem regenerativem Bremssystem. Da der XF nur mit der bekannten Sechsstufenautomatik aus dem Hause ZF unterwegs ist, bleibt auch eine Start-Stopp-Automatik bis auf weiteres außen vor.

Bei den Fahrleistungen gab es trotz aller Sparambitionen keine Kompromisse. Der kraftvolle Jaguar beschleunigt wenn gewünscht in 6,4 Sekunden auf 100 km/h und wird erst bei einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h elektronisch eingebremst.

Für den sportlichen Ritt dürfte das Fahrwerk des Jaguar XF zumindest im neuen Sportmodus gerne noch etwas straffer sein. Neben der Dämpfereinstellung hat das Sportprogramm Einfluss auf Motorelektronik und Gangwahl. Auch die zu leichtgängige Servolenkung lässt gesunde Härte und somit Rückmeldung von der Fahrbahn vermissen.

Leistung pur

Wem 275 PS zu viel Leistung sind oder wer in Dienstwagen-Kategorien kalkulieren muss, der kann den Dreiliter-Diesel auch als Light-Version kaufen. Dank anderer Motorelektronik leistet das ansonsten identische Dreiliter-Aggregat des XF 3.0d dann "nur" 177 kW/240 PS und 500 Nm Drehmoment. Es beschleunigt den XF von 0 auf 100 km/h in 7,1 Sekunden und schafft 240 km/h Spitzengeschwindigkeit.

Der Basispreis für den Jaguar XF liegt bei 51.200 Euro. Der XF 3.0d S startet bei 54.500 Euro. Die ab April erhältlichen Triebwerke erreichen die zukünftige Euro 5-Abgasnorm.

Die Serienausstattung des überarbeiteten Jaguar XF ist ordentlich, lässt aber zahlreiche Lücken zur standesgemäßen Individualisierung. So sind elektrische Ledersitze, Klimaautomatik, Bluetooth-Schnittstelle, Keyless Go und Einparkhilfe serienmäßig. Beim Basispaket "Luxury" müssen Annehmlichkeiten wie Xenonlicht (ab 990 Euro), Navigationssystem (2.060 Euro) oder Reifendruckkontrolle (560 Euro) dagegen extra bezahlt werden.

Die Motoren der neuen Dieselgeneration werden in den nächsten Monaten auch in den Modellen Range Rover, Range Rover Sport und Land Rover Discovery Einzug halten. Zum Ende des Jahres kommt der neue Jaguar XJ zu den Händlern. Auch er wird auf den 275 PS starken Selbstzünder zurückgreifen können.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.