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Fahrbericht: Volvo S80 D5: Böser Blick aus Norden

Der Volvo S80 hat sich den Ruf des Individualisten redlich verdient: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr gerade mal 900 Stück verkauft. Die nordische Alternative zu Benz und Co. bekommt nun neue Motoren.

"Überholprestige" – dieses deutsche Wort geht Volvo-Designer Pontus Fontaeus ziemlich flüssig über die Lippen. Der S80 soll nach seinem Facelift nun "tougher" auftreten und einen "bösen Blick" bekommen haben. Etwas breiter und niedriger wirkt Volvos Luxusgleiter durchaus. Doch die Aggressivität hält sich in Grenzen – wobei sich die Frage stellt, ob das Herz eines Volvo-Piloten unbedingt daran hängt, einen Audi A6 oder 5er BMW von der linken Spur zu scheuchen.

Der S80 ist ein schicker und gemütlicher Cruiser mit eher zaghaften sportlichen Ambitionen. Irgendwie sehr amerikanisch, nur um Klassen besser verarbeitet. Diese Eigenschaften haben sich mit dem Facelift nicht geändert.

Der 4,8 Meter lange Schwede kommt durchaus kraftvoll, vor allem aber elegant daher – allein der zarte Schwung der Heckleuchten ist ein optischer Leckerbissen. Im Interieur hinterlässt eine Kombination aus hellen Lederpolstern und dunklem Holz den besten Eindruck.

Beim Raumangebot kommt es darauf an, ob ein Sitzriese am Steuer sitzt oder nicht – im ersten Fall ist für groß gewachsene Fond-Passagiere die Kniefreiheit allenfalls befriedigend. Über dem Kopf bleibt jedoch immer reichlich Platz. Der Kofferraum fasst 480 Liter und ist damit vergleichsweise klein (5er BMW: 520 Liter, Audi A6: 546 Liter, Mercedes E-Klasse: 540 Liter, Jaguar XF: 540 Liter).

Navi von gestern

Das einzige im Volvo-Interieur, das sich negativ von der Konkurrenz abhebt, ist das Navigationssystem. Der Bildschirm fährt wie gehabt senkrecht aus der Mittelkonsole und ist leicht zum Fahrer hin geneigt. Das soll Blend-Effekten vorbeugen, führt aber dazu, dass man schräg von oben auf den Monitor blicken muss. Für eine Fahrzeugklasse, in der das Navi zu den gern georderten Optionen gehört, ist Volvos System zudem bei der Kartendarstellung und der Funktionenvielfalt im Vergleich zur Konkurrenz arg ins Hintertreffen geraten.

Im Rahmen der Modellpflege erhält der S80 zwei neue Dieselmotoren. Der Hubraum bleibt mit 2,4 Litern zwar unverändert, doch die Leistung steigt – beim 2.4 D von 163 auf 175 PS und beim D5 von 185 auf 205 PS. Das D5-Aggregat entwickelt ein Drehmoment von 420 Newtonmetern. Den Durchschnittsverbrauch gibt Volvo mit 6,2 Litern Diesel pro 100 Kilometer an, der Motor erfüllt die Abgasnorm Euro-5.

Um das Ansprechverhalten zu verbessern, benutzt Volvo das mittlerweile weit verbreitete Twinturbo-Prinzip. Zwei Lader werden in Reihe geschaltet. Der kleinere reagiert schon bei niedrigen Drehzahlen, bei höheren Drehzahlen übernimmt der große Bruder.

Das Ergebnis ist in der Praxis ein wenig enttäuschend. Natürlich steht reichlich Kraft zur Verfügung. Doch mit der Spritzigkeit etwa eines BMW-Sechszylinderdiesels kann sich Volvos Fünfender nicht messen. Zum Teil ist das auch der Automatik geschuldet, über die die Testwagen verfügten. Die schaltet zwar ruckfrei, aber gerade bei niedrigeren Drehzahlen ist sie nicht besonders reaktionsschnell. Immerhin läuft der Motor kultiviert und der Geräuschpegel hält sich auch bei hohem Tempo in Grenzen. Zudem versprechen die Schweden eine hohe Winterfestigkeit – der Diesel soll sich ohne Vorglühen bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad starten lassen.

Auch ein Spar-Diesel kommt

Beim Fahrwerk bietet Volvo alternativ zum serienmäßigen Komfortfahrwerk eine Sportversion mit automatischer Niveauregulierung an, bei der die Karosserie des Wagens gleichzeitig leicht tiefergelegt ist. Der Unterschied zwischen beiden Fahrwerken ist deutlich: Die Komfort-Variante fährt sich recht behäbig, schluckt aber jede Bodenwelle. Die sportliche Abstimmung reduziert die Seitenneigung, sorgt für eine straffere Straßenlage in der Kurve und verteilt dennoch keine unangenehmen Schläge. Leider verdirbt eine leichtgängige und gefühllose Lenkung immer noch ein wenig den Fahrspaß im großen Volvo.

Der 205 PS-Dieselmotor wird ab dem Frühjahr auch in den Modellen V70, XC60 und XC70 angeboten. Wichtiger dürfte für manche Märkte allerdings die Erweiterung der Motorenpalette nach unten sein – in Frankreich etwa sind nach der Umstellung der Kfz-Steuer Luxuslimousinen mit großen Motoren nur noch schwer verkäuflich. Viele Hersteller haben reagiert – Skodas Superb etwa ist mit Dieselaggregaten ab 105 PS zu haben, Audi schickt den A6 als 2.0 TDIe mit 136 PS ins Feld. Den Volvo S80 wird es als 1.6 DRIVe mit einem Vierzylinder-Diesel und 109 PS geben. Der Durchschnittsverbrauch soll bei nur 4,9 Litern pro 100 Kilometer liegen.

Zu den Preisen des überarbeiteten S80 hat Volvo noch keine Angaben gemacht, ebenso wenig zur Ausstattung – obwohl der Wagen im Frühjahr zu den Händlern rollen soll. Zurzeit reicht das Spektrum der Modellreihe von 32.280 Euro (2.0 Kinetic, 145 PS) bis 70.920 Euro (V8 mit Allrad und Automatik, 315 PS).

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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