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Ford Focus II: Der große Lange mit dem kleinen Stummel

Vorne gewachsen, hinten gestutzt: der neue Focus fährt im Coupé-Look vor. Dabei ist er ein echter Mehrwerter: Unter einer ansprechenden und soliden Schale steckt ein Wagen, der viel fürs Geld bietet.

Rumms - Im März 1998 ging ein Ruck durch die Autowelt und ein Erdbeben durch die Marke Ford: Der erste Focus wurde in Genf vorgestellt. Ein Wagen der Aufsehen erregte, ein Fahrzeug das kopiert wurde, eine Formensprache - ausgerechnet von Ford -, die bestaunt und nicht belächelt wurde. Labsal für die geplagte Ford-Seele, umso mehr, als der Wagen mit mehr als zwei Millionen ausgelieferten Exemplaren auch beim Kunden Erfolge feiern konnte. Der Focus war der Retter in der Not, nun ist es Zeit für die nächste Generation.

Würden Sie es mit dem Focus probieren?

Flotte Linie, ohne Rücksicht auf Verluste

Klar und wahr, konnte man einst sagen. Die geradlinigen, kantig-zickigen Zeiten beim Focus sind jetzt vorbei. Wölbungen, Kehlen und Sicken wohin man sieht. Doch aufs Ergebnis kommt es an, und das kann sich sehen lassen, der Wagen wurde nicht barockisiert, er wurde kräftiger und flotter. Für einen Schlaganfall reicht's allerdings nicht, dafür wurde zu bieder an den Formen herum geschliffen. Nach vorne schreit der glitzernde Chromgrill: "Achtung teuer!" Hinten sorgt der Dachspoiler für Kontroversen: Die einen denken an Sportwagen, die anderen erinnert die Kunststoffwurst an Schlupflider im Dämmerschlaf. Innen lauert die Überraschung: "Mann, ist der gewachsen!" Der Eindruck trügt nicht. In der Länge sind es tatsächlich 17 cm (nun 4,43 m), in der Breite vier cm (jetzt 1,84 m), der Radstand streckte sich dabei nur um mickrige 2,5 Zentimeter, die vordere A-Säule rutschte um erstaunliche zehn Zentimeter nach vorn. Für den rasanten Vorwärtsdruck der Form sorgt die neu gestaltete Dachlinie, die A-Säule rückt nach vorn, die C-Säule nach hinten, so bekommt der Kompakte den ersehnten Coupé-Look. Gut gelang die Kopffreiheit in der ersten Reihe, in der zweiten ist es mit dem lichten Himmel allerdings vorbei. Richtig, Familien sehen sich bei den heutigen Transportbedürfnissen eher nach einem Turnier - Kombi - oder einem C-Max um, aber beim Focus-Standardmodell wurde die coole Optik zu weit getrieben. Trotz des deutlichen Wachstums in der Länge stoßen die hinteren Passagiere schon bei 180 cm Körpergröße an die Decke. Geduckte Haltung, das Kinn an die Brust gezogen, so machen selbst kurze Strecken keine Freude. Dafür beträgt das Gepäckraumvolumen 385 Liter und liegt über dem Klassendurchschnitt. Zum 13. November steht der neue Focus beim Händler. Von Anfang an als Drei- oder Fünftürer, kurz darauf kommt das Kombimodell Turnier. Einige Wochen später wird die viertürige Limousine die Palette vervollständigen. Und dann ist noch nicht Schluss. "Eine Cabrioversion oder einen kompakten SUV könnte man sich auch auf der Focus-Basis vorstellen", kündigt Ford-Chef Bernhard Mattes an. Auch die RS-Variante wird nicht abwarten wollen, bis Golf GTI und Astra GTC den Markt erobert haben.

Designer-Mund tut Wahrheit kund

Große Designsprünge seien nicht angestrebt worden, bedauert Chefdesigner Chris Bird, nach dem revolutionären Aufbruch sei ein "evolutionärer" Prozess beschritten worden. In der zweiten Generation ist das nicht unüblich, meist sagt man, der Wagen sei nun erwachsen geworden. Chris Bird gib ein ehrliches Statement ab: "The car must look expensive". Wir übersetzen: Der Wagen sieht solide aus.

"Billig, da stehen wir nicht drauf"

Einen großen Schritt voran macht die Qualität im Innenraum. Eine Fachgruppe für "craftmanship" - zu deutsch etwa "solide Handwerklichkeit" - nahm sich den Focus vor. Bei Ford ein absolutes Novum. Erklärtes Ziel: Auch an einem Ford sollen die Türen mit soliden Klang schließen. Schalter, Öffner und Türen sollen satt in der Hand liegen. Und, was soll man sagen: "Ford, die tun was." Konnte man sich bei früheren Modellen die Haare raufen und verzweifelt fragen, warum sich vieles so billig anfühlen muss und warum nicht ein klein wenig mehr in qualitative Anmutung investiert werden kann, bleibt dieser Schock im neuen Focus aus. Weiche, aber solide Kunststoffe erstrecken sich unter dem Panoramadach. Nach der Montage schrumpft das Material spaltfrei um die Luftdüsen. Das Cockpit ist aufgeräumt, die Sitze bieten den richtigen Halt. Die Klappen der Ablagen klappern nicht mehr. Wunderbar, ein großes Lob, die "gefühlte Qualität" überzeugt.

Mannschaft komplett im Maschinenraum

Der Focus tritt vom Start weg mit vier Benzinern und zwei Commonraildieseln an. Bereits der 109 PS Selbstzünder stellt eine mehr als standesgemäße Motorisierung da, er wurde mit der stufenlosen CVT-Automatik gefahren. Dann macht der Focus Freude, man kann angenehm und entspannt dahin gleiten, beim Tritt aufs Pedal sind Reserven vorhanden und doch verheizt man nur 5.5 Liter. Weniger schön, der Partikelfilter kostet 600 Euro extra. Beim Zwei-Liter-Diesel (136 PS) liegt entsprechend mehr Power an. Auch der Zwei-Liter-Menzin-Motor ist ein Kraftkerl, die Fahrleistungen (0-100 km/h in 9,2 Sekunden) liegen angesichts des Preises über den Erwartungen.

Ohne Gerumpel

Schon der erste Focus setzte Maßstäbe beim Fahrwerk. Die zweite Generation konnte nach zulegen. Die Lenkung gelang präziser, eine etwas steifere Bodengruppe und Justierungen bei der Abstimmung machen das Fahren zum Vergnügen. Ford hat der Versuchung widerstanden, sportliches Fahrvehalten mit "gesunde Härte schadet nicht" zu übersetzen, der Focus bietet vorbildliches Handling und ohne Gerumpel und Gepumpel bei jeder Unebenheit.

Spitz, wie Fords Bleistift

Der Focus schont das Konto, mit dem kleinsten Motor (1.4 Liter, 80 PS) beginnt der Preisreigen bei appetitlichen 14.375 Euro für die "Ambiente"-Ausstattung. Schon dieses Modell verfügt über sechs Airbags und ein ESP. Im "Ambiente" wird es sich trotzdem kaum jemand gemütlich machen wollen, rechnet sich die Linie "Trend" für 15.550 Euro schon allein durch die enthaltene Klimaanlage, in "Sport" ( ab 17.375 Euro mit Alufelgen, Sportlenkrad etc.) kann man sagen: "Passt schon!" Mit der "Vernunft- und Spaß-Maschine", dem 1.6 Liter TDCi (109 PS) Diesel liegt man dann bei 20.250 Euro. In der Kalkulation ist offensichtlich wenig Luft, ein zweiter Schlüssel mit Fernbedienung kommt auf zusätzliche 50 Euro. Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: Preislich ist der Focus ein heißes Geschoß: Drei Türen, Sport-Ausstattung und 145 PS Benziner gibt es für 19.325 Euro.

Smart-Shoppen ohne High-Tech-Nippes

Ford-Kunden liegen vermutlich im Trend. Bei ihnen sitzt das Geld nicht so locker und sie sind nicht bereit, immer mehr Geld für fragwürdige technische Verbesserungen auszugeben. Parade-Beispiel für das Low-Cost-Downsizing bei Ford ist das Thema Kurvenlicht. Ford bietet das Sicherheitsfeature für nur 300 Euro mit den Standart-Halogenscheinwerfern an, normalerweise müssen dazu die BiXenon-Lichtkanonen geordert werden, der Aufpreis beläuft sich dann meist auf über 1000 Euro.

Zu Großem berufen

Der neue Focus ist nicht nur der beste Focus, den es je gab, nach der Qualitäts-Offensive gibt sich der Wagen keine Blöße mehr und kann getrost den Kampf mit den Platzhirschen von VW und Opel treten. Auch Fahrer, die Ford bislang gemieden haben, sollten eine Probefahrt nicht scheuen.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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