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Ford Nugget: Das Goldstück für die Reise

Es gibt Wohnmobile, die sind zum Ankommen gemacht. Der Ford Nugget will sich und seine Passagiere bewegen. Ein Wagen, gebaut für die aktive Freizeit.

Von Gernot Kramper

Es gibt Wohnmobile, die sind zum Ankommen bestimmt. Stolze Kapitäne solcher Dickschiffe verlassen den Ziel-Campingplatz, nachdem sie einmal Anker geworfen haben, höchst ungern mit dem Wohnmobil. Zu groß und zu unhandlich sind die beweglichen Eigentumswohnungen. Anders die Klasse, in der ein Ford Nugget fährt. Auf den bewährten Transit von Ford wurde ein Hochdach aufgebaut, die Einbauten stammen von Westfalia, damit hat man bewährte Technik, ein flottes Aussehen und einen - angesichts der Konkurrenz von VW und Mercedes - vertretbaren Preis.

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Die erste Fahrt im Wohnmobil

Einsteigen und losfahren, der Ford Transit benötigt kein spezielles Eingewöhnungsprogramm. Der Fahrer sollte nur immer an die Höhe denken. Bereits an der Parkplatzeinfahrt kann man mit 2,85 Metern grandios scheitern. Und mit abrasiertem Hochdach fällt der Urlaub ins Regen-Wasser, bevor er anfangen konnte. Ab Werk wurde der Nugget erfreulich komplett bestückt. Zum lebensnotwendigen Zubehör, das extra gekauft werden muss, zählen lediglich spezielle Versorgungs-Stromkabel, die Gasflasche für den Herd und Wanne/Kanister für den Transport von Frisch- und Altwasser. Die Einbauschränke im rückwärtigen halb-separaten Kochbereich, der "Kleiderschrank" und die große Staukiste unter der Rückbank bieten reichlich Platz für Gepäck, Lebensmittel und Küchengerät. Besondere Anschaffungen sind nicht notwendig, die vorhandene Zweitbesetzung aus der heimischen Küche reicht vollkommen aus, solange genügend Geschirrtücher die Klirrgeräusche dämmen. Nach zwanzig Minuten ist der Nugget bepackt und mit Wasser befüllt, dann will er auf große Fahrt gehen.

Edel zu zweit

Und zwar zu viert, denn Ford Nugget bietet Platz für vier Personen. Mit zwei Personen reist es sich allerdings wirklich edel. Die Premium-Schlafplätze sind auf einer ausziehbaren Ebene im Hochdach untergebracht. Auf zwei Metern Länge und 1,56 Metern Breite lässt es sich dort behaglich ruhen, inklusive Seitenfenster, Belüftung (beides mit Insektenschutz) und praktischen Leseleuchten. Mehr Komfort als auf dieser Schlafstatt kann man im Camper-Bereich nicht bekommen. Wer will, kann die Schlafebene stets ausgezogen lassen, muss dann allerdings beim Aufstehen vom Frühstückstisch den Kopf einziehen. Eingeklappt besteht im gesamten Fahrzeug keine Gefahr, den Kopf anzustoßen. Umgekehrt lässt sich das obere Bett nämlich ruck-zuck zusammenlegen. Das funktioniert ohne Anstrengungen, aber eine gewisse Beweglichkeit für das Erklimmen der Schlafplätze sollte der Nugget-Urlauber mitbringen.

Zwei weitere Schlafplätze können auf dem Fahrzeugboden eingerichtet werden. Das Procedere ist funktional, aber aufwendig. Daran ist nicht die von Ford verwandte Technik zum Weg- und Umklappen von Tisch und Rückbank Schuld. Doch bei vier Reisenden findet sich reichlich Gebäck im Wagen. Bevor man sich zur Ruhe begeben kann, muss jede Tasche mindestens drei Mal umgepackt werden. Auf beiden Betten - oben wie unten - können Erwachsene bequem Platz finden, aber die Beletage liegt unter dem Himmel. Fazit: Königsklasse zu zweit, zu viert muss man zusammenrücken, doch es geht.

Tagsüber und während der Fahrt fallen vier Personen in dem Wohnmobil gar nicht auf. Sicher sind manche Pkw-Sitze sportlicher und viele Fahrwerke komfortabler, praktisch ist das Reisen im Nugget aber ein Genuss. Dafür sorgen die riesigen Fensterflächen und der unendliche Raum. Von dem Luxus, dass zur Rast ein echter Espresso gereicht wird, gar nicht zu reden.

Gut zu tafeln

Um den Tisch herum sitzt man auf Rückbank und umgedrehten Vordersitzen erstaunlich gemütlich. Mit Kerzenlicht wird es ein Platz zum Wohlfühlen. Die Kochnische ist klein und funktional, sie erfüllt alle realistischen Ansprüche. Bei gutem Wetter verführt die Hecklappe dazu, das Heck aufzustellen und den Sonnenschein hereinzulassen. Im Prospekt lädt dazu ein festlich gedeckter Tisch zum Festmahl. Das Bild ist kein Werbegag. Mit Tischdecke, Kerzenleuchtern, einem guten Tropfen und echten Weingläsern ist man im Handumdrehen luxuriös aufgehoben. Das Armaturenbrett verbreitet hingegen echtes Nutz-Fahrzeug-Ambiente. Angesichts der mit Velours beklebten Ablagen "großer" Wohnmobile kann man die Zurückhaltung als Wohltat betrachten. Wer will, könnte es sich mit Klappstühlen hinter oder neben dem Nugget gemütlich machen. Doch sperrige Güter wie Liegen, Stühle und Tische lassen sich in der Kabine kaum unterbringen. Wer echte Camping-Möbel mitnehmen will, muss erfinderisch werden. In einschlägigen Foren werden "Bastellösungen" wie Spanngurte hinter den Fahrersitzen oder der Außentransport empfohlen. Stauraum für normales Gepäck hingegen ist überreichlich vorhanden. Die Einbauten von Westfalia gefallen auf der ganzen Linie. Tische, Beleuchtung, überraschend große Schränke lassen die Reise auch für Ungeübte zum Vergnügen werden. Für ganz Ahnungslose der Hinweis: Ein Wohnmobil dieser Größe verfügt naturgemäß weder über WC noch Dusche. Der Wassertank ist ausreichend dimensioniert, muss aber regelmäßig aufgefüllt werden. Das gleiche gilt für das Ablassen und Entsorgen des Abwassers. Ein Expeditionsfahrzeug erwirbt der Nugget-Fahrer nicht, der Aufenthalt auf dem Camping-Platz oder die Nähe von Versorgungsanschlüssen ist geboten. Teures Manko: An den Gasherd lassen sich keine Propan-Flaschen anschließen, in die Halterung passen nur die ungleich teureren Camping-Gas-Flaschen. Dafür gehört die Standheizung zur Serienausstattung. Für Sportartikel wie Surfbretter gibt es als Zubehör spezielle Außen-Halterungen. Ebenso erhältlich sind Vorzelte und Seitenmarkisen. Sinn machen Zelt-Erweiterungen aber nur bedingt: Denn damit verliert der Nugget seinen Hauptvorzug: die Mobilität für den Aktiv-Urlaub.

Reisen und Nicht-Rasten

Der Ford Nugget wurde gebaut, um unterwegs zu sein und nicht um irgendwo herumzustehen. Das Fahren mit ihm ist alles andere als Stress. Das "weniger" an Fahrkomfort im Transit macht das Reisen mit dem großzügigen Innenraum wett. Und, man glaubt es kaum, mit dem 2,0l-TDCi Motor und 125 PS geht richtig etwas. Angesichts von Größe und Gewicht erstaunlich, denn ein SUV bräuchte einen Sechs-Zylinder-Diesel um so beherzt in Fahrt zu kommen. Der Nugget bewegt sich auch mit vier Töpfen willig, beschleunigt kräftig und ist für eine gemütliche Dauerreisegeschwindigkeit von 150 km/h gut. Ford spricht davon, dass sich der Nugget wie ein Pkw bewegen lasse. Da wurde ein wenig übertrieben, aber wie ein Lkw fährt sich der Wagen nicht. Selbst in Serpentinenkurven reagiert der Nugget bei halbwegs überlegter Fahrweise ohne jede Tücke. Obwohl nicht klein, lässt sich das mobile Heim auch in engen Innenstädten leicht bewegen. Große Glasflächen und die nach unten angewinkelten, riesigen Rückspiegel sorgen für eine gute Rund-Umsicht. Ach ja, beim Thema Autowäsche heißt es natürlich: Selbst ist der Mann! Mit einer Höhe von 2,85 Metern passt der Wagen in keine normale Waschstrasse. Der Verbrauch bleibt immer deutlich unter zwölf Litern, etwa zehn Liter dürften praxisgerechter Durchschnitt sein. Der 80-Liter-Tank sorgt für eine mehr als ausreichende Reichweite.

Einer für vieles

Neben dem Einsatz als Fun- und Ferienfahrzeug eignet sich der Nugget durchaus auch für den Alltagsgebrauch. Nicht gerade ein Fahrzeug für jeden Tag, aber wer für den Berufsweg nicht auf das Auto angewiesen ist, hat mit der Transit-Basis einen Wagen, der ohne Probleme für Einkäufe, Familienausflüge etc. genutzt werden kann. Ökonomisch macht so ein Fahrzeugzwitter immer mehr Sinn als ein reines Wohnmobil. Obendrein ist eine Zulassung als Wohnmobil-Sonderfahrzeug über 2,8 Tonnen möglich, damit werden Versicherung und Steuer sehr günstig.

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Fazit: Die Fahrt hat Spaß gemacht. Leider reichte die Zeit nur für einen Kurz-Trip von Hamburg in den Harz, und das ist schade. Der Nugget verkörpert eine Kombination aus vollständiger Ausstattung, günstigem Preis und eindrucksvollen Motorleistungen. Aktiv-Urlauber erwerben eine ausgereifte Plattform für alle Freizeitaktivitäten. Obendrein spricht für diese Camping-Klasse die realistische Möglichkeit, den Nugget auch als Familien-Pkw zu nutzen.

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