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Ford Taurus: Raumschiff auf Erden

Es gab schon immer schönere Autos als den Ford Taurus. Als er Mitte der 80er Jahre vorgestellt wurde, applaudierten die US-Medien, Ford träumte von einem neuen Star und sogar einer weltweiten Karriere. Doch aus Captain Future wurde über die Jahre ein müder Krieger. Jetzt kommt der Neue.

Die Erwartungen an den Ford Taurus der neuesten Generation sind größer denn je. Ford schwimmt wie andere US-Hersteller ohne erkennbares Ziel und gesicherte Navigation im stürmischen Gewässer. Reale Zukunftsvisionen mit innovativen Technologien sucht man beim amerikanischen Arm der Ford Motor Company vergeblich. Die letzten beiden Generationen des Taurus präsentierten sich als wahre Rohrkrepierer. Kritik an Design, Namen und Verarbeitung wurden immer größer. Da kommt eine neue Generation gerade recht. Dabei soll sich der neue Taurus seiner Bezeichnung - "Stier" - gemäß kraftvoll in der oberen Mittelklasse durchsetzen. Hier war für die amerikanischen Modelle in den letzten Jahren nicht viel zu holen. Besonders die Konkurrenz aus Japan ließ den US-Modellen wie dem Taurus keine Chance. Der hatte in der letzten Modellgeneration sogar kurzfristig seinen Namen aufgegeben und bot sich seinen US-Kunden als Ford Five Hundred an. Das ging gründlich in die Hose und so durfte das aktuelle Modell zum Ende seiner Produktionszeit wieder als kraftvoller Stier unterwegs sein.

Die Geschichte des Ford Taurus gleicht einem Wellental. Doch unter dem Strich konnte der Vorzeige-Ford die zum Start im Jahre 1986 in ihn gesteckten Hoffnungen nie ganz erfüllen. Beim rund 4,80 Meter langen Erstling hatte man kräftig nach Europa geschielt und versucht, die futuristischen Gene des 1983 gestarteten Audi 100 (Typ 44) auf einen US-Nenner zu bringen. Frontantrieb, ausgefeilte Aerodynamik und eine innovative Innenraumgestaltung hatten eine Reihe von Parallelen. Seinen Kunden mutete der als Limousine und Kombiversion angebotene Taurus wie ein Raumschiff aus einer fernen Zukunftsgalaxie an. Bei den Motoren setzte Ford auf vergleichsweise müde Krieger. Das Basismodell hatte neben einer Sparausstattung einen nicht einmal 90 PS starken Vierzylinder. Im Gegensatz zum Audi 100, der später in den USA unter dem Titel Audi 5000 angeboten wurde, gab es für die Topversion jedoch einen drei Liter großen Sechszylinder, der immerhin 142 PS leistete. Beim US-Publikum kam der Taurus ordentlich an. In sechs Produktionsjahren wurden knapp zwei Millionen Fahrzeuge verkauft.

Plastik-Image und zögerliche Nachfrage

Im Laufe der Jahre gab es sporadisch Verbesserungen, neue Getriebe und mehr Leistung. Doch schnell haftete dem Taurus ein Plastik-Image an. Mit der Qualität war es nicht zum Besten bestellt und so verlor der Star aus Dearborn seine anfängliche Vorzeigefunktion. Zudem brachten ihn bei der mäßig überarbeiteten zweiten Version zunehmend erstarkte Konkurrenten aus Europa und Asiens ins Schwitzen. Doch auch wenn die Verkaufszahlen leicht sanken; sie stimmten weiterhin. Anfang der 90er Jahre war der Ford Taurus die meistverkaufte Limousine auf dem nordamerikanischen Markt. Der Abstieg folgte mit der dritten Generation, die im Jahre 1995 debütierte. Mit flacher Front, vier Rundaugen und einem wenig schmucken Heck verdarb es sich Ford mit seinen treuen Kunden. Das Taurus-Design erntete ebenso wenig Applaus wie ein paar Jahre zuvor das des europäischen Gegenüber, des Scorpios.

An der zögerliche Nachfrage änderte sich auch wenig, als der Taurus im Sommer 1998 einer leichten Modellpflege unterzogen wurde. Das Publikum begeisterte sich längst für Camry und Co und kehrte dem Taurus ebenso wie vielen anderen Modellen von Chrysler, Dord und General Motors den Rücken. Die Modellpflege, die den Taurus ab dem Jahrgang 2000 wieder etwas konventioneller dastehen ließ, sollte das gerade rücken. Doch die Modellpflege brachte allenfalls leichte Anerkennung - die Kunden hatten dem Taurus längst den Rücken gekehrt und beabsichtigten nicht, dies wieder rückgängig zu machen. 2005 wurde parallel der Ford Five Hundred aufgelegt, der den Taurus schließ ersetzte. So war nur noch der Five Hundred, der kraftvoller, dynamischer und europäischer daherkommen sollte, käuflich zu erwerben. Doch spätestens jetzt wussten die Kunden überhaupt nicht mehr, wohin es gehen sollte. Taurus-Modelle gab es noch für gewerbliche Kunden, die über den Flottenpool bei Ford einkaufen konnten. Angetrieben wurden die Modelle durchweg von Dreiliter-Sechszylindern mit 156 bzw. 203 PS. Nach der Modellpflege im Jahre 2008 verschwand der Name Five Hundred durch die starke Kundenkritik wieder und wurde durch die etablierte Namensgebung des Ford Taurus ersetzt.

Gelungener Spagat

Im Sommer 2009 kommt der neu entwickelte Taurus des Modelljahres 2010 auf den Markt. Einmal mehr bemühte man sich die Dearborn ein Spagat zwischen europäischem und amerikanischem Design zu schaffen. Das ist in Ansätzen durchaus gelungen. Der Taurus wirkt trotz seiner üppigen Dimensionen von rund fünf Metern Länge für US-Maßstäbe nicht überdimensioniert und abgesehen von dem etwas opulenten Heck gefällig. Punkten will man mit günstigen Preisen unter 26.000 Dollar und einer Komplettausstattung, die sich an Premiummarken orientiert. So gibt es unter anderem klimatisierte Frontsitze, Festplattennavigation, beheizbare Rücksitze, Xenonlicht, Keyless Go, Spurhalte-und Überholassistent sowie Abstandstempomat. "Der Taurus charakterisiert die Marke Ford wie kaum ein anderes Modell", so Jim Farey, zuständig für Marketing und Kommunikation, "ein exzellentes Fahrgefühl mit expressivem Design und fortschrittlichen Technonolgien. Das alles gibt es zu einem unschlagbaren Preis."

Angetrieben wird Fords neues Mittelklassemodell vom bekannten 3,5 Liter großen V6-Triebwerk mit Sechsgang-Automatik und 265 PS. Auf Wunsch gibt es manuelle Schaltwippen am Lenkrad. Während sich der Innenraum nach amerikanischen Maßstäben durchaus sehen und anfassen lassen kann, wirken einige Bedienelemente, unter ihnen die am Lenkrad und in der Tür überaus preiswert. Beim Topmodell Limited gibt es für 31.995 Dollar unter anderem serienmäßig 19-Zoll-Alufelgen, Navigation, ein komplettes Sicherheits, Komfort-Ledersitze und Allradantrieb. Mittlerweile muss der Taurus das Limousinensegment im Hause Ford nach oben hin abschließen. Der mächtige Crown Victoria ist nicht mehr für Privatkunden verfügbar und kann nur noch von öffentlichen Einrichtungen oder Taxiunternehmen geordert werden

Stefan Grundhoff; press-inform / press-inform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.