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Golf 4Motion: Wolfsburgs Geißenpeter

Ein Jahr gibt es den Golf 5 - Zeit für Volkswagen endlich die Allrad-Version nachzuschieben: Für 1500 Euro Zuschlag verleiht sie ihm noch mehr Biss.

Blau wie der Enzian blüht der Himmel über Tirol. Ohne Ende windet sich die Straße zum Joch empor. Keine Busse, keine Lkws, es ist eine Lust zu fahren. Bei den wenigen freilaufenden Pkws setzt der Alllrad-Golf zum Sprung an, hektisch blinkt das ESP Lämpchen in den Kehren. Ein Schütteln im Heck, dann liegt der Wolf aus Wolfsburg wieder in der Spur. An so einem Königstag sind selbst Mottoradfahrer nur Lämmchen, die auf freier Bahn gerissen werden. Die überholverwöhnten Zweiradpiloten schauen wie die Schafe, wenn der Golf an ihnen vorüberrauscht. Ganz oben am Joch taucht er hinein den Tunnel. Wände und Boden aus zerfetzten Beton, Armierungen wie aus einer alter Festung, Wasser rinnt und sammelt sich in Lachen. Da suchen alle Räder Grip auf der maroden Bahn, bekommen ihn und schleudern den Wagen wieder hinaus ins Licht der Alpensonne. Dann: Achtung, Ziegenalarm! Ein Ruck und der Golf steht, noch bebend, Metall und Gummi glühen, der Wagen dampft nach Leistung. Der "leckere" Geruch von heißen Schmierstoffen zieht die Ziegenherde magisch an, sofort umringen die Geißlein den bösen Golf. Schade, dass sich kein Leckstein unter den Radläufen verbirgt, die angebotenen Salzstangen verschlingen die jungen Böcke mit behaglichem Grunzen. Die geleerte Tüte wird noch ausgeleckt, schon springen sie wider über die Brüstungen und finden mit allen vieren auf dem Geröllhang halt. Und auch der Golf muss in die Garage und stürzt sich mit der Kraft aller vier Reifen die Serpentinen herunter. Keine Frage: Mit Allradantrieb macht der Golf mehr Laune.

Aufgeppt

Haben Sie nicht auch so einen Freund? Grundanständig, eigentlich gut aussehend, voller innerer Werte. Auf ihn ist Verlass, aber irgendetwas fehlt ihm. Wenn es ans Feiern geht, ist er nicht der gefragteste Gast. Bei solchen Freunden ist guter Rat teuer. VW hat auch so einen Freund: grundanständig, voller innerer Werte und doch gilt der Golf in der Konkurrenz zu Kult- und Lifestylefahrzeugen als etwas langweilig. Guter Rat für dieses Imageproblem hat bei VW durchaus einen Preis: Für exakt 1500 Euro hat VW das richtige Rezept um dem braven Garagengenossen gehörig Pepp zu verleihen: 4Motion heißt das im VW Deutsch, Sat 1 schmachtete zeitweise von "Powered by Emotion" - ein Slogan wie gemacht für den permanenten Allradantrieb, um einen solchen handelt es sich nämlich. Äußerlich unterscheidet sich die 4Motion-Ausgabe nur durch einen Schriftzug am Heck und ein Doppelauspuffrohr, die den Fahrspaß steigernde Hormonkur tritt entsprechend unauffällig auf.

Wer kennt diesen Namen?

VWs Allradler, zunächst Synchro genannt, waren von Anfang an zum Mauerblümchen Dasein und einem murkeligen Marktanteil von 4 Prozent verdammt. Im Konzern gab es bereits "die" Allrad-Primadonna, die Schwester Audi. Das Ergebnis "Quattro" kennt jeder und will jeder. VWs Synchron hingegen ist begrifflich im Wolfsburger Endlager verschwunden und durch "4Motion" ersetzt worden. Außerhalb des Konzerns hat die Umbenennung kaum jemand mitbekommen. Bei einer Straßenumfrage würde diesen Begriff vermutlich niemand mit VW und Allrad in Verbindung bringen. Verstecken muss sich der Golf dabei überhaupt nicht. Das Teil, das seinen Hinterreifen den richtigen Hüftschwung verleiht, sitzt baugleich im A3 und sorgt dort für Furore.

Allrad: - Wofür denn das?

Menschen mit einem Hauch Benzin im Blut kennen die Antwort: "It's hot, stupid!" Wem diese Auskunft nicht genügt, muss tiefer forschen. Zunächst erhöht ein Allradantrieb die Traktion des Wagens, weil je nach Bedarf zusätzliche Kraft auf die hinteren Räder gegeben wird. Das ist nützlich beim Ziehen schweren Lasten und dann, wenn der Untergrund nicht so richtig haften will. Bis 8 Prozent Steigung zieht der Allrad-Golf beachtliche 1800 kg hinter sich her. In Gefahrensituationen und schwierigen Ausweichmanövern macht sich die zusätzliche Kraft auf den Hinterrädern bezahlt und führt in Zusammenarbeit mit ASB und elektronischer Fahrwerkskontrolle zu einem Plus an aktiver Sicherheit. Für die VW-Vorführung der Schlechtwettereigenschaften wurde eine präparierte Eisfläche geschaffen. Das Kaiserwetter verwandelte Schnee und Eis allerdings in wenigen Minuten in eine Riesenmatschbahn. Selbstverständlich schalteten die meisten "Tester" die Fahrwerkstabilisierung ab, eine klare Entscheidung für Spaß statt Sicherheit. Richtig ist, dass viele Allradkunden im sportlichen Wagensegment den Antrieb, der immerhin mehr 100 kg mehr Gewicht mit sich bringt, nicht ordern, weil sie bei Glatteis fünf km/h schneller fahren möchten, sondern weil sie richtig Gas geben wollen. Bei rasanter Fahrweise auf unebenen, rauen oder sonst wie schwierigen Untergrund kann man den Wagen in Kurven deutlich mehr zumuten, weil dort häufiger mal die Traktion, sprich Bodenhaftung der Vorräder, flöten geht. Wo andere Wagen sich wieder fangen müssen, kann hier, ob mit an- oder abgestellten ESP, ein deutlicher Tritt von hinten kommen, der den Wagen genauso rasant aus der Kurve trägt, wie er hinein gekommen ist.

"Haldex – Die Zweite!"

Für den Kunden ändert sich in der zweiten Generation nicht viel. Die Haldex Kupplung ist vergleichsweise einfach, leicht und wirkungsvoll. Die Ölmenge wurde mit dem Ergebnis verdoppelt, dass sich auch die Wartungsintervalle auf 60.000 km verdoppeln konnten. Dabei wurde der Antrieb etwas leichter und für den Kunden etwas billiger. Parallel wurde an der Software geschraubt. Nun gelangen permanent mindestens 10 Prozent der Kraft auf die Hinterräder. Diese Vorspannung führt dazu, dass, sollte mehr Kraft nach hinten gegeben werden (bis zu 50 Prozent), der Einsatz sanfter geschieht und vom Fahrer kaum zu bemerken ist. Vorbei sind die Allrad-Brutal-Zeiten, als ein Ruck durch den Wagen ging, wenn alle vier Räder zupacken mussten. Für Käufer die den Allradantrieb für Fahrten jenseits befestigter Wege nutzen, gibt es ein Schlechtwege-Paket mit strafferer Dämpfung und 20 mm mehr Bodenfreiheit und einem Unterschutz für den Motor. Der Allrad-Golf kann in drei Motorisierungen bestellt werden. Der 1.9 TDI (105 PS) eignet sich für die Kunden, die den Allradantrieb wirklich brauchen, für die Fahrspaß-Fraktion stehen der 2.0 TDI (140 PS) und der 2.0 FSI (150 PS) zur Wahl.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.