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Gordon Roadster: Tschechische Liebschaft

Er sieht aus wie ein Morgan, fährt sich wie ein Morgan - und ist doch ein Gordon. Irgendwie ähnlich und doch deutlich exklusiver. Der Gordon Roadster ist der moderne Traum einer handvoll tschechischer Stundenten.

Die Geschichte klingt einfach gut und sollte helfen, den Brit-Roadster aus Pilsen in die Herzen der Autofans zu bringen: Sechs Studenten aus der Tschechei realisieren ihren automobilen Traum und kreieren in Heimarbeit einen eigenen Sportwagen. Deutlich exklusiver als ein Morgan Roadster und knapp 80.000 Euro teuer soll der Purist bald in Garagen eingefleischter Roadsterfans stehen.

Der elegant und betont britisch gekleidete Eugen Müller ist für den Vertrieb zuständig. Er sitzt gelassen in einem modernen Glaspalast im beschaulichen Westerwald und freut sich auf die ersten Kunden. Die Europapremiere brachte Gordon den ersten Schub Aufmerksamkeit und ohne weitere Werbung immerhin schon mal drei potentielle Kunden. Die letzten Gespräche laufen noch und die Arbeiter in der Pilsener Produktionsstätte warten bereits mit Ungeduld.

Wiederbelebung einer tschechischen Innovation

Zwei Vorzeigemodelle wurden bereits gefertigt. Der eine rot, der andere schwarz - elegant sind sie beide. "Das Design des Gordon Roadster geht zurück auf den tschechischen Aero aus den 30er Jahren. Von ihm wurden unter anderem der gesamte Frontbereich und die geschwungenen Kotflügel übernommen. Ein ähnlicher Morgan kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg rund 15 Jahre später auf den Markt", erklärt Eugen Müller und man sieht ihm seine Freude an dem offenen Spaßmacher an. Knapp 80.000 Euro sind ein stolzer Preis und die blumige Geschichte vom real gewordenen Studententraum allein reicht sicher nicht aus, um sich im harten Markt der Exklusivroadster zu etablieren. Immerhin kostet ein vergleichbarer Morgan rund 20.000 Euro weniger.

Doch die Ankündigungen klingen nicht wie leere Seifenblasen. Und die Verarbeitung der beiden Vorzeigemodelle kann sich sehen lassen. Endlos lange Motorhaube, eine steile Wundschutzscheibe mit drei winzigen Scheibenwischern, zwei Ledersitze, das dunkle Wurzelholzarmaturenbrett und die obligatorischen Speichenfelgen. Wer sieht dem Gordon schon an, dass er ein Frischling auf dem Roadsterparkett ist? Eugen Müller legt Wert darauf, dass der Gordon nicht eine laienhafte Bastelei, sondern ein echter Sportwagen ist. "Wir haben es zuerst mit einer Starrachse hinten versucht", sagt er, "uns letztlich aber doch für eine Einzelradaufhängung vorn und hinten entschieden."

Auf der Landstraße eine gute Figur

Der gerade mal 1,1 Tonnen leichte Zweisitzer macht auf dem flotten Landstraßenritt eine gute Figur. Kein Wunder, unter der Motorhaube rasselt und klopft ein Sechszylinder moderner Bauart. Der Dreiliter-V6 mit 166 kW/226 PS und 280 Nm Drehmoment arbeitet sonst in Modellen wie Ford Mondeo und Jaguar S-Type. 0 auf 100 km/h in 5,7 Sekunden und 220 km/h Spitze - wer will die in diesem Wagen überhaupt fahren?

Aber damit dennoch nicht genug. Wer will, bekommt den Gordon auch mit einem einen Zweiliter-Reihenvierzylinder - je nach Ausbaustufe zwischen 145 und 450 PS stark. Das Topmodell ist der pure Irrsinn - aber exklusive Kundschaft hat oftmals ihren eigenen Kopf. Der echte Roadsterfan zerbricht sich darüber ohnehin nicht den Kopf und wählt zielsicher den soliden V6. Der bietet genug Power, um den offenen Tschechen ambitioniert über die hügeligen Pisten des Westerwaldes auszuführen.

Gewöhnungsbedürftiger Radstand

Im Vergleich zu historischen Originalen fällt die steife Karosserie auf. Sicherheitsanker wie ESP, ABS oder Airbags gibt es übrigens nicht. Dafür ist der tschechische Brite gutmütig und das Handling Dank der leichten Lenkung kalkulierbar - zumindest, wenn man sich an den 2,70 Meter langen Radstand gewöhnt hat. Der ist bei den ersten Kurven nicht jedermanns Sache. Die Insassen sitzen kurz vor der Hinterachse; die vorderen Räder liegen direkt hinter der Stoßstange. Dahinter der Motor.

"Wir wollten ursprünglich einen Leichtroadster bauen, der unter 1000 Kilogramm wiegt und den Spurt 0 auf 100 km/h in unter fünf Sekunden schafft“, sagt Müller. "Aber die letzten eingesparten Kilos werden unglaublich teurer. Und sportlich genug ist der Gordon allemal."

Der Rahmen des 4,07 Meter langen Gordon besteht aus Aluminium, die Karosserieteile aus leichtem GFK-Kunststoff. Die Stühle sind bei allem Retro bestes 21. Jahrhundert. Statt schwammig-weicher Polster ohne Seitenhalt, Kopfstützen oder Sicherheitsgurte gibt es eng anliegende Ledersitze mit erhabenen Wangen und Wülsten. Sicher nicht jedermanns Geschmack - aber in Kurven eine prima Sache. Wie der gesamte Wagen ist auch der Innenraum nebst hölzerner Armaturentafel, den Chromuhren und Ledersitzen reine Handarbeit.

Ein Flatterdach für die Wetterkapriolen auf der Insel

Britische Roadster sind zumeist british-racing-green, haben die obligatorischen Speichenfelgen, eine niedrige Seitenlinie und ein Flatterdach für die Wetterkapriolen auf der Insel. Etwas moderner sieht die Mütze beim Gordon aus. Die Farbe von Karosse und Dach ist (fast) frei wählbar. Cabrio-Spezialist Sonnenland spendierte das solide Regendach, das einen nach ein paar Handgriffen und abgebrochenen Fingernägeln vor dem nächsten Schauer schützt.

Die Bauzeit beträgt zwischen vier und sechs Monaten. Pro Jahr sollen mindestens 15 Fahrzeuge entstehen. Und niemand kommt auf die Idee, dass dieser Roadster aus Tschechien stammt.

Wer mit auf kurvenreichen Pisten lieber allein unterwegs sein will, kann den kartenlesenden Beifahrer gerne zu Hause lassen: Gegen Aufpreis gibt es den pseudohistorischen Tschechen auch mit den Wundern der Neuzeit - Klimaanlage, Sitzheizung und Navigationssystem. Und auf Wunsch auch mit dem eigenen Familienwappen in der Kopfstütze. Kann man für 65.540 Euro zzgl. 19 Prozent Mehrwertsteuer auch verlangen.

Pressinform / PRESSINFORM

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