Hintergrund: SUV-Trend hält an Keine Spur von Holzweg


Wer glaubt, dass sich nur Kleinwagen großen Beliebtheit erfreuen, ist auf dem Holzweg. Die seit Jahren gefragten SUV liegen bei den Kunden nach wie vor ebenso voll im Trend. Einige mögen es etwas kleiner, andere exklusiv.

Der Absatzturbo Abwrackprämie verzerrt das Bild des deutschen Automarkts derzeit deutlich. Ausländische Hersteller räumen in den Klassen unter 15.000 Euro ab. Hyundai ist mit Modellen wie dem neuen i10 oder dem ebenfalls noch frischen Golf-Konkurrenten i30 nicht der einzige Importeur, der sich den Boom zu nutzen macht – wer jetzt die rechten Kleinwagen zur Hand hat und liefern kann, ist König. Ein Nebeneffekt: Die lange ins Kreuzfeuer geratenen Geländewagen sind durch die Abwrackprämie aus den miesen Schlagzeilen heraus. Mit den bisweilen zögerlichen Absatzzahlen können die meisten Hersteller daher gut leben. Und: Besserung kündigt sich an.

Wer meint, dass die Geländewagenliga künftig keine Rolle mehr bei den Kunden spielt, ist auf dem Holzweg. Nach wie vor erfreuen sich die Sport-Utility-Vehicles großer Beliebtheit. Junge Modelle wie der Mercedes GLK oder der Audi Q5 gehören - gemessen an Lagerbestand und Produktionsauslastungen - zu den beliebtesten Fahrzeugen überhaupt. Autohäuser zwischen Flensburg und Oberstdorf verkaufen, was sie kriegen können.

BMW kann sich mit den zurückgegangenen Zulassungen des BMW X3 ebenfalls arrangieren. Hier kommt zur IAA im Herbst der kleinere BMW X1 - und der dürfte nach allen Vorhersagen einmal mehr das Zeug zum neuen 4x4-Bestseller haben. Auch der lange kritisierte BMW X6 ist mit seinen sportlichen Motoren alles andere als ein Ladenhüter. Jetzt kommen X5 und X6 sogar als M-Versionen mit rund 550 PS auf den Markt.

BMW hat den Trend zu sportlichen Crossovermodellen unter den deutschen Herstellern am schnellsten erkannt. Die Bayern legten nach der ersten X5-Generation schnell einen X3 nach, als man in Ingolstadt und Stuttgart noch friedlich schlummerte. Volkswagen und Opel hatten mit Golf Country sowie Frontera bereits Jahre zuvor artverwandte Fahrzeuge im Programm, verkannten jedoch den Massentrend zu den straßentauglichen 4x4 mit hohem Sitzgefühl und bestem Überblick.

Audi hat bereits einen Q3 in der Hinterhand und auch Mercedes werkelt mit Hochdruck an einem Pseudo-Geländegänger namens BLK. Der Fiat-Konzern will beizeiten ebenfalls etwas Rustikales präsentieren und Peugeot zeigt mit dem neuen 3008, dass man ohne einen Crossover heute kaum mehr bestehen kann. Neue Modelle heizen gerade in dieser Liga das Geschäft an.

Gewinner legen nach

Urgestein Land Rover zeigte auf der New York Autoshow gerade die jüngsten Modellpflegen für Discovery IV, Range Rover und Range Rover Sport. Jeep will sich die Butter auch im Luxussegment nicht mehr länger vom Brot nehmen lassen und kontert mit einem neuen Grand Cherokee. Im nächsten Jahr gibt es Nachfolgeversionen von VW Touareg und Porsche Cayenne – beide auch mit Hybrid.

Selbst Edelmarke Aston Martin will nach der Coupé-Limousine Rapide, die frühestens 2010 kommt, einen neuen Lagonda auf breite Geländereifen stellen. Der gigantisch anmutende Lagonda basiert auf der Plattform des Mercedes GL. Der wurde ebenso überarbeitet wie vor einigen Monaten der ML und der Dauerläufer G-Klasse, die in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag feiert, rennt von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord.

Auch die derzeitigen Gewinner in Sachen Abwrackprämie - Hyundai, Kia und Toyota - wissen seit langem, dass mit kleinen Fahrzeugen allein kein Staat zu machen ist. Kia bringt bald den neuen Sorento auf den Markt, Hyundai arbeitet an Modellpflegen für Santa Fe und stellt diesem mit dem neuen iX55 sogar noch einen großen Bruder zur Seite. Ein Nachfolger für die eng verwandten Kia Sportage und Hyundai Tucson steht ebenfalls bereit.

Wer glaubt angesichts dieses Programmes noch, dass den SUV nicht ein guter Teil der die Zukunft gehört?

Stefan Grundhoff / pressinform PRESSINFORM

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