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Mercedes-Benz CLS 350 CGI: Schöne Zeiten

Wenn es um Autos und Faszination geht, dann ist der Italien-Test der härteste. Nur selten mal drehen sich die autobegeisterten Südeuropäer nach einem Mercedes um - beim Coupé ist das ganz anders.

Der Mercedes CLS ist nicht mehr der Jüngste. Aber knapp zwei Jahre hat er noch Zeit - erst dann kommt sein Nachfolger und der Beau aus der Hand des normalerweise wenig emotionalen Mercedes-Designers Peter Pfeiffer geht ebenso in den Ruhestand wie sein Schöpfer selbst. Vielen gilt der CLS als schönster Mercedes der Neuzeit.

Der Ableger der mittlerweile abgelösten E-Klasse W 211 wurde nicht kreiert, um Familien zu locken. Vier Einzelsitze, wenig Kopffreiheit im Fond und edle Materialien sind ein sicheres Anzeichen dafür, dass in der zweiten Reihe nur selten jemand Platz nimmt und man eher auf finanzkräftige Individualkunden abzielt.

Statt drögen Einerleis genießen Fahrer und Beifahrer weiches Leder und die gewohnt klaren Bedienelemente. Dass diese mittlerweile ebenfalls in die Jahre gekommen sind und sogar der Controller auf der Mittelkonsole fehlt, ist mehr Vorteil als dass es stört.

Der CLS war vor Jahren ein Projekt mit ungewöhnlich viel Mercedes-Mut. Kaum sonst hatte man in den Jahren zuvor ein Segment neu erfunden. Beim CLS war das anders: Ein Mercedes, der zu seiner Schönheit ebenso stand wie zu seinen Schwächen und eben einmal nicht allen gefallen musste.

Diamantenschliff

Die weichen Linien, die gekonnten Schnitte - der CLS ist ein Schönling und eine Alternative für all diejenigen, die sich bisher nur mit einem Konzern-Zweitürer wie dem Mercedes CL, dem immer jungen SL oder gar einem Konkurrenzfahrzeug anfreunden konnten. Dazu ist er nicht so langweilig wie eine E-Klasse und nicht so imagebeladen wie die S-Klasse.

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Dass der Mercedes CLS auch nach der Einführung der neuen E-Klasse nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat, mag dabei kaum überraschen. Denn die Baureihe W 212 hat sich mit den diamantähnlich geschliffenen Frontscheinwerfern und dem Hinterbacken im Ponton-Stil noch mehr vom CLS entfernt.

Doch selbst das innovativste Produkt, der CLS 350 CGI, verfügt zwar über eine Benzindirekteinspritzung, lässt aber großartigen Elan vermissen. Drehfreude und der in dieser Liga zu erwartende Tatendrang sind ihm weitgehend fremd. So spürt man von den 3,5 Litern Hubraum, 215 kW/292 PS und 365 Nm maximalem Drehmoment trotz abgeregelter Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h Spitze zu wenig. Dass man dennoch immer etwas flotter unterwegs ist, als man meint, spürt man jedoch nicht nur am Spurtpotenzial von 0 auf 100 km/h in ordentlichen 6,7 Sekunden - man merkt es auch beim Verbrauch.

Gefallen wollen

Seine große Stärke ist die Laufruhe. Die sechs Brennkammern laufen so seidig und zurückhaltend, dass es fast ein V8 sein könnte, der unter der sanft ansteigenden Haube sein Werk abliefert. Doch beim Verbrauch spürt man vom Vorteil der strahlgeführten und somit direkten Einspritzung nichts. Im Praxistest pendelte sich Durchschnittsverbrauch bei knapp über elf Litern Super auf 100 Kilometern ein - zwei Liter mehr als der versprochene Durchschnittswert.

Kein Wunder, dass der ebenso sparsame eine kraftvolle CLS 320 CDI, der ohne technische Veränderung über Nacht zum CLS 350 CDI umgetauft wurde, die 224 PS starke Hauptrolle spielt. Auch er könnte angesichts der zunehmend starken 6-Zylinder-Konkurrenz mittlerweile etwas mehr vertragen. Doch Doppel- oder Registeraufladungen liegen ebenso in weiter Ferne wie eine Turbinenbeatmung für den 350er CGI.

Die Kunden stört das nicht, denn der Mercedes CLS hat andere Kernkompetenzen. Er will in erster Linie gefallen - und das hat sich seit seiner Markteinführung nicht geändert. Wem eine E-Klasse zu schnöde ist, der ist mit dem viertürigen Coupé bestens bedient.

Und bei einem Ausflug über die Alpen bekommen die Italiener nach wie vor bei seinem Anblick sanfte Augen und recken beim Vorbeifahrenb anerkennend den Daumen. Auch sie wissen, dass der CLS 350 CGI kein Schnäppchen ist. Selbst mit Magerausstattung geht es erst bei 62.653 Euro los. Standesgemäß ausstaffiert ist daher unter 70.000 Euro nichts zu machen. Schönheit hat schon immer ihren Preis.

Stefan Zaumseil / Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

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