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Mercedes CLS 350 CDI: Der "Boah, ey!"-Mercedes

Tankwarte sehen viele Autos, wenn sie aus dem Häuschen geraten, muss schon etwas Besonderes vorfahren: Etwa ein Mercedes CLS in frecher Farbe. Selten hat ein Auto bei einer Testfahrt mehr Aufmerksamkeit erregt.

"Der Tankwart ist mein bester Freund, hui, wenn ich komm', wie der sich freut." Die Zeile aus Markus' Neue-Deutsche-Welle-Hit "Ich geb' Gas, ich will Spaß" scheint mit dem neuen Mercedes CLS ein Revival zu erleben. Selten hat ein Auto bei einer Testfahrt mehr Aufmerksamkeit erregt. Schon als das viertürige Coupé auf die Auffahrt der Hamburger Tankstelle biegt, reckt Tobias den Hals. Der 23-jährige Tankwart interessiert sich weder für die blonde Fahrerin in ihrem neuen Golf Cabriolet, noch für den Porsche 911, der sich gerade durch die Waschanlage schiebt. Ob's an der blutroten Metalliclackierung liegt? An den giftigen Bi-Xenon-Scheinwerfern mit LED-Leuchtband? Oder einfach nur an der bulligen Kühlerhaube,? "Der Wagen ist einfach geil", sagt er beim Bezahlen. "Darf ich Ihnen noch die Frontscheibe sauber machen?" Wie ein verliebter Schuljunge striegelt er über den Mercedes und macht klar: Mit dem neuen CLS ist den Stuttgartern ein Auto gelungen, das nicht nur bei der betagten und zahlungskräftigen Kundschaft Begehrlichkeiten weckt.

Bewährtes unterm Blechkleid

Dabei kommt der CLS im getesteten 350 CDI durchaus mit typischen Mercedes-Tugenden daher: solide Verarbeitung, erstklassige Federung und viel Fahrkomfort. Dafür verantwortlich ist vor allem die Verwandtschaft zur E-Klasse, die für den CLS die technische Basis bildet. Im Grunde genommen ist der CLS nichts anderes als ein gepimpter W 212 im Designerlook. Um dem Kunden den satten Aufpreis von fast 11.000 Euro zur Limousine dennoch schmackhaft zu machen, macht Mercedes beim CLS nicht nur beim Design auf dicke Hose, sondern hat viel Liebe ins Detail gesteckt. Das fängt schon beim Innenraum an. Fairerweise sollet man erwähnen, dass Mercedes den Zuschlag mit dem Zauberwort "aussstattungbereinigt" in eine verdaulichere Dimension runterrechnet. Mit einem "Boah, Mercedes, ey" quittiert unser junger Tankwart den Blick durch die Scheibe. Zugegeben, ein klein bisschen Porno wirken die weißen Ledersessel im Testwagen schon. Vom sachlich-nüchterne Charme der Mittelkasse ist jedenfalls dank viel Chrom, Bling-Bling und Klavierlack nicht viel übrig geblieben. Die Ambientebeleuchtung im Cockpit verströmt laut Prospekt "Wohlfühlatmosphäre". Was das heißt, wissen Männer spätestens dann zu schätzen, wenn die Freundin Sätze sagt wie: "Hier ist es ja gemütlicher als bei Dir zuhause auf dem Sofa." Dafür verantwortlich sind geschickt platzierte LED-Lämpchen, die den gesamten Innenraum wahlweise in Star-Wars-Blau oder Dita-Von-Teese-Rot hauchen. Ähnlich wie auf der heimischen Couch fällt der Fahrer denn auch ins Gestühl. Denn anders als bei der E-Klasse ist die Sitzposition im CLS tief ausgelegt - fast wie in einem Sportwagen.

Preistrebende Assistentenarmada

"Darf ich mal rein sitzen?", fragt Tobias jetzt angefixt. Er darf. Und wieder können die Mercedes-Ingenieure bei der Jugend punkten. Die Harman-Kardon-Soundanlage entdeckt er als erstes. "Die macht bestimmt ordentlich Wumms." Macht sie. "Wofür sind die Knöpfe?" Die sind für die klimatisierten Massagesessel. "Voll fett!"

Noch fetter sind jedoch die Technik-Gimmicks, die sich nur anhand der zahlreichen Knöpfe und Anzeigen im Cockpit erahnen lassen: Vom Spurhalte- bis zum Totwinkelassistenten haben die Stuttgarter alles im CLS im (kostenpflichtigen) Angebot, was das Konzernregal an Assistenzsystemen hergibt. Vor allem der Abstandsregeltempomat erweist sich als echte Entlastung. Sie nimmt dem gestressten Fahrer im Zusammenspiel mit der Siebengangautomatik den nervigen Stop-and-Go-Verkehr jetzt ab, da sie auch bis zum Stillstand abbremst: Anhalten und Anfahren wie von Geisterhand, nur lenken und nach vorne gucken muss man noch selbst. Für den saftigen Aufpreis von 2677,50 Euro für das "Fahrassistenzsystem Plus" ist es aber vielleicht noch bequemer, in der Stadt öfter mal ein Taxi zu nehmen.

Die alte Bremskralle durfte bleiben

Einen Knopf sucht der so verwöhnte Technik-Freak im Captain-Future-Cockpit jedoch vergeblich: Den für die elektronische Handbremse. Die ist im CLS nämlich nach wie vor mechanisch und Mercedes-like als Fußfeststellbremse im Fahrerfußraum untergebracht. Statt coolem Sound beim Knöpfchen drücken löst der linke Fuß beim Parken somit das altbekannte Knarzen aus. Ein Geräusch, das eben so wenig zu einem modernden Oberklasse-Fahrzeug passen will, wie das Gefühl beim mechanischen Lösen des Handbremshebels. Grüße aus Ingolstadt: Das kann jeder Audi A3 inzwischen besser. Doch statt ans Bremsen denkt Tobias ohnehin lieber ans Gas geben: "Die 300 auf dem Tacho, fährt er die wirklich?", will er jetzt wissen. Könnte er, aber bei 250 Stundenkilometern wird abgeriegelt. Und zum ersten Mal ist in seinem Gesicht so etwas wie Enttäuschung zu erkennen. Die wird noch größer, als er die Antwort auf die Frage nach den Pferdestärken hört. 265 PS hat der 350 CDI unter der Haube. In Tobias Augen eindeutig zu wenig: "Ich hätte mehr gedacht."

Sparsame Trinksitten

Doch mehr sind gar nicht nötig, lieber Tobias. In nur 6,3 Sekunden beschleunigt der 350 CDI auf 100 Stundenkilometer. Mit einem satten Drehmoment von 620 Newtonmetern macht er ordentlich Dampf und jagt den fast zwei Tonnen schweren CLS - auch dank der bestens gelungenen elektromechanischen Direktlenkung - präzise und straff durch die Kurven. Und wer dabei lauthals "Ich geb Gas, ich will Spaß" singt, muss nicht mal ein schlechtes Gewissen haben. Dank des sparsamen V6-Dieseltriebwerks kommt der CLS mit sechs bis neun Litern aus. Wird der CLS also doch nicht Tankwarts bester Freund?

Und ob! Zumindest bei Tobias. Während er noch einmal begeistert wie ein kleines Kind um den Wagen hüpft und den "voll krassen" Kühlegrill, der sich ähnlich beängstigend aufbäumt wie der Riesenschlund eines Maseratis, unter die Lupe nimmt, fährt der Porsche-Fahrer aus der Waschanlage langsam am roten Spaßmobil vorbei. Kritisch beäugt er den CLS. Angst? Die muss er nicht haben. Zumindest an der Ampel hat unser Diesel gegen den 911er keine Chance. Neid? Kommt schon eher auf. Denn nicht der Panamera, sondern der Viertürer aus Stuttgart wird ihm künftig die Schau stehlen. "Ich will fahr'n. Ich will Spaß."

Jens Maier

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.