Mini One D Vernagelt


In der Werbung reißt der Mini mit Diesel-Herz beim Versuch, ein Segelflugzeug zu starten, den Vogel in zwei Teile. Tolle Idee. Allerdings völlig an den Fahrleistungen vorbeigeplant.

In der Werbung reißt der Mini mit Diesel-Herz beim Versuch, ein Segelflugzeug zu starten, den Vogel in zwei Teile. Tolle Idee. Allerdings völlig an den Fahrleistungen vorbeigeplant. Auf dem harten Asphalt der Realität reichen die 75 Diesel-PS nur für bescheidenes Vorankommen.

Würfelförmiges Sportwägelchen

Ein Mini mit Diesel-Motor. Wer sowas tut, spaltet die Fangemeinde. Die einen sind nach wie vor untröstlich, weil ihr würfelförmiges Sportwägelchen von BMW einen modernen Nachfolger verpasst bekam, und sehen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt, während die andere Fraktion sich längst mit dem modernen Mini angefreundet hat. Inklusive einer Alternative zu den drehfreudigen, aber auch durstigen Benzinmotoren.

Lahmer Japaner

Allerdings hätten sich viele die Alternative etwas feuriger vorgestellt. Aus Platzgründen konnten die bayerischen Minibauer nicht auf eigene Diesel-Technologie zurückgreifen und bedienten sich im Land der aufgehenden Sonne. 75 PS leistet der Common-Rail-Direkteinspritzer, den Toyota aus dem japanischen Werk Kamigo direkt ins Mini-Werk nach Oxford liefert. Genug für die kleinen Krabbler aus Fernost, zu wenig für das kurvenhungrige Herz eines Mini-Fahrers.

Die Begeisterung hält an

In der City macht das Japan-Motörchen keine Probleme. Zwischen Fußgängerzone und Stop-And-Go-Verkehr muss man sich eher vor Begeisterungs-Bezeugungen anderer Verkehrsteilnehmer in Acht nehmen. Noch immer haben sich die Menschen scheinbar nicht daran gewöhnt, dass da ein knubbelsüßer moderner Mini an ihnen vorbeifährt. Keine Angst also, wenn ein wild gestikulierender Fußgänger vors Auto springt. Der Mann ist einfach froh, dass es auch heute noch richtig schöne Autos gibt.

Optische Aufheller

Man kann die Begeisterung verstehen. Neben der ohnehin schon gelungenen Blechhaut im Retro-Look darf sich der Diesel-Mini auch noch mit Einzelteilen der anderen Modelle schmücken. Serienmäßig sind die dicken Seitenschweller, die bislang dem Pistenschreck Cooper S vorbehalten waren. Obendrauf gibt es größere Lufteinlässe zur Beatmung des Ladeluftkühlers. Verzichten muss man allerdings auf ein sichtbares Auspuffrohr. Das versteckt sich hinter der Heckschürze.

Technische Daten

Motor

Vierzylinder Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung

Hubraum

1.364 ccm

Leistung

75 PS / 55 kW

Bremsen

Scheibenbremsen rundum, ABS, EBD, CBC und Traktionskontrolle

Länge/Breite/Höhe

3.626/ 1.924/ 1.416 Millimeter

Leergewicht

1.175 Kilo

0-100 km/h

13,8 Sekunden

Höchstgeschw.

165 km/h

Grundpreis

16.150 Euro

Nostalgie im Innenraum

Keine Unterschiede im Innenraum. Auch beim Heizöl-Briten geht's nach dem Einsteigen abwärts. Mini fahren heißt die Fahrbahn spüren. Das war schon immer so. Hinter dem großen Lenkrad regiert Nostalgie. Drehknöpfe, Tasten, runde Plastikprofile und die chromblitzenden Kipphebel gibt's so nur im Mini oder einer Dampflok. Auch wenn nicht alle Bedienelemente dort sind, wo man sie in einem normalen Wagen findet, kommt man schnell mit dem Mini-Cockpit zurecht. Dass sich dabei der verwendete Kunststoff so attraktiv wie eine Recycling-Plastiktüte anfühlt, ist ein Manko, das der Mini seit seiner Neuauflage mit sich herumschleppt.

Sechs im Getriebe

Der Unterschied zwischen Benziner und Diesel ist winzig und beschränkt sich optisch auf eine winzige Ziffer. Auf dem Schalthebel findet sich eine zusätzliche Schaltgasse und damit ein sechster Gang. Dieses Getriebe war bislang lediglich dem Cooper S vorbehalten und soll die Leistungsdefizite des Diesels mildern. Das gelingt allerdings kaum. Das kleine Triebwerk ist mit dem lang übersetzten sechsten Gang auf der Autobahn überfordert. Oft reicht die Kraft nicht einmal aus, um die anliegende Geschwindigkeit zu halten.

Damit gibt's in der Stadt kaum Probleme. Ist das Turboloch erst überwunden, lässt sich der 3,62 Meter lange Würfel zügig durch die City bugsieren. Das knackig-harte Fahrwerk macht schnelle Spurwechsel zum echten Vergnügen. Kleine Parklücken sind mit Vorsicht zu genießen. Weder Heck noch Motorhaube sind vom Fahrer einzusehen.

Eng auf der Rückbank

Wer nicht alleine auf Tour geht, sollte auf längeren Strecken nicht mehr als einen Erwachsenen dabei haben. Zwar reicht die Fahrzeughöhe von 1,41 Metern aus, um auch ausgewachsene Passagiere auf der Rückbank unterzubringen, nicht aber die Beinfreiheit. Wer sein Geläuf nicht elegant hinter die Ohren klappen kann, sollte immer den Beifahrersitz vorziehen.

Das Landstraßen-Desaster

Irgendwann ist jede Stadt zu Ende, und es beginnt das traditionelle Jagdrevier des Mini: enge kurvige Landstraßen. Wer sich mit dem Mini D vor die Tore der City begibt, wünscht den Toyoto-Diesel ganz schnell zum Teufel. Dem Turbo-Direkteinspritzer fehlt es in allen Lagen an Kraft. Etwas Besserung verspricht ein höheres Drehzahlenniveau, das der Heizöl-Brenner allerdings nur widerwillig erklimmt. Da hilft auch das tadellose Fahrwerk nicht weiter. Schnell auf die Kurve zu, kurz anbremsen, runterschalten, einlenken, wieder aufs Gas und hart an der Haftgrenze der Reifen wieder aus der Kurve raus. Soweit die Theorie. Mit dem Diesel unter der Haube endet die Praxis direkt hinter dem erneuten Gaspedal-Einsatz. Der Rest ist hilfloses Nageln. Dafür ist der Vierzylinder ein echter Leisetreter. Immerhin...

Entschädigung gibt's an der Tankstelle. Da gab sich unser Testwagen im Schnitt mit fünf Liter Diesel auf 100 Kilometern zufrieden.

Fazit

"Der einzige Diesel, der ein Mini ist", haben die Werber dem Mini One D mit auf den Weg gegeben. Na und? "Der einzige Mini, der kein Mini ist" wäre passender. Nichts gegen Experimente, liebe Mini-Macher. Der selige Sir Alec Issigonis hat so immerhin einen legendären Kleinwagen erfunden. Etwas mehr Diesel-Power hätte es aber schon sein dürfen. Viel mehr, um genau zu sein. So taugt der Mini nur als braves Stadtwägelchen. Eine grauenvolle Vorstellung.

Jochen Knecht

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