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Nissan 350 Z: Der Weg des "Z"-amurai

Schwarz und ein leuchtendes Z, eigentlich denkt man an Zorro. Aber der 350 Z ist kein pomadiger Beau und Frauenverdreher, in ihm schlägt das Herz eines Samurais.

Von Gernot Kramper

Im Zeichen des Z spiegelt sich die Entwicklung der Marke Nissan. Nach Ideen von Albrecht Graf von Goertz wird der Nippon-Sportler 1969 als 240 Z gebaut, beglückt ein Millionen-Publikum als 280 Z. Dem 300 ZX Twin Turbo war dieser Erfolg nicht vergönnt, damit war Nissan am Ende. Das Z-Car, nun unter Renaults Regie gebaut, vermeidet die Giftigkeit echter Rennwagen, hat aber satte Leistung zu einem unglaublichen Preisleistungsverhältnis zu bieten. 280 PS für 33.500 Euro, da muss man lange suchen und wird erst in den USA wieder fündig.

Optisch zeigt sich der 350er als strammer Max, der nicht mit Sportwagenzutaten geizt. Seine Reize stellt der 350er nämlich schamlos zur Schau. Die 280 PS, das Sechsganggetriebe und die Kardanwelle aus Kohlefaserverbundmaterial soll nicht nur der Fahrer bemerken, sondern auch alle anderen. Dafür wurden sogar die Sättel des Brembo-Scheibenbremssystems goldig lackiert wurden und die Türen mit einzigartigen Griffen versehen. Eigentlich erinnern die riesigen, gefrästen Aluminium-Briketts eher an einen Tresor aus Mission Impossible III, als an die eleganten Coupé-Türen. Aber was soll es, sie sehen verschärft aus.

Für einen großen Auftritt vor geeignetem Publikum ist der Nissan immer gut. Vielleicht nicht in St. Moritz, aber solche Paradiese für geliftete Ski-Rentner sind nicht das Revier der 350 Z-Kunden. Aus eigener Erfahrung kann berichtet werden, dass der Nissan vor wirklich wichtigen Orten dreinschlägt wie ein Shinto-Schwert. Ob Großraumdiskothek, Getränkeabholmarkt oder Skater-Treffen, der 350 Z ist stets der Wagen der Stunde und garantiert hilfreich– bei Bedarf – den Abend klar zu machen. Ein echter Freund des Fahrers. Nur aus der Froschperspektive verwandelt sich die kernige, kräftige Form ins Ungeformte. Spoiler vorn wie hinten bilden fast 30 Zentimeter unstrukturierte Rundungen. Greift man zu, irritieren die äußeren Kunsthoffverkleidungen durch schwabellige Weichheit. Gewiss wird auf diese Weise leichten Dellen vorgebeugt.

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Plastiko-Fantastiko

Zum fetten Einsatz der Metallapplikationen mag auch die Kunststoffklappe über dem Navigationsbildschirm gar nicht passen. Selbst Hartgesottene werden sich daran nur mit den zarten Bewegungen einer Tee-Zeremonie heranwagen. Zu groß die Angst, den Klappomaten zu verklemmen oder gar herauszureißen. Auch die Bedienung der Navigation via Fernbedienung hinterlässt zwiespältige Gefühle. Einerseits bleibt das Cockpit klar und aufgeräumt, weil es nicht von zahllosen Zusatz-Knöpfchen veschandelt wird. Doch Einstellungen mit einer TV-Fernbedienung der Discounter-Preisklasse vorzunehmen, passt nicht zu den sportlichen Qualitäten des Wagens. Damit man sieht, wofür man sein Geld hergegeben hat, greift der Nissan tüchtig in die Zutaten aus dem Auto-Aufbohrer-Katalog, der Gesamteindruck bleibt aber klassisch sportlich. Ein klares Cockpit mit klassischen Rundinstrumenten, viel klassisches Schwarz und vor allem Kiloweise gefrästes Aluminium, anstatt staniolfoliendicker Blechimitate . Innen drin sieht der Nissan einfach "fett" aus.

Pack es an, pack es ein

Ein Reisemobil ist der Z nicht, aber dennoch geht etwas hinein. Mehrere kleine Ablagen und Taschen warten hinter den Sitzen. Öffnet man die hintere Haube vor der – zugegeben angeberisch mit Aluminium beplankten – Mittelverstrebung – öffnet sich doch ein Kofferraum. Etwas plattgewalzt, aber mit Volumen. Eine kleine Anleitung erklärt wie man hier zwei Golftaschen hinein bugsiert, aber es gehen auch die Zutaten für ein Wochenende zu zweit hinein.

Ich bin ein Kurven-Luder

Der V6-Saugmotor schafft 363 Newtonmeter heran, mit einem angeblichen Verbrauch von 11,1 Liter auf 100 Kilometer, der sich freilich willig "optimieren" lässt. Der Motor leistet nicht nur 280 PS, er stellt auch etwas mit ihnen an. Der volle Tritt aufs Gaspedal wird regelmäßig mit einem Tritt in die Magengrube beantwortet. Spurwechsel und Kurvenlage halten mit der Beschleunigung mit. Allerdings ist bei 250 km/h Schluss. Vielleicht ist das auch besser so, denn auf nicht perfekter Fahrbahn fühlt sich der 350 Z ab 220 km/h launischer und nervöser an, als man es zuvor vermutet hat. Sonst ist der Z ein gutmütiger Giftszahn, den anderen zeigt er, was eine Harke ist, der eigene Fahrer wird dabei pfleglich behandelt. Gewiss, man bekommt ihn zum Heck-Schwänzeln, aber doch nur so wenig, das es reicht, ein Gefühl von Bösartigkeit und Gemeinheit zu simulieren. Das Sechs-Gang-Getriebe arbeitet knackig und ohne Probleme. Stets hat man die Wahl, den Wagen entweder im oberen Drehszahlbereich mit ESP-Blinken röhren zu lassen, oder ihn einfach satt vor sich hin blubbern zu lassen.

Ich bin der Schlimme!

Die Sound-Ingenieure müssen beim Z-Kunden eine Mischung von Schwerhörigkeit und Vergesslichkeit zugrunde gelegt haben. Ununterbrochen mahnt der Motor: Ich bin ein ganz schlimmer Brummer! Es röhrt und zuckt und bebt, dass einem wohl ums Herz wird. Das ganze Spektakel orchestriert schon die Tempo 30-Zone. So etwas macht Laune, wenn man morgens den Nachwuchs auf dem Schulparkplatz absetzt. Danach beschallt man ohne unnötiges Getrete die ganze Tiefgarage mit kernigen Bässen beim Einparken. So beginnt man gern die Arbeitswoche und freut sich aufs nächste Wochenende.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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