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Nissan Cube Die Lounge rollt mit


Trendig, cool und anders als die anderen. Solche Unikate sind selten, der Nissan Cube ist eines. Er ist ein Wagen, der einen auf den ersten Blick verzaubern kann. Nutzwert-Puristen werden mit ihm nicht glücklich.
Von Gernot Kramper

Ob der Wagen, das Herz zum Schlagen bringt oder Brechreiz auslöst, zeigt sich bei ihm schon beim ersten Blickkontakt. Entweder gefällt seine äußere Hülle oder eben nicht. Wenn nicht, gibt es keinen Grund den Anlasser überhaupt zu betätigen. Wer aber entflammt in den Würfel steigt, wird auf jeder Fahrt mit neugierigen Blicken belohnt. Die rollende Würfelform sorgt in Deutschland für Aufsehen. Wenn auch der Cube nicht der erste fahrende Kühlschrank hierzulande ist. Doch alle Rollwürfel, ob der kleinwüchsige Toyota IQ, der billigere Daihatsu Materia oder der Kia Soul sind kaum auf den Straßen zu sehen.

Beim Äußeren haben die Designer beim Cube nicht mit witzigen Einfällen gespart. Ein unsymetrisch gestaltetes Heck etwa besitzt kaum ein anderes Fahrzeug. Innen erfreut der kantige Geselle mit einem großen Innenraum, der nirgends beengt. Mit weniger als vier Meter Länge bietet der Cube einen guten Zugang durch alle vier Türen und eine großzügige Schulterfreiheit. Man sitzt relativ aufrecht. Das Gestühl ist zwar weder für die Lang- noch für die Rennstrecke optimiert, für den gedachten Einsatz in der Großstadt ist es optimal. Die Verarbeitung im Innenraum gefällt und setzt sich damit deutlich vom billigeren Daihatsu ab, dessen Innenleben sehr spartanisch bestückt wurde. Wessen Geistes Kind der Cube ist, verraten die Details. Die Abdeckung des serienmäßigen Panoramadaches mit einem durchscheinenden Kunstststoff, der an japanisches Reispapier erinnert, wird keinen verstören. Der flauschige Ablageteppich - "Fluffy" für 25 Euro Aufpreis - für die Sonnenbrille auf der Mittelkonsole polarisiert schon eher.

Kein Umzugswagen

Die Rückbank lässt sich wie von Nissan gewohnt, einfach und narrensicher umklappen. Beim Laderaum zeigt sich der Cube kultig und nicht vorrangig nützlich. Das beginnt mit der Heckklappe, die an der Seite anschlägt. Von außen sieht das witzig aus, beim Einladen gibt es schnell Probleme. Mit aufgerichteter Rückbank begrüßt einen hinter der mächtigen Ladeklappe ein sehr überschaubarer Kofferraum. Mit zusammengelegter Rückbank bleibt die Ladezone mächtig zerklüftet, ein Lieferwagen ist der Cube wirklich nicht.

Fahrleistungen sind vorhanden und für ein City-Fahrzeug gibt es ein gutes "okay". Fahrdynamiker und Rallyefreunde bekommen allerdings, was Lenkung, Schaltung und Motorleistung angeht, allenfalls Durchschnitt vorgesetzt. Der Testwagen war mit dem 1.6-Liter Benziner ausgerüstet. Der Motor aus dem Renaultregal leistet 110 PS. Die angegebenen Verbrauchswerte (in der Stadt 8,3 Liter im Mix 6,6 Liter) konnten in etwa eingehalten werden. Im Hamburger Raum - also City – genehmigte sich der Cube zwischen 7,9 und 8,5 Liter, mit mehr als einem Insassen, Musik, laufender Klimaanlage und ohne besondere Sparanstrengungen.

Nicht billig, aber komplett möbliert

Was Transportmöglichkeiten angeht, kann es der Trend-Würfel nicht mit einem Handwerker-Kasten wie einem Caddy oder Berlingo aufnehmen. Mit vier Metern Länge ist der Cube kein Lückenzwerg, trotz seines erwachsenen Raumgefühls kann man ihn aber auch nicht als Familienwagen bezeichnen. Er empfiehlt sich also für alle, die eine fahrbare Lounge für die Metropole suchen. Leider ist das witzige Äußere nicht für wirklich kleines Geld zu haben. Der Benziner wird ab 18.000 Euro angeboten, dafür ist er dann aber gut ausgestattet. Eine Nackt-Version "ohne alles" wird von Nissan nicht angebotenen. Die weiteren Ausstattungspakete sind durchdacht und gehen preislich in Ordnung. Die Navigationslösung sticht technisch gesehen gewiss nicht alle Mitbewerber aus. Aber für 850 Euro gibt es eine Navi, west-europäisches Kartenmaterial, SD-Card-Eingang, einen Touchscreen, sechs Lautsprecher, iPod-Gateway, USB- und Aux-Eingang, Bluetooth und eine nützliche Rückfahrkamera. Volkswagen berechnet 180 Euro allein für den USB- und Aux-Eingang. Mit Metalliclackierung, Alufelgen, Klimaautomatik und Navigation werden für den Cube nach der regulären Preisempfehlung 20.000 Euro fällig. In der Wirklichkeit gibt es deutlich günstigere Tageszulassungen im Handel. Aber auch mit Rabatten wird aus dem Cube kein Preisschnapper. Das Designmodell zieht preislich in etwa gleichauf mit dem Golf – dem Ur-Meter des deutschen Autohandels.

Der Cube soll Spaß machen

Im Markt gibt es auch ganz andere Fahrzeuge, die kultig sind. Den Winzling Fiat 500 gibt es für wesentlich weniger Geld. In dem gleichen Preis, der für den Cube verlangt wird, kann man auch in einen schicken Mini einsteigen. Dann allerdings mit deutlich reduzierter Ausstattung. Man muss den Cube also lieben, um ihn zu kaufen. Und das kann man auch. Es macht Spaß mit ihm zu fahren, und dabei sein Raumgefühl und Ambiente zu spüren. In der Stadt erfährt man auch keine fahrerische Not. Im Einsatz als Nightlife-Taxi bewährt sich der verrenkungsfreie Einstieg. Sollte man selbst einen Cube sein eigen nennen, muss man ja nicht beim Mini-Teppich "Fluffy" aufhören. Mit etwas Gestaltungswillen und Fantasie lässt sich die Lounge beliebig weiter möblieren.


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