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Nissan Navara: Komfort im Gelände

Pick-Up Trucks - in Deutschland nicht gerade der Renner. Mit dem Nissan Navara starten die japanischen Autobauer jetzt einen Angriff auf eine neue Zielgruppe.

Von Kai Behrmann

Lifestyle und Pick-Up Truck standen bisher kaum in Verdacht, irgendetwas miteinander gemeinsam zu haben. In den USA sehr beliebt als motorisierte Weiterentwicklung der guten alten Westernkutsche, hat diese Fahrzeuggattung hierzulande, wenn überhaupt, ihre größten Fans in der Landwirtschaft oder in der Bauindustrie. Kurz gesagt, überall dort, wo Robustheit und Ladefläche wichtiger sind als Sitzkomfort und Fahrspaß.

Das soll sich jetzt mit dem jüngsten Mitglied in der Nissan Pick-Up-Familie - dem Navara - ändern. Was Nissan am 22. Juli auf die Straße, oder besser gesagt, ins Gelände schickt, kommt zwar auf den ersten Blick recht gewaltig daher. Aber schon nach wenigen Kilometern hinterm Steuer wird deutlich, dass im neuen Navara selbst der kühnste Ritt über unwegsames Geläuf und Schotterpisten fernab des glatten Asphalts ein Vergnügen sein kann.

Pick-Ups sind auf Deutschlands Straßen eine seltene Spezies. Könnte sich das durch den neuen Nissan Navara ändern?

Dank des im Vergleich zum Vorgänger-Modell, dem Pathfinder, von 2,95 auf 3,20 gestreckten Radabstands ist nicht nur die Gesamtlänge des Navaras auf 5,22 Meter angewachsen. Auch als Fahrer beziehungsweise Beifahrer freut man sich über 60 Millimeter mehr Breite und 78 Millimeter mehr Höhe im Innenraum. Armaturen, Lenkrad, und Sitze sind gut verarbeitet und müssen sich, was die Optik angeht, nicht mehr verschämt hinter so manchem Geländewagen verstecken. Und wem die Standardausstattung nicht reicht, der kann mit Ledersitzbezügen und Vordersitzheizungen den Innenraumkomfort weiter aufrüsten.

Komfortables "Chamäleon" für Outdoor-Freaks

Die zahlreichen Ablagen und Staufächer in der Fahrerkabine sorgen dafür, dass man nicht händeringend einen Ort für kleine Taschen, Rucksäcke, Sonnenbrillen oder Straßenkarten suchen muss. Für welche der beiden Versionen des Navaras man sich auch entscheidet, das Einsteigen machen einem sowohl die King Cab- als auch die Double Cap-Ausführung leicht. Beim King Cab sorgt das "Schmetterlings-Prinzip" dafür, dass man die Rücksitze bequem erreicht. Dabei öffnen sich die Hintertüren in gegenläufiger Richtung zu den Vordertüren. Wer sich allerdings dort auf den hinteren beiden Plätzen niederlässt, der sollte das nur auf nicht allzu langen Fahrten tun. In erster Linie handelt es sich um Notsitze, die auch hochgeklappt werden können und dann weiteren Stauraum freigeben. Der Navara Double Cab hat dagegen vier konventionell öffnende Türen und bietet insgesamt bis zu fünf Personen, auch auf längeren Strecken, bequem Platz.

Mustang-Fahrer blamiert sich - und rast in Zuschauer

Um sich allerdings von seinem Nischendasein als Nutzfahrzeug ein Stück zu verabschieden, hat der Navara einen weiteren Trumpf in der Hinterhand: seine Vielseitigkeit. Wie ein Chamäleon kann er sich je nach Umgebung und Nutzungswunsch wandeln. Mit dem Navara zum Camping? Kein Problem. Auf der Ladefläche lässt sich ein Zelt entfalten. Oder zum Strand mit Jet-Skis und Surfbrettern? Auch kein Problem. Dank riesiger Ladefläche und einer Zugleistung von bis zu drei Tonnen kann man problemlos alles notwendige Gerät für den Freizeitspaß am Wasser transportieren. Und last but not least lässt sich die Pritsche auch noch sicher mit einem Aufsatz verschließen.

Mit diesen Vorzügen möchte der japanische Autobauer in erster Linie Outdoor- und Extremsport-Begeisterte als Zielgruppe ansprechen. Eine Rechnung, die aufgehen könnte. Der Navara hat sich während der Testfahrt durch ruppiges Gelände und Bergpässe auf der griechischen Insel Kreta als verlässlicher Partner erwiesen. Selbst starke Steigungen, steile Abhänge und kurvige Serpentinenpisten konnten die kraftstrotzende Wuchtbrumme nicht stoppen. Denn trotz seiner Größe und einem Radstand von 2,30 Metern ist der Navara recht handlich und lässt sich erstaunlich gut navigieren.

Keine Frage, der Nissan Navara wird die Herzen derer höher schlagen lassen, die ihre Freizeit gerne abseits von gepflasterten Straßen an schwer zugänglichen Orten verbringen. Ob das allerdings ausreicht, um dem Pick-Up zu einem Boom in Deutschland zu verhelfen, erscheint fraglich. Denn im Alltag kann der Navara seine Vorzüge, die ihn im Gelände zu einem zuverlässigen Partner machen, nicht ausspielen. Das fängt bei der Parkplatzsuche an und hört beim relativ hohen Spritverbrauch von 10,7 Litern Diesel im Stadtverkehr auf.

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