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Opel Antara: Der Schummel-Blitz

Belgischer Schinken mit dem Parmasiegel, rumänische Trauben im Bordeaux oder Discount-T-Shirts mit Prada-Aufnäher. Typisch E-Bay denken Sie, typisch Opel sage ich. Beim Opel-Antara gibt es Globalisierung zum Abturnen.

Von Gernot Kramper

In Wirklichkeit handelt es sich beim Antara um einen umgerüsteten Chevrolet. Dass Innenraumkosmetik aus einem Koreaner noch keinen echten Opel macht, stellt man schneller fest, als einem lieb sein kann. Zum Beispiel auf dem Nachhauseweg. Zugegeben, die Straßenbeläge im Hamburger Westen sind seit Willy Brandts Zeiten nicht besser geworden. Aber der Opel rumpelt, als würde es durch die Wüste Zin gehen. Trockene Schläge dringen vernehmlich durchs Innere, in der Tempo-30-Zone schaukelt sich der Antara zu echtem Offroad-Feeling hoch. Fahrdynamik gehört zwar ohnehin nicht zu den Paradedisziplinen der Familienkutschen im SUV-Look, doch der Antara macht es eindeutig im unteren Drittel der Möglichkeiten bequem.

Mehr Optik, als Leistung

Da passt es, dass der Antriebstrang keine Begeisterung hervorruft. Die Schaltung ist ausreichend exakt, reicht aber nur bis zum fünften Gang. Für 30.000 Euro könnte man schon einen sechsten Gang erwarten. Auf der Autobahn hält sich der Antara sonst wacker und ist mit 150 PS nicht untermotorisiert. SUV-typisch wird ein Großteil der Leistung in Protz und dicke Reifen investiert, ein Kombi wäre mit dem Triebwerk deutlich flotter und dürfte sich auch kaum 11 Liter im - gefahrenen - Durchschnitt spendieren. Der Allradantrieb verteilt automatisch bis zu 50 Prozent der Leistung auf die Hinterachse, zusätzlich gibt es eine Berg-Abfahrtshilfe. Untersetzung und andere Geländehilfen sind nicht an Bord.

Üble Schnitzer

Das Innenraumkonzept vereint Sonnenschein und Dauerregen. Die Ledersitze bieten sehr guten Seitenhalt, die Verarbeitung ist in vielen Dingen gut. Dafür spiegeln sich die verspielten Chromapplikationen in Frontscheibe und Rückscheinwerfern. Anstatt einer klassischen Handbremse montiert Opel zwei riesige Haltegriffe auf den Mitteltunnel. Zu etwas nutze sind diese Eye-Catcher nicht. Sie zerklüften lediglich die Mittelablage. Ablageflächen gibt es überraschenderweise kaum. Kein Platz, wo man etwas ablegen könnte, keine Cup-Holder für den Kaffe, selbst die Türen nehmen keine Literflaschen auf. Andere SUVs bieten Stromanschlüsse an allen möglichen Stellen, der Antara hat den Anzünder weit hinten auf der Mittelkonsole, der Kabel für eine externe Navigation verläuft daher quer durch den Innenraum. Hinzu kommen einzelne ärgerliche Verarbeitungsmängel. Hinter dem Griff für das opulente Handschuhfach lauert eine scharfe Kante, bei der man sich die Fingerkuppen aufschneiden kann. Den Tankdeckel schraubt man besser niemals richtig fest, denn dann ist er nur noch mit brutaler Gewalt zu öffnen. Rücksicht auf Fingernägel darf man dann nicht nehmen.

Und das Gute

Wenn man davon absieht, dass man keinen Autobahnkaffee zu sich nehmen kann, sitzt es sich sehr gut an Bord des Antara. Kopf- und Beinfreiheit sind auf allen Plätzen mehr als anständig. Überdies sieht der Antara nicht schlecht aus. Ausgestellte Radkästen, eine eindrucksvolle Front und Kiemen, die unbändige Leistung vorgaukeln, und fette Schutzplanken - beim Antara gibt es alles, was heutzutage zur "gefühlten Offroadtauglichkeit" dazu gehört.

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Besser Zafira fahren

Der Kofferraum bildet mit den zurückgelegten Sitzen eine ebene Oberfläche, aber um den Preis einer sehr hohen Ladekante, der eigentliche Laderaum bleibt eher bescheiden. SUVs werden meist wegen des pompösen Auftritts gekauft, selten dringen die Nachteile des Konzepts so stark ins Bewusstsein wie beim Antara. Schließlich gibt es mit dem Zafira auch einen echten Opel. Mit dem stärkeren Diesel und dem optionalen Sportfahrwerk kann man sich kaum eine Alltags-Situation vorstellen, in der sich der Zafira dem Antara geschlagen geben müsste. Denn für den Geländeeinsatz beim Bergbauern taugt der Antara natürlich auch nicht. Deutlich billiger wäre der Zafira natürlich auch noch.

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