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Piaggio MP3: Roller mit drei Rädern

Piaggio hat den MP3, ein dreirädriges Modell auf den Markt gebracht. Mit dem flotten Dreirad fegen Roller-Fans flink udn sicher durch die Kurve. Das Beste: Es reicht der Pkw-Führerschein.

Von Walter Hasselbring

Motorradfahrer sprechen gerne darüber, wie schön es ist, in Schieflage durch die Kurven zu ziehen. Motorradtrainer versichern allerdings glaubhaft, dass es sich bei den meisten Bikern eher um "Schräglagenfeiglinge" handelt. Für diese Spezies ist jetzt das richtige Fahrzeug auf dem Markt. Was der italienische Roller-Hersteller Piaggio mit seinem MP3 anbietet, ist höchst bemerkenswert und neuartig, denn erstmals geht ein Dreirad mit Neigetechnik in Serie, mit dem die Rutschgefahr bei Kurvenfahrten deutlich reduziert ist.

Der Clou bei der Sache ist, dass man dieses Gefährt, das es wahlweise mit 125er, 250er oder 400 Kubikzentimeter-Motor gibt, mit einem normalen PKW-Führerschein fahren kann. Dazu muss lediglich die Spur vorne ein wenig verbreitert werden. Als Basis dient den Italienern der bewährte X 8- Roller, der zwei Personen bequem Platz bietet und über ein erstaunlich großes Staufach unter der langen Sitzbank verfügt. Während man mit dem X8 wohl eher unauffällig durch die Lande tuckert, sollte der MP3-Pilot sich auf jede Menge neugieriger Passanten einstellen. Soviel Aufmerksamkeit wie mit diesem Scooter wird uns normalerweise nur bei Test-Fahrzeugen der Luxusklasse zu teil. Immer wieder kommt die Frage, wozu die drei Räder gut sein sollen. Die Antwort: Dank der perfekt funktionierenden Neigetechnik bietet der Roller eine Fahrdynamik, die sonst nur bei Motorrädern zu finden ist.

Noch nie sind wir mit einem Roller so beschwingt über Land gefahren. Dafür sorgt die von Piaggio entwickelte "Parallelogramm-Vorderradaufhängung", die aus Aluminiumstreben und Gelenken besteht. Schieflagen von über 40 Grad sind mit etwas Mut mühelos zu erreichen. Wir hatten dass Gefühl, es könnte sogar noch etwas schräger gehen, aber dann setzten wir auch schon rechts mit dem Auspuff und links mit dem Hauptständer auf dem Asphalt auf. Beim Geradeausfahren liegt das Gefährt auch auf unebenen Straßen sehr stabil auf der Fahrbahn. Vor allem bei Nässe macht das System das Fahren erheblich sicherer, denn beim Bremsen sorgen die drei Räder durch ihre Auflagefläche für kürzere Anhaltewege. Dazu tragen ausserdem eine großzügig ausgelegte Bremsscheibe sowie Zweikolbenbremszangen bei. Die Vorderräder sind einzeln gefedert.

Selbst am Hang steht der MP3 kerzengerade

Mit einem kleinen Hebelchen am Lenker kann die Schieflagentechnik - beispielsweise beim Parken - aktiviert werden. Und das in jeder Position. Selbst am Hang steht der MP3 kerzengerade. Man darf nur nicht vergessen, die Feststellbremse zu arretieren, sonst rollt der Roller weg. Cool und lässig steigt man vom Fahrzeug, ohne es aufbocken zu müssen. Der automatisch geschaltete Roller lässt sich auch von Anfängern auf Anhieb mühelos fahren. Wie wir von unserem Händler um die Ecke wissen, wird den Italienern das Dreirad sozusagen aus den Händen gerissen. Vermutlich wird die 125 ccm-Variante die meisten Kunden finden. Leider schlägt sich hier aber das hohe Gewicht der Vorderradkonstruktion nachteilig nieder, sowohl bei der Höchstgeschwindigkeit (knapp 100 km/h), und auch im Anzugsvermögen. Trotzdem ist man mit dem "Mini Trike" ausreichend flott unterwegs.

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Neben dem kleinen MP3 fuhren wir auch die 400er-Version. Das Leistungsplus macht sich vor allem auf längeren Strecken auf der Autobahn bemerkbar. Alles in allem ist der MP3 eine wirkliche Innovation mit hohem Spaßfaktor. Er ist ein "Hingucker", der neue Kunden auf den umweltfreundlichen "scooter " bringen wird. Trotz aller Innovationskraft hatder Roller seine Stärken aber doch eher auf der Kurzstrecke in der Großstadt. Die Preise sind nichts für Sparbrötchen. Der 125er kostet 5699 Euro plus 599 Euro für die Umrüstung als PKW, die 250er Version 6149 Euro plus PKW-Kit. Der 400er MP3 liegt bei 7000 Euro Auf lange Sicht könnte sich die Anschaffung trotzdem lohnen: durch eingesparte Knöllchenkosten beim Parken.

Piaggio, die Mutter aller Roller

Das PKW-Kit ist für dieses Modell noch in Arbeit. Piaggios Schwesterfirma Gilera hat noch einen gleichartigen Roller im sportlich aggressiven Look namens "Fuoco" mit einem 500er Motor im Programm. Der ist noch einmal 600 Euro teurer und für ihn wird noch an der die PKW-Zulassung gewerkelt. Ganz klar: Piaggio, die Mutter aller Roller, hat die Gattung noch einmal neu erfunden!

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