Probefahrten Citroen Eins, zwei oder drei...


In mehr als hundert Jahren Automobil hat sich viel getan. Aus der Motor-Kutsche sind Kombis, Cabrios, Vans, Roadster und Coupés geworden. Citroen hat der Artenvielfalt den Kampf angesagt. Wir waren mit dem Pluriel unterwegs.

In mehr als hundert Jahren Automobil hat sich viel getan. Aus der Motor-Kutsche sind Kombis, Cabrios, Vans, Roadster und Coupés geworden. Citroen hat der Artenvielfalt den Kampf angesagt. Wir waren mit dem Pluriel unterwegs.

"Chapeau" vor den Citroen-Entwicklern. Die haben sich wirklich was einfallen lassen. Dabei herausgekommen sind vier Autos in einem. Theoretisch ist der Pluriel, was im Französischen Mehrzahl bedeutet, nur eine Weiterentwicklung des erfolgreichen Kleinwagens C3. Wie gesagt, theoretisch...

Mehr als nur ein Cabrio

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden unsere Nachbarn nur ein neues Cabriolet präsentieren. Der Pluriel ist das preiswerteste viersitzige offene Auto, das derzeit zu haben ist. Unter anderem. Dass man, wenn man es wünscht, ein Dach über dem Kopf hat, versteht sich von selbst. Ein Dreh am Schalter über dem Innenspiegel und das Faltdach öffnet sich ganz weit nach hinten. Eine so genannte B-Säule gibt es nicht, die Seitenscheiben sind komplett elektrisch versenkbar. Fertig ist die "Panorama-Limousine".

Wer mehr möchte, braucht einen gutem Draht zum Wetterfrosch. "Regenwahrscheinlichkeit null Prozent" - vertraut man dieser Aussage, lässt sich der Pluriel noch weiter auseinander nehmen.

Was bin ich?

Mit einigen Handgriffen (unbedingt vorher üben!) lässt sich das geöffnete Faltdach im doppelten Kofferraumboden verstauen. Schon sitzt man, nach Citroen-Definition, in einem Cabrio. Noch stören allerdings die beiden dicken Dachholme. Also, weg damit. 12 Kilo wiegt so ein Ding und kann damit auch von schmächtigen Menschen abgebaut werden. Ganz nebenbei entsteht so die dritte Pluriel-Variante, der Spider. Die Frage ist nur, wohin mit den Holmen? Platz im Auto ist dafür nicht. Einzige Lösung: der Dacholm-Ständer für die Garage. Den gibt's gegen Aufpreis.

Im Regen stehen

Sollten sich die Wetterpropheten geirrt haben, trifft sich der Pluriel-Pilot beim unvorhergesehenen Schauer mit den ebenfalls gelackmeierten Motorradfahrern unter einer Brücke. Der Wagen kann zwar mit einer aufpreispflichtigen Plane regensicher eingepackt werden, ans Weiterfahren ist aber erst wieder bei Trockenheit zu denken.

Citroen Pluriel

Motor

Vierzylinder-Triebwerk

Hubraum

1.360 ccm

Leistung

73 PS / 54 kW

Länge/Breite/Höhe

3.934/1.700/1.563 Millimeter

Bremsen

Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten.

Leergewicht

1.136 Kilo

0-100 km/h

13,9 Sekunden

Höchstgeschw.

164 km/h

Grundpreis

15.850 Euro

Die Gegenden, in denen die Spider-Version gefragt ist, liegen jenseits der Alpen. Hier zu Lande kommen wir bestens mit dem Cabriolet zurecht. Selbst die Konstrukteure rechnen damit, dass 95 Prozent der Käufer ihren Allrounder nicht komplett demontieren werden.

Die Waschmaschine kann mit

Praktisch für besondere Anlässe: die Pickup-Version. Dach weg, Holme ab und Heckklappe auf. Schon sind der Betonmischer vom anbauwilligen Nachbarn oder Tantchens Waschmaschine kein Problem. Allerdings darf man sich dabei nicht von der Polizei erwischen lassen. Beim Pickup-Pluriel wird das hintere Kennzeichen von der Heckklappe verdeckt.

Kaum jemand wird bei diesem Auto nach den Werten für den Spurt von null auf 100 fragen. Oder nach dem Drehmoment des Motors.

Falls doch, hier die Daten: 118 Newtonmeter bei 3.300 Umdrehungen in der Minute, Höchsttempo 164 und 14,2 Sekunden für den Standard-Sprint.

Billiger Einsteiger

Damit gewinnt man kein Straßenrennen. Für die Landstraße reicht es aber dicke. Und das bei einem Mehrgewicht von reichlich zwei Zentnern gegenüber dem Basismodell, dem knuffigen C 3. Bei 73 Pferdestärken aus der 1,4 Liter Maschine sind 1.170 Kilogramm kein ein Pappenstil. Nur in dieser Variante kommt der kleine Franzose auf seinen günstigen Einstiegspreis von unter 16.000 Euro. Für die 109 PS starke 1,6 Liter Variante muss man schon 17.350 Euro auf den Tisch legen.

Dafür ist der durchschnittliche Verbrauch mit 8,3 Litern einen dreiviertel Liter niedriger und der Wagen mit einem sequenziellen Getriebe ausgestattet. "Senso-Drive" nennt Citroen die Fünfgang-Schaltung, die mit Schaltwippen an der Lenksäule bedient wird oder im Automatic-Modus gefahren werden kann. Der Schleuderverhinderer ESP ist serienmäßig.

Das Raumangebot ist für ein so kleines Auto zumindest vorne überragend. Selbst mit 1,90 Metern Körpergröße fühlt man sich in der kleinen Kiste wohl. Ein großes Lob für die Sitze. Soviel Auflagefläche für die Beine sucht man in vielen größeren Autos vergeblich. Auf der Rückbank reicht der Platz gerade so für zwei Erwachsene. Mehr als die Fahrt zum Bäcker möchte man allerdings niemand zumuten.

Erstaunlich, wie wenig Windgeräusche beim offen Fahren zu vernehmen sind. Auch ohne das heute in Cabrios übliche Windschott bleibt die Frisur weitgehend unversehrt.

Fazit

Der Pluriel ist ein Auto, das unser Straßenbild bereichern wird. Für wenig Geld bekommt man ein Spaßauto mit hohem Nutzwert und großer Funktionalität. Der Fahrkomfort ist mehr als befriedigend, Motor und Getriebe sind bewährt und leisten gute Dienste .Das Auto ist handlich und auch in der einfach Version ohne ESP leicht zu beherrschen. Für Innovationsfreudigkeit und Wagemut gebührt Citroen auf jeden Fall ein Sonderlob.

Walter Hasselbring

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