Probefahrten Fiat Großer Rettungswagen


Fiat braucht dringend attraktive Modelle. Da kommt der neue Croma recht.

Bloß nicht zurückschauen. Kein Wort mehr über Führungskrise, Verluste und den Einbruch der Marktanteile. Wer so weit oben ist wie Luca De Meo, der kann nur nach vorn schauen. Der muss motivieren, beschwören und darf nie den leisesten Zweifel daran aufkommen lassen, dass er selbst glaubt, was er sagt.

De Meo, einer von 23 Direktoren, die direkt an Fiat-Auto-Boss Sergio Marchionne berichten, hat große Ziele: "Es ist unsere Absicht, Fiat neu zu positionieren", sagt er bei der Präsentation des neuen Modells Croma. "Wir wollen ein anderes Fiat, andere Produkte für ein motorbegeistertes Publikum." Er sieht "Familienväter zwischen 35 und 50 Jahren" als Zielgruppe für den Mittelklassewagen, ebenso geeignet erscheint ihm das Auto als "Firmenwagen für das mittlere Management".

Vernichtend dagegen ist die Prognose des Branchenkenners Ferdinand Dudenhöffer über die Zukunft der italienischen Marke. Dudenhöffer leitet das Center Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Der Titel seiner jüngsten Studie klingt so düster wie ein Requiem: "Der Überlebenskampf von Fiat Auto ist kaum zu gewinnen." Die Modellpalette des Herstellers sei ein "Bauchladen wenig attraktiver Fahrzeugreihen", das Geschäft im Kernmarkt Westeuropa sei deprimierend und Modelle wie der Croma hätten angesichts der starken Konkurrenz keine Chance auf Erfolg. "Es gibt wenig Grund, an die Sanierung zu glauben", so Dudenhöffers Urteil. Der stern hat den Croma trotzdem gefahren.

Glanz & Gloria: hm. Ein Hingucker ist der Croma nicht, sondern eher was für Leute, die es schlicht mögen. Die werden die glatten Flächen und sanften Rundungen zu schätzen wissen. Immerhin hat ein berühmter Designer bei diesem Auto mitgewirkt - Giorgetto Giugiaro, in dessen Studio schon Kassenschlager wie der Fiat Panda oder der VW Golf entstanden sind.

Auffällig dagegen das üppige Format: Der Croma, den es nur in einer Karosserieform gibt, nämlich als Mischung aus Kombi und Van, ist allein wegen seiner Höhe von 1,60 Metern ein ziemlicher Brummer. Das Cockpit ist klar und übersichtlich gegliedert. Dazu tragen auch die hoch gesetzten Hebel für Blinker und Scheibenwischer bei, die sonst hinter den dicken Lenkradspeichen nur zu erahnen wären.

Gleiten & Geniessen:

angenehm. Wer vom äußeren Eindruck des großen Wagens auf einen gemütlichen Kilometerfresser schließt, liegt absolut richtig. Die Platzverhältnisse sind großzügig, besonders für die Passagiere auf der Rückbank. Weil diese die vorderen Sitze in der Höhe überragt, ist hinten auch die Aussicht gut. Der Kofferraum schluckt reichlich Urlaubsgepäck.

Gas & Spass: mau. Für die Langstrecke ist der Fiat wie gemacht, für die kurvenreiche Landstraße dagegen weniger. Dafür vermittelt die Lenkung einen Tick zu wenig Fahrbahnkontakt, und auch die Sitze bieten nur geringen Seitenhalt. Zum wenig sportlichen Charakter passt der 1,9-Liter-Turbodiesel mit 150 PS. Der ist bei niedrigen Drehzahlen zwar ein bisschen zäh, aber nach einer Gedenksekunde, dem so genannten Turboloch, entfaltet er seine Leistung gleichmäßig. Also: sechsten Gang rein und rollen lassen.

Geld & Wert:

ordentlich. Weil der 1,8-Liter-Benziner (130 PS) erst Anfang 2006 erscheint, ist der Croma mit dem 2,2-Liter-Benziner mit 147 PS für 21 900 Euro vorläufig das Einstiegsmodell. Über den Preis kann keiner meckern, wohl aber darüber, dass Sicherheitsausstattungen wie die hinteren Seitenairbags nicht in allen Versionen serienmäßig an Bord sind.

Fazit:

erschwingliche Familienkutsche. Die Familien der Fiat-Belegschaft werden sie allein aber nicht retten.

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