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Probefahrten Nissan: Good Vibrations mit dem Beach-Boy

Mehr Spaßmobil, als Schlammschaufler. Der Nissan meint es mit dem Geländeeinsatz nicht allzu ernst. Dafür bietet der Soft-Offroader beachtliche Fahrleistungen, die begehrte Outdoor-Optik und eine umfassende Ausstattung zu attraktiven Preisen.

Schluck, mit dem Kunststoff hat er es nicht, der Nissan. Von außen wirkt der Wagen stabil und wuchtig. Endlose Flächen, richtige Kanten, massige Scheinwerfer, die ganze Wucht abgemildert mit freundlichen Lack. Dafür kommt der innere Türgriff beim festen Zupacken bedenklich aus der Verankerung. Die Abdecklappen erinnern an echte Klappen und der Wagen-Himmel an Sprüh-Filz aus der Dose. Und, herrje, der Instrumententräger sitzt in der Mitte, damit der Beifahrer besseren Blick auf die Tankuhr hat. Auch bei der Anordnung der Schalter wurde Kreativität bewiesen. Die Einstellungen der Außenspiegel soll weit unter Kniescheiben-Niveau vorgenommen werden. Ein kleines Kunststück, dabei den Kopf in der normalen Blickposition zu halten. Genug gemault, ab jetzt wird es besser: Lederlenkrad und Schaltknauf liegen super in der Hand. Vorne streckt sich die Haube. Hinter dem Horizont wartet der Strand. Zum Himmel hin öffnet sich ein endloses Schiebedach und lässt die Sonnenstrahlen herein. Sowohl am Heck wie am Bug weiß man genau, wann der Wagen zu Ende ist. Da der X-Trail aber weder klein noch handlich ist, sollte man über das Extra "Abstandswarner" nachdenken.

Soft, funny und Nissan: Istd as die Mischung für Sie?

Oben aufgemotzt

Optisch möbeln die Dachträger mit integrierten Schweinwerfern den Wagen auf. Wären sie nicht da, bliebe das Dach trist und öde. Böswillige Augen könnten es mit einem 80er-Jahre Kombi verwechseln, aber mit dem Träger-Geweih verbreitet es den Flair von Party-Stimmung und Freizeitvergnügen. Ein kleines Augenzwinkern des "Soft-Offroaders", der damit signalisiert, man möge ihn doch lieber durch die Dünen auf eine Beach-Party zurollen lassen, als ihn über Knüppeldämme oder durch Basaltbrüche zu prügeln.

Auf dem Weg ins Büro von der Sahara träumen

Der zuschaltbare Allrad-Antrieb wurde nicht für die Sahara-Überquerung konzipiert, sorgt bei unbefestigtem Untergrund aber für Traktion. Dazu gibt es reichlich Bodenfreiheit, auf einem Bergpfad wird man also nicht aufsetzen. Mit Allrad-Antrieb, Differenzialsperre kann der Softe immerhin Steigungen bis 22 Grad erklimmen.

Damit dürften die Geländeambitionen der X-Trail-Kunden bestens abgedeckt sein. Das Herz muss "Ja" zum Geländeflair sagen, dann kann man auch mit den Nachteilen leben. Wälzt sich der Wagen über Schwellen und Kantsteine, schaukelt es wie auf einem Dromedar, forsche Kurven zerren an den Aufbauten. Man hat es ja schließlich so gewollt und blickt von oben auf das gewöhnliche PKW-Volk hinab. Vorne wie hinten sitzt man mehr als großzügig, die Sitze sind -bequem, weich und bieten für die Fahrleistungen ausreichenden Seitenhalt.

Reisemobil

Der Motor macht sich mit heulenden Geräuschen ans Werk, setzt den Wagen aber gehörig in Schwung. Vorausgesetzt, der Fahrer wirkt unterstützend am Schalthebel. Das Sechs-Gang-Getriebe lässt sich angenehm bedienen und sorgt selbst im Bereich über 160 km/h für die gewünschte Beschleunigung, bei etwa 190 km/h ist dann Schluss. Auf Reisen und auf der Autobahn hält sich der Offroader weit besser als vermutet. Die Klimaanlage sorgt trotz der gewaltigen Fensterflächen für kühle Luft, der Motor ermöglicht stressfreies Reisen mit Dauergeschwindigkeit von 180 km/h. Auf welligen Passagen vermittelt die eigentlich recht weiche Federung sogar mehr Komfort als manches Sport-Fahrwerk. Nur auf kurvigen Landstraßen kann der große Wagen erwartungsgemäß nicht wirklich Punkten. Bestmarken wird man dort damit nicht herausfahren. Bei zuviel Gas in der Kurve drückt und senkt sich das Fahrzeug bedenklich. Das können manche Edel-Offroader besser, aber auch auf einem anderen Preisniveau. Der Hinweis, dass die Außenmaße die Parkplatzsuche nicht erleichtern; versteht sich von selbst. Der X-Trail misst in der Länge 4.455 mm und in der Breite immerhin 1.765 mm in der Breite. Dafür halten sich die Verbrauchwerte des 2.2 cdi beruhigend im Rahmen, im Mix gibt Nissan 7,3 Liter an. Der im Test gefahrene Verbrauch lag unwesentlich höher. Die Verarbeitungsqualität ist 1a, genau wie die Kundenzufriedenheit. Auch bei Langzeittests schnitt der X-Trail als Vertrauen erweckender Begleiter mit ausgeprägter Werkstatt-Abstinenz ab.

Weite des Westens

Besonders ruhig geht es in der X-Trail-Zelle also nicht zu, aber dafür ist reichlich Platz vorhanden. Wenn die Vorderleute ihre Sitze nicht sinnlos nach hinten drücken, bleibt im Fond sogar opulente Kniefreiheit. Der Laderaum liegt, wen wundert es, hoch, er besticht durch eine solide Oberfläche, mit der auch die Rückseite der Fondbank bezogen wurden. Der normale Inhalt liegt nur bei 410 Litern. Durch ein einfaches Klapp-Manöver, natürlich auch asymetrisch, schafft man eine fast ebene Ladefläche. Überflüssig zu sagen, dass man dann bei 1.841 Liter reichlich einpacken kann.

Get the Feeling

Auf dem täglichen Weg zur Arbeit und ins Büro macht ein Offroader beim Verstand keine Punkte gut, man muss schon auf das Feeling stehen. Laune macht der Wagen da, wo er hingehört: im leichten Gelände und am besten in der Freizeit. Und dieses besondere SUV-Feeling vermittelt der X-Trail im Übermaß und zu attraktiven Preisen. Um es auf den Punkt zu bringen, für den X-Trail spricht nicht zuletzt die Preisgestaltung, denn man bekommt das Spaß-Mobil zum Preis eines vergleichbaren Kombis, nimmt einige Einschränkungen im Fahrverhalten in Kauf und kann dafür all die tollen Sachen, für die der X-Trail steht, in vollen Zügen genießen. Wer den X-Trail kennen lernen will, sollte also nicht vom Händler in die Einkaufszone einbiegen, sondern sich ein Wochenende Zeit mit ihm, dem Surfbrett, dem Fahrrad oder der Wanderausrüstung nehmen und ein paar Freunde einladen. Oder er nimmt die Kids zur Strandparty mit. Die Listenpreise bieten nur einen Anhaltspunkt, denn die Nissan-Händler drücken den Wagen mit großzügigen Ausstattungspakten zu überraschend niedrigen Preisen in den Markt.

Eltern, allein zu haus

Aber Vorsicht: Wirklich gut überlegen müssen sich die Anschaffung eines X-Trails Offroad-Fans mit führerschein-besitzenden Kindern im Haus. Der Nachwuchs wird schnell merken, dass Partys ohne Eltern mehr Spaß machen. Dem X-Trail wird es gefallen, er steht dann an jedem Wochenende in den Dünen, aber die Eltern vor der leeren Garage, und das wäre dann auch ein Kompliment für den X-Trail.

Gernot Kramper

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.