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Renault Kangoo be bop Z.E.: "Volltanken" für drei Euro

Kaum "Sprit"-Kosten und dann 160 Kilometer lautlos durch die City stromern. Renault meint, dieses Szenario wird schon in zwei Jahren Realität sein. Nur beim Bremsen kann einem schnell übel werden.

Von Michael Specht

Renault hielt sich beim Thema E-Mobility lange zurück und startet jetzt mit einem Paukenschlag. Vorher gab es nur ein paar Ankündigungen. Man werde beispielsweise zusammen mit Partner Nissan 2011 mit der Fertigung von Elektroautos beginnen. Der ehemalige SAP-Manager Shai Agassi soll beim Aufbau einer Infrastruktur helfen.

Nach den Plänen des Visionärs würden zuerst Israel und später weitere Länder mit einem Netz aus Lade- und Batteriewechselstationen überzogen werden. Das E-Auto gibt es geschenkt, der Kunde zahlt nur eine Pauschale sowie für die gefahrenen Kilometer.

Elektroautos in großen Stückzahlen

Schöne heile Welt, leise, emissionsfrei, umweltfreundlich. Renault ist sich sicher, dass sie kommt und dass der französische Konzern schon in wenigen Jahren zu den grünsten Autoherstellern Europas gehören wird. "Wir reden nicht von ein paar Nischenfahrzeugen sondern von einer Serienproduktion im fünfstelligen Bereich", sagt Christine Tissot, die bei Renault den Eintritt in die Elektro-Mobilität koordiniert. Den Start soll ausgerechnet eine biedere Familienlimousine machen, die auf Stromantrieb umgebaut wird, die Stufenheckversion des Renault Mégane. Dass damit auf der Imageseite kein Blumentopf zu gewinnen ist, weiß man auch bei Renault. Denn aufgeschlossene wie kaufkräftige Erstkunden, im Marketingdeutsch "Early Adopters" genannt, wollen mit einem Elektroauto gern auch optisch dokumentieren, wie grün sie denken. Und dafür taugt der Mégane nicht.

2010 kommt ein Renault City-Stromer

Daher sieht Renaults Stromplan vor, 2012 mit einem kleinen City-Car auf den Markt zu kommen, dass vom ersten Zeichenstrich als E-Auto konzipiert und auch beim Design als Avantgarde wahrgenommen wird. "In der Größe wird dieses Modell zwischen Twingo und Modus rangieren", sagt Christine Tissot. Auch eine kompakte, stromgetriebene Schräghecklimousine wird es von Renault geben.

Flottenkunden wie Post oder Kurierdienste will man ab 2011 mit dem elektrischen Kangoo Rapid bedienen. Wie so etwas fährt, zeigt Renault dieser Tage am Beispiel des Kangoo be bop E.V. Den Mini-Kastenwagen treibt ein 60 PS starker Elektromotor mit 190 Newtonmeter Drehmoment an. Seinen Strom bezieht er aus einer 15-kWh-Lithium-Ionen-Batterie, die, 250 Kilo schwer, im Fahrzeugboden untergebracht wurde. Dadurch bleiben alle vier Sitzlätze und der Kofferraum erhalten. Renault verspricht 100 Kilometer Reichweite, zur Markteinführung sogar 160 Kilometer. Geladen werden kann der Hightech-Akku an jeder normalen Steckdose. Spezielle Power-Stations mit 400 Volt sollen in der Lage sein, innerhalb von 30 Minuten 80 Prozent der Kapazität nachzuladen.

Rekupation kann übel machen

Der Umgang mit dem Elektro-be-bop erfordert ein wenig Gewöhnung. Nach Drehung des Zündschlüssels ertönt nur ein kurzer Piep und im Cockpit erscheint ein grünes Autosymbol. Die Fahrt kann losgehen. Vom Motor ist nichts zu hören. Ein Getriebe gibt es nicht, da E-Motoren ihre höchstes Drehmoment physikalisch bedingt ab der Drehzahl Null liefern. Es reicht also ein Vorwärtsgang (bis 130 km/h limitiert). So kennt der Fahrhebel auf der Mittelkonsole nur die Stellung "N" (Leerlauf), "D" (Fahren) und "R" (Rückwärts). Sanft und leise setzt sich der Kangoo in Bewegung, beschleunigt bei mehr "Gas" zügiger als mancher Benziner oder Diesel. Sein Ballast im Boden ist lediglich in der Lenkung und in Kurven zu spüren, ansonsten fährt er sich wie ein normales Auto - zumindest so lange nicht das Gas weggenommen wird. Dann bremst augenblicklich der E-Motor den Wagen herunter, um möglichst viel Energie in die Batterien zurück zu schicken. Manchem mag diese Art der Verzögerung buchstäblich übel aufstoßen. "Für Familienautos sehen wir ein geringere Rekupation vor", sagt Batterieexperte John Toplosky, "damit dem Nachwuchs hinten nicht schlecht wird."

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