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RWE: Elektro-Fiat zum Porsche-Preis

Der Stromversorger RWE bietet ab sofort ein Komplettpaket aus leise surrendem Fiat 500, Ladesäulen und Ökostrom an - zu horrenden Preisen, die das Projekt zum reinen PR-Gag für Firmenfuhrparks degradieren. Es geht auch billiger, wie die Konkurrenz zeigt.

Von Christoph M. Schwarzer

Noch hat das Elektroauto das Henne-Ei-Problem: Erst mit steigenden Produktionszahlen können die Preise sinken. Wenn die Preise so hoch sind wie beim Stromversorger RWE, werden die Verkaufszahlen aber homöopathisch bleiben. Nach Angaben der AutoBild beträgt die monatliche Leasingrate 899 Euro und steigt im Sommer 2011 auf 1399 Euro für einen auf Elektroantrieb umgerüsteten Fiat 500.

Dazu addieren sich pro Monat 199 Euro für eine Ladesäule sowie 69 Euro für eine Ladebox an der Wand plus 22 Cent für jede getankte Kilowattstunden Strom. Für das Geld gibt es locker einen Porsche Cayman inklusive vieler, vieler Liter Benzin.

Kein Risiko für die Anbieter

"Offenbar wollen die Anbieter überhaupt kein eigenes Risiko eingehen", sagt dazu Tomi Engel von der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie (DGS). Er bezweifelt angesichts dieser Preise die Ernsthaftigkeit des Projekts: "Hier will man den Markt nicht wirklich anschieben", meint Engel und befürchtet, dass durch extrem hohe Preise Druck auf den Staat ausgeübt werden soll, um Subventionen zu erzwingen und diese dann direkt in die Tasche zu stecken.

Grundsätzlich hält Engel eine Förderung von Elektromobilität für richtig. Aber nur, wenn sie intelligent gemacht ist: "Für den Endkunden muss sich der Kauf eines Elektroautos lohnen." Das könne zum Beispiel über eine konsequente Ausrichtung der Kfz-Steuer auf CO2-Basis mit deutlich höheren Tarifen als heute geschehen. Darüber hinaus kann sich Engel ein Programm der bundeseigenen KfW-Bank vorstellen, bei dem Verschleißrisiko und Kosten der Batterie im Elektroauto minimiert werden.

Mitsubishi in Serie

Die von der AutoBild genannten 61.500 Euro für den umgerüsteten Fiat 500 namens "Micro-Vett 500 E" werden aber auch so schon unterboten. Der Konkurrenz sei Dank. Der seit Oktober in Serie produzierte Mitubishi i-MiEV kostet in Japan rund 35.000 Euro. Firmen-Sprecher Helmut Bauer erklärt zwar, dass sich der Preis in Deutschland ohne Subventionen, mit Einfuhrzöllen sowie 19 Prozent Mehrwertsteuer anfangs in Richtung 50.000 Euro bewegen werde. Mit dem Hochfahren der Serienproduktion und den baugleichen Schwestermodellen bei Citroen und Peugeot zeigen sich Branchenkenner aber sehr zuversichtlich, dass dieser Kurs schnell und deutlich bröckeln wird.

Deutscher Mittelständler vorne

Besonders innovationskräftig zeigt sich inzwischen auch der klassische deutsche Mittelstand: Die Firma Fräger aus Grebenstein bei Kassel hat aus der Not der Autokrise eine Tugend gemacht. Weil der Zulieferer Kapazitäten frei hatte, machten sich die Inhaber daran, einen eigenen, elektrischen Antriebsstrang inklusive Leistungselektronik zu entwickeln. Eingebaut haben sie ihn in einen chinesischen Kleinwagen, dessen Design in der Seitenlinie und an der Front verdächtig an die A-Klasse von Mercedes erinnert. "German-E-Cars" (www.german-e-cars.de) oder schlicht Benni nennt sich das Projekt, bei dem nicht nur der Preis von 32.000 Euro plus Mehrwertsteuer den RWE-Stromer alt aussehen lässt.

Auch die Leistungsdaten des Fräger Benni deklassieren den in Italien umgebauten "Micro-Vett 500 E" der RWE: Dessen Motor leistet maximal 30 kW (für die Traditionalisten: Das entspricht rund 41 PS), was für maximal 110 km/h reicht, während der Benni mit 56 kW (entsprechend 76 PS) fast schon beängstigend stark motorisiert ist. Zwar werden auch hier die Kunden ab Sommer 2010 vor allem Kommunen und andere Flottenkunden sein, die den oft selbst produzierten Strom quasi umsonst in die Batterien laden können. Trotzdem wirkt das Projekt sehr viel glaubwürdiger als das Komplettpaket der RWE. Dort kommt zu leicht der Eindruck auf, man wolle einen PR-Gag inszenieren. Und zwar voll finanziert auf Kosten der ersten Neugierigen.

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