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Saab 9-5 1.9 TiD Linear: Drei Mal aufpoliert

Nach über acht Jahren könnte man bei fast jedem Hersteller der Oberklasse ein Modellwechsel erwarten. Anders bei Saab. Die Skandinavier lassen den 9-5 in Ruhe reifen und gönnen ihrem Flaggschiff das nunmehr dritte Facelift.

Die aktuelle Version wird es angesichts der mächtigen Konkurrenz ziemlich schwer haben, zu bestehen. Neue Kundenkreise kann man allein mit einer verbesserten Grundausstattung und einer gründlichen Fahrwerksüberarbeitung kaum locken.

Daher wurde auch an der Optik gefeilt. Auffälligstes Merkmal des Saab 9-5 ist das Frontdesign, das an das Conceptcar Saab 9X angelehnt ist. Ebenfalls überarbeitet wurden die Heckansicht und der Innenraum. Die Benzinmotoren blieben bis auf den 2.3 Turbo unverändert. Im Saab 9-5 1.9 TiD werkelt der aus dem 9-3 sowie Opel Vectra und Alfa 159 bekannte Vierzylinder-Turbodiesel mit Partikelfilter.

Knappe Räume

Der Innenraum ist im Vergleich etwas knapp bemessen. Hier ist die aktuelle Konkurrenz aus dem Hause Audi, BMW oder VW deutlich weiter. Der verwendete Materialmix aus Stoff, Leder und Aluminium hinterlässt optisch wie haptisch einen wertigen Eindruck. Die Verarbeitung des Testwagens ist jedoch verbesserungswürdig - schnell klapperte es auf schlechten Straßen aus diversen Ecken des Innenraumes. Das Armaturenbrett ist übersichtlich, die Instrumente klar gegliedert und Bedienelemente sind dort, wo man sie vermutet. Die grüne, der Luftfahrt entlehnte Cockpitbeleuchtung ist angenehm und lässt sich mit der Nachtlichtfunktion bis auf den Tachometer abschalten - eine überflüssige Spielerei.

Das Lenkrad ist höhen- und längsverstellbar, die Vordersitze bequem mit genügend Seitenhalt – hoch gewachsenen Fahrern wird es jedoch schwer fallen, eine optimale Sitzposition zu finden. Im Fond finden drei Passagiere genügend Platz. Nein, an Komfort mangelt es dem kühlen Schweden wirklich nicht. Die Bedienung der serienmäßigen Klimaautomatik erfolgt im neuen Modell über drei Drehregler, das DVD-Navigationssystem ist dagegen nicht unbedingt eine Verbesserung zum bisherigen Modell.

Trotz versprochen gründlicher Überarbeitung der Fahrwerksdynamik kann der Fahrkomfort nicht vollends überzeugen. Straff und gleichzeitig komfortabel abgestimmt lässt sich der immerhin 1,6 Tonnen schwere Schwede zwar agil bewegen. Jedoch sind Traktionsschwächen und Antriebseinflüsse in der Lenkung deutlich spürbar.

Mit dem Diesel-Wumms

Die Zugkraft des 150-PS-Commonrail-Diesels ist eindrucksvoll. Mit der Overboost-Funktion kann das maximale Drehmoment kurzzeitig von 350 auf 370 Nm gesteigert werden. Das lädt zu betont sportlicher Fahrweise ein, zumal die Schaltwege des Getriebes recht kurz sind. Warum ein Sechsgang-Schaltgetriebe nur beim Saab 9-3 1.9 TiD zu haben ist, bleibt ein Geheimnis der Marketing-Strategen bei Saab.

Ein Flüsterdiesel ist der Schwede beim besten Willen nicht. Ab 120 km/h ist das Triebwerksgeräusch sehr präsent; so beherrschen bei Reisegeschwindigkeit unangenehme Resonanzgeräusche den Innenraum. Erst jenseits der 150 km/h sind nur noch Motor bzw. Wind zu vernehmen.

Lahmer Zausel

Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h ist in dieser Fahrzeugklasse etwas dürftig und wurde vom getesteten Fahrzeug nicht einmal erreicht - bei gemessenen 200 km/h befand sich Drehzahlmesser bereits im roten Bereich. Der Testverbrauch lag mit 7,9 Litern Diesel auf 100 Kilometer zwar deutlich über der Herstellerangabe von 6,5 Litern, ist jedoch für ein Fahrzeug dieser Größe und Motorisierung durchaus angemessen.

Insgesamt fährt sich der Saab 9-5 1.9 TiD mühelos, in Kurven kaum untersteuernd. Die Lenkung ist abgesehen von Antriebskräften fein abgestimmt und vermittelt guten Fahrbahnkontakt. Auf Lastwechsel reagiert der Wagen gutmütig.

Kein Schnapper

Dass die Sicherheitsausstattung des Schweden vorbildlich ist, versteht sich von selbst - adaptive Airbags, Seitenairbags und aktive Kopfstützen für Fahrer und Beifahrer. Dazu kommen ABS, ESP, ISOFIX-Vorbereitung hinten, elektrische Spiegel, Klimaautomatik, Sport-Lederlenkrad und 17-Zoll-Leichtmetallräder.

Zu haben ist der Saab 9-5 1.9 TiD ab 32.050 Euro als Basisversion "Linear". Sinnvolle Bi-Xenon-Scheinwerfer kosten 960 Euro Aufpreis. Dass die mittlere Kopfstütze hinten 100 Euro extra kostet, ist ebenso ärgerlich wie der Preis für die Gepäcknetze (ebenfalls 100 Euro).

Pressinform / PRESSINFORM
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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.