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Seat Alhambra 1.9 TDI: Dritter Frühling

Wenn es um Autos geht, dann lässt sich vieles nicht so einfach erklären. Jedenfalls nicht logisch. Zum Beispiel: Warum wird der VW Sharan hierzulande sehr viel öfter verkauft als sein spanischer Bruder Seat Alhambra?

Logisch erklären lässt sich das kaum. Der kraftvolle Motor ist der gleiche, das Platzangebot in dem südeuropäischen Van nicht minder üppig, Bedienung und Übersichtlichkeit mindestens genau so gut. Nur: Der Spanier ist einige tausend Euro günstiger. Bleiben also nur noch weiche Gründe: Image und - vielleicht - Optik. Und für kühle Rechner ein höherer Wertverlust, der den Preisvorteil zumindest auffrisst. Was bleibt, ist ein unterschätztes Papa-Mobil. Vor allem, wenn es in der Sport-Ausführung und mit dem kräftigen 150-PS-Diesel daherkommt. Mehr als 4,6 Meter Länge misst der Alhambra vom Front- zum Heck-Stoßfänger. Da bleibt viel Platz für viel Familie, Kegelclubs oder Ausflugsgesellschaften. Bis zu sieben Passagiere passen in den Alhambra - wenn auch die hinteren dann nicht mehr wirklich bequem sitzen. Aber mit fünf Sitzen wird der Seat zur idealen Kutsche für mehrtägige Landpartien. Platz fürs Gepäck ist dabei reichlich: Irgendwo zwischen 256 Liter (voll bestuhlt) und mächtigen 2610 Litern wird sich für jeden das richtige Maß finden lassen. Wer will, kann mit einem sich auf über zwei Meter Länge streckenden Laderaum ganz unverzagt bei Ikea einkaufen. Das ganze Gepäck lässt sich bequem verladen: Die Heckklappe schwingt weit nach oben und die Öffnung reicht selbst für sperrige Güter.

Genug Platz auch für größere Passagiere

Der Zustieg vorne wie hinten ist Van-typisch bequem und einfach - dank der hohen Sitze und niedrigen Schweller ohne große Verrenkungen. Der höhenverstellbare Fahrersitz ist angenehm straff gepolstert und bietet einen guten Seitenhalt - die Armlehnen sind praktisch, nerven aber bei Personen mit etwas breiteren Hüftknochen etwas, weil sie beim Schließen der Sicherheitsgurte im Weg sind. Vorne wie hinten haben auch größere Passagiere keine Probleme, die Sitze lassen sich weit genug nach hinten schieben, ohne dann im Fond für Enge zu sorgen. Klar, dass Isofix-Verankerungspunkte serienmäßig sind. Bedienen lässt sich der Alhambra einfach und funktionell. Alle wichtigen Schalter sind leicht erreichbar und logisch angeordnet, Tacho & Co. sind gut einzusehen. Das durchaus wuchtige Armaturenbrett wirkt nicht überladen. Auffällig: In unserem Testwagen meldete sich kein Warnsignal, wenn die Sicherheitsgurte beim Anfahren noch nicht geschlossen waren.

Die Fertigungsqualität ist bestens. Alles passt, in dem Testwagen gab es auch nach Rüttelpisten kein Klappern oder Knarzen. Die Materialien wirken wertig, die Farben passen - dezent zurückhaltend - gut zueinander. Zahlreiche Ablagen sorgen für Ordnung - auch, wenn der Van mal voll besetzt ist. Irgendwelche Wünsche in dem Bereich? Ja: Schiebetüren hinten wären praktischer.

Nicht schlechter als sein Wolfsburger Bruder

Der durchzugsstarke Top-TDI ist gut für höchst angenehme Fahrleistungen. Die 110 kW/150 PS reichen zusammen mit dem Drehmoment von 310 Nm auch bei dem schweren Van zu einer souveränen Beschleunigung von 11,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und für eine Höchstgeschwindigkeit von 199 km/h. Allemal genug, um flott und entspannt mit dem Verkehrsgeschehen umgehen zu können. Dass es ein Diesel ist, der da rumort, ist nie zu überhören - aber auch nie akustisch störend. Der Motor läuft rund und vibrationsarm. Den Verbrauch gibt Seat selbst mit 6,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer an. Bei uns im Test kamen wir auf gut 8,5 Liter. Das serienmäßige Sechsgang-Getriebe passt gut zu diesem Motor. Es lässt sich leicht und exakt schalten und die Charakteristik der einzelnen Gänge ist gut auf das Temperament des Motors abgestimmt - nur bei nasser Fahrbahn oder allzu ruppigem Anfahren hatten die Antriebsräder etwas Probleme mit der Traktion. Der sechste Gang funktioniert als reiner Schongang und hilft vor allem, bei langen Autobahnpassagen Treibstoff einzusparen.

Das Sport-Fahrwerk trägt maßgeblich zum Komfort der Großraum-Limousine bei: Sportlich straff abgestimmt, aber so komfortabel und ausgewogen gefedert, dass der 1,7 Tonnen schwere Alhambra Fahrbahnunebenheiten samt Querrillen souverän wegsteckt. In Kurven neigt der Alhambra zum leichten Untersteuern, vermittelt aber immer ein sicheres Fahrgefühl. Ansonsten bietet der Alhambra ein neutrales Fahrverhalten. Die Lenkung ist präzise und gefühlvoll - vor allem aber so eingestellt, dass sich der nicht ganz kleine Spanier bequem und überraschend handlich durch den Stadtverkehr manövrieren lässt. Nein, der Alhambra ist keinen Deut schlechter als sein Bruder aus Wolfsburg - mit einem Basispreis von 28.390 Euro zwar auch nicht billig, aber deutlich preiswerter. Wenn das kein Argument ist.

Jürgen Wolff/Press-Inform
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.