Skoda Superb Der Prinz aus Prag


Bei Skoda stimmen Preis und Leistung. Der neue Superb wird nun auch noch ein Schönling und wildert mit Passat-Preisen in der Ob erklasse. Entwicklungsvorstand Eckhard Scholz ist entsprechend stolz auf's neue Flaggschiff.
Von Gernot Kramper

Beim ersten "neuen" Superb musste sich Skoda im Jahr 2002 mit einem verlängerten Passat zufrieden geben. Nun durfte man selbst Hand am Design anlegen. Herausgekommen ist eine Art "Staatslimousine" für den böhmschen Bürgermeister. Verzichten muss man beim Superb auf die Steigerungsraketen des Mitbewerber: Noch flacher, noch direkter, noch stärker etc. Der Skoda Slogan "Simply Clever" bedeutet eben auch, die Dinge anders zu machen als die anderen. Darauf ist man stolz bei Skoda. Der Skodakäufer in Deutschland ist ein "Cleverle".

Er zahlt weniger und bekommt mehr. Mehr Auto: Denn Skoda legt gern ein paar Zentimeter im Vergleich zu den Mitbewerbern drauf. Mehr Qualität: Skodas bietet eine Top-Qualität. Und obendrauf gibt es ein paar schlaue Einfälle, auf die andere noch nicht gekommen sind. So auch bei Superb: Er ist wieder deutlich länger als der Passat von Volkswagen und bietet einen unglaublich großen Innenraum für ein Wagen seiner Klasse. Skoda Entwicklungsvorstand Eckhard Scholz misst etwa 190 Zentimeter und kann mit den Knien nicht den Vordersitz erreichen. Diesen Effekt erreicht der Superb nicht allein durch reine Länge, sondern durch eine entschiedene Absage an den coupèhaften Look der sportlichen Mitbewerber. Dem Superb wurde eine Kabine verpasst, die man durchaus staatstragend nennen kann. Aber gut sieht das Flaggschiff aus, kräftig, elegant und stark, aber eben nicht sportlich schnittig.

Würdevoller Auftritt

In Mitteleuropa kommt eine Linie, die an einen Mercedes 600 erinnert, gut an. Eckhard Scholz weiß, in diesen Wachstumsmärkten ist der Superb ein "Repräsentanzfahrzeug" mit dem Minister und Honoratioren im Fond und mit Chauffeur am Steuer vorfahren. Was "Cleveres" gibt es beim Superb natürlich auch: Die Twindoor-Heckklappe. Der Superb bietet den normalen Kofferraumdeckel einer Limousine, auf Knopfdruck lässt sich jedoch das ganze Heck inklusive der Rückscheibe hochheben. Wer will, kann also mächtig einladen.

Letztlich überzeugt die Neuerung nur zur Hälfte: Aller Voraussicht nach wird es diesen Superb erstmals als Kombi geben. Das wäre dann ein Luxusfrachtschiff allererster Güter und wäre für den deutschen Kunden immer eine bessere Wahl als eine "clevere" Heckklappe. Die Markanteile des Passats Variant beweisen eindeutig die Liebe der Deutschen für den Kombi. Aber Skoda produziert nicht vorrangig für den deutschen Markt. In der Autoindustrie wird die Landkarte neu gezeichnet. Eckhard Scholz: "Für uns ist Indien ein großes Thema und China und Russland. Da passt Skoda ausgezeichnet hin. In den USA Geld zu verbrennen, da sehe ich keinen Sinn für Skoda." Auch wenn Skoda sich gut schlägt, ist Deutschland eher ein Stagnationsmarkt. "Aber es gibt mehr als genug Märkte, wo Skoda ein wirklich rasantes Wachstum findet."

Technik von heute

Entsprechend stolz ist man auf das neue Flaggschiff. Der Vorgänger war letztlich kaum mehr als ein in die Länge gestreckter Passat mit sehr zurückhaltenden, optischen Reizen. Das neue Design durfte nun von Skoda selbst gemacht werden und wirkt deutlich vitaler und lebendiger. Der neue Superb startet mit sehr bescheidenen Basismotoren. Mit einem 1.4 TSI und 125 PS geht es los, auch dies ein Hinweis auf die Gepflogenheiten in den heutigen Wachstumsmärkten. Aber keineswegs mit der Technik von vor-gestern. "Im Konzern brauchen einen Rollout bei neuen Modulen und Produkten, da wird auch auf Stückzahlen geschaut. Natürlich marschiert ein Produkt wie der Golf voran, aber dann werfen wir von Skoda unsere Modelle in den Ring. Wir haben im Superb die neue Navigation mit Touchscreen, wir haben Allrad, wir haben DSG – da ist nichts von gestern. So eine Strategie könnten sie im Markt auch nicht mehr durchsetzen. Das macht auch wirtschaftlich keinen Sinn im Konzern. So haben wir bei der Top-Technik ganz andere Volumen, als wenn man Innovationen "aufsparen" würde."

Marke für die Zukunft

Ganz neu entwickelt wurde das Frontlighting-System, das je nach Fahrsituation und Geschwindigkeiten die Fahrbahn unterschiedlich ausleuchtet. Erfreulich für den Kunden, beim Skoda den Drang nach Höherem nicht die Bodenhaftung verliert. Günstige Preise und geringen Verbrauch wird man auch weiterhin von Skoda erwarten können. "Die Wirtschaftlichkeit der Motoren gehört zu den zentralen Aufgaben bei Skoda. Das ist eine entscheidende Frage, dass wir hier sehr gute Ergebnisse vorweisen können" , sagt Eckhard Scholz. "Dazu gehören auch Dreizylinder-Motoren und das bei den Modulen sind das die Low-Coast-Varianten im Konzern." Skoda war immer weit mehr als eine ausgelagerte Montagebank, heute hat man 1500 Entwickler an Bord. "Wir haben hier einen Standortvorteil. Die Entwicklungsstunde ist um einiges billiger als in Deutschland und das Ausbildungsniveau ist ausgezeichnet. Sehr gute Leute, sehr gute Hochschulen." Mit diesen Faktoren und der langen Geschichte einer Traditionsmarke im Rücken wird Skoda die Position des Volkswagenkonzerns in preissensiblen Märkten weiter stärker. Dem Verbraucher kann so ein strategisches Ziel nur recht sein, denn Marken die allein auf Premium und Top-Verdiener setzen, gibt es schon genug.


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