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Skoda Superb: Große Klappe, kleiner Motor

Mut haben sie ja, die Tschechen. Skoda setzt in seinem neuen Superb einen nur 1,4 Liter großen Motor ein - und haben auch sonst noch so einige Überraschungen für ihre Toplimousine parat.

Von Michael Specht

In manchen Vorstandsetagen deutscher Autokonzerne dürfte die eine oder andere Faust bereits auf den Tisch geknallt sein, weil Entwicklungs-Ingenieure sich von ihrem Chef fragen lassen mussten: "Warum haben wir so etwas nicht?" Gemeint ist eine patentierte Kofferraumlösung, wie sie bislang keine Stufenheck-Limousine besaß: Es ist eine zweigeteilte Heckklappe, die Skoda marketinggerecht als "Twindoor" bezeichnet. Für kleinere Gegenstände lässt sich der Kofferraumdeckel ganz normal öffnen, sollen größere Sachen eingeladen werden, schwingt die Heckscheibe mit nach oben. So schluckt der Laderaum bei aufgestellten Rücksitzen 570 Liter, sind die Lehnen umgeklappt sind es sogar 1670 Liter. "Ein Wert, den kein Mitbewerber hat", sagt Alfred Rieck, Geschäftsführer bei Skoda-Deutschland.

Beim Design des neuen Superb wollte der tschechische Autobauer, der vor 17 Jahren unter das Dach von Volkswagen schlüpfte, auf jeden Fall bei der traditionellen Stufenheckform bleiben. Rieck: "Durch die Twindoor-Lösung erreichen wir jedoch die Variabilität eines Schrägheckmodells." Motto: Ich bin zwei Skoda, am Nachmittag zu Ikea und abends vor die Oper.

Keiner bietet in dieser Klasse mehr Beinfreiheit

Glich die erste Generation des Superb mehr einem verlängerten VW Passat, bedienten sich die Skoda-Entwickler bei den technischen Komponenten zwar auch dieses Mal kostengünstig aus dem Wolfsburger Konzernregal, doch bauten sie daraus ein optisch eigenständiges Auto. Mit 4,84 Metern zählt der neue Superb zur oberen Mittelklasse. Er ist 35 Millimeter länger und 51 Millimeter breiter als sein Vorgänger, wirkt dadurch sehr viel imposanter als dieser. Auffällig ist die lange Dachlinie des Superb, die nicht nur viel Platz im Fond vermuten lässt, sondern ihn auch tatsächlich bietet. Selbst Oberklassen-Limousinen stellen nicht die üppige Beinfreiheit bereit, die Passagiere im Superb genießen können. Auch hinter dem Lenkrad schafften die Designer ein angenehmes und großzügiges Raumgefühl, geprägt nicht zuletzt durch die hohe Wertanmutung der verbauten Materialien. Sie erreicht fast Audi-Qualität. "Wir denken, dass wir im Interieur gleichauf mit deutschen Premium-Herstellern liegen", sagt Skoda-Entwicklungschef Eckhard Scholz.

Ebenso bei der Sicherheit. Der Superb hat je nach Ausstattung bis zu neun Airbags an Bord, die Beine des Fahrers schützt dabei ein Knie-Airbag. Auch bei anderen technischen Innovationen will Skoda nicht hinten anstehen. So ist der Superb das erste Modell im Volkswagenkonzern, das das Adaptive Frontlight System (AFS) bekommt. Hier wirft eine elektronische Steuerung in Abhängigkeit der Geschwindigkeit verschiedene Lichtkegel auf die Fahrbahn. Bei Tempo 50 ist er beispielsweise relativ breit und leuchtet den rechten Fahrbahnrand besser aus, bei höherer Geschwindigkeit (Autobahn) wird der Kegel sehr lang.

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Kleiner Motor ganz groß

Die größte Überraschung beim Superb aber dürfte zweifellos das Motorenangebot sein. Neben den bekannten VW-Diesel-Aggregaten (105 bis 170 PS) und dem 1,8-Liter-Benziner mit 160 PS entschied Skoda sich bei seinem Flaggschiff auch für den kleinsten Benzin-Direkteinspritzer im Konzern, den 1,4-Liter-TSI. Leicht war es nicht, den Mini-Vierzylinder aus der Downsizing-Strategie durchzudrücken, ist vom Fred Kappler zu hören. "Selbst die Händler schlugen anfangs die Hände vors Gesicht, nach dem Motto: Wie sollen wir damit dieses Auto verkaufen?" sagt das Vorstandsmitglied für Marketing und Vertrieb. Erst nach den Probefahrten beruhigten sich die Gemüter. Tatsächlich ist man verblüfft, wie gut der 125 PS starke Turbo-Direkteinspritzer am Gas hängt, wie leicht er dreht und wie leise er ist. Von Disharmonie keine Spur. Dazu kommen eine butterweiche Sechsgangschaltung, eine handliche Lenkung und sportliches Fahrwerk. Wem also 201 km/h Spitze und 10,5 Sekunden für die Disziplin 0-100 km/h für seinen Alltag reichen, ist mit der Einstiegsversion des Superb bestens bedient, zumal Skoda den Verbrauch mit nur 6,6 Liter/100 km und den Preis mit 22 990 Euro angibt. Kein Konkurrent kann zurzeit Qualität, Platz und Komfort günstiger anbieten als die Tschechen.

Absatzflaute? Kennt Skoda nicht

Skoda brummt, seit Jahren. Der Kleinwagen Fabia räumt einen Preis nach dem anderen ab. Ende nächsten Jahres wagt Skoda mit dem Yeti den Schritt zu den kleinen SUV. Anfang 2010 debütiert der Superb als Kombi und danach der neue Octavia. Skoda ist in den neuen Bundesländern mittlerweile die Nummer Zwei nach VW. In Tschechien ist die Marke das größte Export-Unternehmen des Landes und unterhält bereits eine eigene technische Universität, um genügend Nachwuchskräfte auszubilden. 2007 wurden mit 630.032 Autos 14,6 Prozent mehr verkauft als 2006. Von solchen Zahlen träumen andere Hersteller. Für dieses Jahr heißt das Ziel: über 700.000 Einheiten. Die Konzentration liegt dabei im Wesentlichen auf Osteuropa, Russland und China. In Indien ist Skoda bereits der größte europäische Anbieter und gilt dort als Premium-Marke. Und verkauften die Tschechen 1991 ihre Modelle noch in 31, hauptsächlich europäische Länder, so war es vergangenes Jahr Australien, das die Zahl 100 markierte.

Öko-Superb mit 5,1 Liter Verbrauch

Wenn am 4. Juli die ersten Superb zu den deutschen Händlern rollen, wird es erstmals auch eine auf Sparsamkeit getrimmte Ökoversion geben. Sie heißt bei Skoda "GreenLine" und ist zunächst nur für den 105 PS starken Diesel zu haben. Aerodynamisches Feintuning, Leichtlaufreifen und ein länger übersetztes Getriebe reduzieren den Verbrauch von 5,7 auf 5,1 Liter pro 100 Kilometer, was einem CO2-Ausstoß von 136 g/km entspricht. Der Preis: 24.890 Euro, 900 mehr als die normale Dieselversion. "Darin sind aber für den selben Preis Extras enthalten, beispielsweise Leichtmetallfelgen, so dass dem Kunden die GreenLine-Version effektiv nicht mehr kostet", sagt Marken-Vorstand Fred Kappler. In der zweiten GreenLine-Generation soll sich das Sparpaket nicht nur auf den Diesel beschränken, sondern auf alle Motorisierungen. Zudem enthält es eine Start-Stopp-Automatik sowie einen Lichtmaschinen-Generator, der Bremsenergie in Strom verwandelt und damit die Batterie auflädt.

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