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Toyota FJ Cruiser: Der Hummer für die G’scheiten

Toyota schafft es immer wieder, neben seinen Allerweltsmodellen den Publikumsgeschmack mit ausgefallenen Fahrzeugen zu treffen. Das neueste Beispiel: der FJ Cruiser.

Helmut Werb/Los Angeles

Während sich amerikanische Automobilhersteller zwanghaft bemühen, schleppende Verkäufe mit Rabatten und Sonderlackierungen anzukurbeln, trifft der japanische Auto-Gigant Toyota mit – na, sagen wir mal – ungewöhnlichen Modellen immer wieder den Geschmack der US-Autokäufer, selbst wenn sich diese bislang recht gut in Nischen versteckt hielten. Neben ihrem nicht allzu prickelnden Angebot im Massenbereich strebt der Welt zweitgrösster Autoproduzent danach, in kleineren Marktsegmenten seiner Zeit voraus zu sein: die Japaner hatten die Nase vorn, als den Amis das Benzin zu teuer wurde, und traten fast im Alleingang die Hybrid-Hysterie los.

Coole Underdogs

Mit der Untermarke Scion zeigte Toyota, dass sich mit preisgünstigen Autos schweinemässig viel Geld verdienen lässt, wenn man sie nur genugend hip verpackt, und dass sich selbst ein rollender Schuhkarton an den Teenager bringen lässt, wenn er mit einer wummenden 200 Watt-Anlage ausgestattet ist.

Und nun haben die rührigen Japaner den SUV als UFO neu interpretiert. Vor futuristisch anmutenden Autos wie dem FJ Cruiser stand man bisher auf Autosalons, innigst hoffend, dass die schicke Design-Studie irgendwann einmal seinen Weg in den freundlichen Verkaufsraum nebenan finden würde. Die Japaner wagten nun den Sprung und liessen ihren Show-Car, der 2003 über alle Autoshows der Welt tingelte, fast unverändert als FJ Cruiser auf den amerikanischen Markt los – und siehe da, hippe Urban Cowboys, die sich bisher eher in militaristischen Hummers von General Motors geborgen fühlten, wollen auf einmal den SciFi-SUV mit dem seltsamen Namen. Gegen GMs abgemagerten H3, freundlich und zutreffend zugleich "Baby-Hummer" genannt, stellt Toyota denn auch den FJ zielgenau auf. Das bestätigt nicht nur die stilistisch-martialische Ausgefallenheit, sondern auch der Preis, der in den USA für beide Fahrzeuge - wohl ausgestattet - bei um die 30.000 Dollar liegt. Ob der preisgünstige FJ je nach Deutschland kommt, ist eher zu bezweifeln: Toyota hat beim Scion die Erfahrung gemacht, dass die Interpretation von Coolness manchmal davon abhängt, ob "french fries" Fritten genannt werden.

Charmeur, mit kleinen Macken

Dabei ist der FJ bei aller Schrägheit, die er optisch an den Tag legt, das charmantere Fahrzeug im Vergleich zu den Konkurrenten, selbst wenn man weiss, dass der knuffelige Zukunfts-Knochen eigentlich nur ein grundsolider, wenn auch modifizierter Toyota 4-Runner ist . Wie üblich bei Toyota macht alles einen sehr anständig verarbeiteten Eindruck, nichts klappert oder rattert ungefragt. Der Vierliter-V6 Motor treibt das doch ziemlich mächtige Zwei-Tonnen-Gefährt zwar nicht mit Sturm und Drang, aber immerhin recht flott voran. Die Strassenlage ist für ein Fahrzeug in dieser Klasse mehr als akzeptabel und der Verbrauch ist geringfügig besser als beim US-Mitbewerber. Ein paar Kleinigkeiten bereiten Sorgenfalten, wie die untere Armaturenbrettabdeckung die punktgenau auf die Kniescheibe zielt, die miserable, aber Design-bedingte Sicht nach hinten, und auch das Platzangebot auf den Rücksitzen ist eher was für japanische Minderjährige. Aber all das macht der auf Wunsch lieferbare Subwoofer wieder gut, der 50Cent die gewünschten wuchtigen Tiefen verleiht.

Harte Nehmerqualitäten

Der FJ hat – nicht überraschend für seine japanische Ahnenschar – überaus anständige Offroad-Eigenschaften, obwohl A-Trac und zuschaltbare Differentialsperren bei der Fahrt über den Grünstreifen des Starbucks-Parkplatzes eigentlich nicht nötig wären. Und kaum einer der Urban Warriors, die die Käuferschicht der FJ-Klasse ausmachen, dürfte jemals die kurze Übersetzung des Vierradgetriebes beim Shopping auf der Melrose Avenue benötigen. Aber ohne solchen rustikalen Schnickschnack würde der japanische Sumo-Ringer vom Zielpublikum nicht ernstgenommen. Oder in coolem Neu-Deutsch: ohne „most offroad“ hätte der FJ keine „street cred“.

Das macht viel aus. Was der Gegner H3 an Schützengraben-Image voraus hat, holt der FJ Cruiser über das futuristische Aussehen locker wieder rein. Allein die kühlen Zusatzleuchten an den Aussenspiegel sind ein halbes Dutzend schräg gesetzter Baseball-Mützen wert. Kurz: Befahrer des Baby-Hummers sind öfters wohlhabende Soccer-Mums aus betuchten Vorstädten, den Fj hingegen chauffieren iPod-bestückte StarWar-Fans. Und Image is everything beim Autokauf, vor allem in den car-crazy USA. Die Macht sei mit ihnen.

Helmut Werb/Los Angeles
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