Volvo C 30 Schau mir auf den Hintern, Kleines!

Wohin gucken Frauen zuerst? Nein, nicht in die Augen. Auf der Suche nach einer Fahrerin, der nicht nur bei ihrem Kerl eine klasse Optik über alles geht, schiebt der neue C30 einen ziemlich knackigen Po über die Straße.
Von Gernot Kramper/Mallorca

Billig ist der Beau aus Schweden natürlich nicht, mit Diesel, hoher Ausstattungslinie und ein paar Sonderwünschen hoppst er leicht über die 40.000 Euro-Linie. Selbstbewusst wollen die Skandinavier im Revier der "Premium Kompakten" wildern und Audis A3 und dem 1er BMW einen Teil der betuchten Nachwuchsfahrer abnehmen. Ohne falsche Scham beginnt die Preisliste bei 18.600 Euro für Basis-Ausstattung und eine 1,6-Liter-Benzinmotorisierung mit citygerechten 100 PS und endet bei einem Fünfzylinder-Dieselmotor mit 180 PS. Mit Automatikgetriebe und der edlen Ausstattungsstufe "Summum" liegt er bei 32.800 Euro. Da muss man schon lange nachrechnen, um noch auf einen Preisvorteil für den C30 im Vergleich zu einem Audi zu kommen. Praktisch bleibt wenig Abstand zu den Platzhirschen.

Was soll der Geiz?

Knausern und Knötern möchte man das Lifestylemodell ohnehin nicht anvertrauen. Der C30 sieht nämlich unverschämt gut aus und muss sich daher nicht auf dem Grabbeltisch anbieten. Wirklich eigenständig ist freilich nur die hintere Hälfte. Von vorn kann nur ein Experte den C 30 von den anderen Volvos, die auf der Focus-Plattform basieren, unterscheiden. Ein wenig Front-Kosmetik hätte nicht geschadet, steht das "C" bei Volvo doch für das Besondere. Die Rückfront wird dagegen von einer Glasluke dominiert, flankiert von den nach oben gezogenen Volvo-Rückleuchten. Der Glas-Tunnel hat praktische Nachteile, verleiht dem C30 aber die Weihe der Einzigartigkeit und erinnert dabei an eine Glanztat der Firmengeschichte, den P 1800, im Volksmund "Schneewitchensarg" genannt. Eine Autolegende, die Volvo mit keinem Wort erwähnt. Der kleine C30 soll nicht die Marken-Nostalgiker ansprechen, sondern Neukunden erobern. Achtzig Prozent Eroberungsrate lautet der Kampfauftrag. Ein ehrgeiziges Ziel, aber wenn Blick auf dem Nobel-Mini ruht, traut man ihm sofort zu, für längere Lieferzeiten zu sorgen.

Keine Krawallschachtel

Ausprobieren durfte man die Top-Motorisierungen von Diesel und Benziner. Nötig sind beide für das Fahrzeug nicht. Auf kompromisslose Sportlichkeit verzichtet dieser Edel-Kompakte, mit der Performance eines Focus ST kommt er auch nicht mit. Das Fahrwerk vermeidet übertriebene Härte, die Lenkung arbeitet präzise und genau, aber den unmittelbaren, direkten Kontakt zu Fahrzeug und Untergrund will sie nicht vermitteln. Der Frontriebler schafft es bei den Kräften der Motoren erwartungsgemäß nicht, die Lenkung frei von Antriebskräften zu halten. Besonders das bullige Drehmoment des Diesels kann gewaltig zerren.

Zur Markteinführung gibt es den Top-Diesel nur mir Automatik. Komfortabel und souverän schneidet sie dem Motor leider jede Leidenschaftlichkeit ab. Mit dieser Spaßbremse benötigt man so einen kräftigen Motor nicht. Um den C30 zu bewegen, genügen auch die kleineren Diesel. Ohnehin gebärdet sich der Fünfzylinder-Benziner laufruhiger und kultivierter, kombiniert mit dem Handschalter lässt sich der C30 mit ihm sehr peppig fahren. Noch dynamischer geht es mit dem optionalen Sportfahrwerk voran, dann wird die Karosserie um zwei Zentimeter abgesenkt. Damit man auch sieht, was vorbeirollt, betont ein sogenanntes Body-Kit für 1.450 Euro den unteren Rand des Fahrzeugs. Dieses Kit ermöglicht angesagte Zwei-Farben-Kombinationen, etwa im Mix der Saison: Schokobraun und Weiß.

Und das geht alles nicht

Schöne Frauen wissen, nur selten darf "angesagt und trendy" mit "praktisch" übersetzt werden. Der C30 lebt vom Design, andere Erwägungen müssen zurücktreten. Anstelle einer Rückbank werden für den Fond zwei sehr bequeme Einzelsitze angeboten. Fest, mit Seitenhalt und allen Schikanen. Bestimmt sind sie schöner als manche Rückbank, hinsetzen wird sich trotzdem kaum jemand. Wagen dieser Art werden allein oder zu zweit bewegt. Viel Aufwand für einen Edel-Leerstand. Oma muss übrigens vorne sitzen, hinten bekommt man sie nie wieder heraus. Eine viertürige Version wird es - natürlich - nicht geben, denn - man ahnt es schon - die zusätzlichen Türen würden die Linie zerstören.

An Licht und Luftigkeit im Innenraum soll nicht gerührt werden, darum gibt es eine Abdeckung für den hübsch mit Velours verkleideten Winzkofferraum nur auf nachdrücklichen Sonderwunsch und gegen Sonderbezahlung. Wer nicht möchte, dass Regenschirm und Gummistiefel den Designeindruck stören, muss sie in die Reifenmulde stecken. Damit jeder sehen kann, wie schick es sich im Volvo lebt, sind abgedunkelte Scheiben auf die Tabu-Liste geraten. So mancher wird zur Folie greifen, damit er nicht im Schaufenster kutschieren muss. Die hübsche Klappe bietet eine gute Sicht nach hinten, zum Be- und Entladen nähert sich die Preziose allerdings der denkbar schlechtesten Lösung. Sollten Sporttaschen noch leicht hineingehen, wird man mit sperrigem Gut schnell an die Grenzen des Ladetunnels stoßen.

Keine Kompromisse

Aber wen interessiert schon, was nicht mit dem C30 geht. Er verweigert sich eben dem Anspruch alles zu können, Singlefahrzeug zu sein und Babykarre willkommen zu heißen. Erst dieser Verzicht macht es möglich, eine Form zu finden, die nicht dem Einheitslook der normalen Kompakten gehorcht. Die Qualitätsanmutung der "Summun"- und Lederausstattung stimmt. Der Innenraum wird von der freischwebenden Mittelkonsole im "Bang & Olufsen"-Look emporgeadelt.

Der Lebensstil im Premiumformat kommt immer teurer, als eine Daseinsgestaltung auf Sparflamme. Wenn Produkt, trendsetzende Innovationen und Image stimmen, ist der gutverdienende Konsument nur allzu willig, sein Geld auszugeben. Wenn man schon das ist, was man konsumiert, dann sollte man sich auch etwas Besonderes gönnen. Den C30 zum Beispiel.


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