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Militär-Oldtimer: Volvo C202 / C303 - Allrad-Wohnmobil zum Dumpingpreis

Wohnkabine, Allradpower und auf Wunsch auch drei Achsen: Bei Timo Kratschke werden Abenteurer fündig, der Autohändler verkauft ausgemusterte Militärfahrzeuge. Zumindest in der Anschaffung sind Geländemonster spottbillig.

Von Marius Koch

Immer mit dabei ist übrigens auch ein kleines Motorrad, um bei Ausfahrten für kleinere Touren mobil zu sein. Zugelassen ist der Wagen auf sieben Personen und darf maximal 3,5 Tonnen wiegen. "Es ist ein Spaßmobil, mit dem ich sogar in der Stadt fahren kann. Das war mir wichtig", sagt Wiersig. In Kisten auf dem Dach hat das Gefährt Platz für 600 Liter Stauraum

Immer mit dabei ist übrigens auch ein kleines Motorrad, um bei Ausfahrten für kleinere Touren mobil zu sein. Zugelassen ist der Wagen auf sieben Personen und darf maximal 3,5 Tonnen wiegen. "Es ist ein Spaßmobil, mit dem ich sogar in der Stadt fahren kann. Das war mir wichtig", sagt Wiersig. In Kisten auf dem Dach hat das Gefährt Platz für 600 Liter Stauraum

Andreas Wiersig wollte kein normales Wohnmobil. Keinen Hymer mit Deckchen, gestrichen in Vanilla-Weiß. Der 42-Jährige wollte einen Volvo Vibe C 303. Ein Wagen gebaut für die Herausforderungen des Winterkrieges in Skandinavien. Nicht kaputtzukriegen und extrem geländegängig. Der Schwede bringt kniehohe Bodenfreiheit mit, die Reifen reichen bis zur Hüfte. Kein Wunder, nördlich des Polarkreises besteht die Landschaft häufig nur aus endlosen Geröllfeldern.

Für nur 5000 Euro kaufte sich Werber Wiersig das schwedische Militärfahrzeug. "So etwas wollte ich immer haben. Für mich ist das eine Art Expeditionsmobil, mit dem ich wirklich überall herumreisen kann", sagt Wiersig. Vor drei Jahren stieß er durch Zufall auf Timo Kratschke und dessen Firma "TK-Styling". Neben seinem Tuning-Geschäft verkauft Kratschke auch Oldtimer und reist auf der Suche nach neuen Schmuckstücken oft nach Schweden. Bei einem dieser Trips wurde ihm vor sechs Jahren ein Militär-Fahrzeug angeboten. "Standard 08/15 ist nicht meine Sache. Für mich muss ein Fahrzeug Ausstrahlung haben. Ich war einfach neugierig", sagt der 41-Jährige. Die Erscheinung des Militär-Volvos beeindruckte Kratschke. Bevor eine ernsthafte Beziehungskrise wegen der ungewöhnlichen Neuerwerbung ausbrechen konnte, war der Wagen nach nur zwei Tagen verkauft. Was als Spaßkauf ("Ich fand das witzig und irgendwie durchgeknallt") begann, ist für Timo Kratschke zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Heute hat er an die 90 Militär-Fahrzeuge verkauft, besitzt Kunden in ganz Europa und verkaufte sogar schon Autos nach Kanada und Afrika.

Kunden in ganz Europa

Kratschke ist immer auf der Suche nach neuen olivgrünen Schmuckstücken der älteren Generation, die zwischen 1960 und 1980 gebaut wurden. In Deutschland werden die Oldies gründlich überprüft, um Mängel auszuschließen oder zu beheben. "Wir verkaufen keine Schrottkisten und schauen schon im Einkauf, ob die Qualität stimmt", erklärt Kratschke, betont aber auch, dass die "Ware im Ist-Zustand" vertrieben wird. "Jeder Kunde hat individuelle Wünsche und Vorstellungen. Dem wollen wir nicht vorweg greifen, indem wir ein Fahrzeug in irgendeiner Farbe neu lackieren." Je nach Zustand, Ausstattung und Seltenheitsgrad kosten die ausgedienten Militär-Vehikel zwischen 5000 und 15.000 Euro.

Vom Studenten bis zum Millionär

"Vom Studenten bis zum Millionär" sei bei den Interessenten alles dabei, sagt Kratschke. Es gibt Kunden aus der Jagd- und Tourismusbranche, aber die meisten Abnehmer bauen die ausgedienten Militär-Gefährte zu Fun- oder Surfmobilen um. Das hat Stil, Charme, Charakter und sorgt für Aufsehen. Hobbymusiker Andreas Wiersig nutzt den Wagen außer zu Surfausflügen als Tourbus und Bühne für die Auftritte mit seiner Psychedelic-Wave-Band "OHcy-êspé". "Manchmal interessieren sich die Leute mehr für den Wagen, als für unsere Musik. Da kann man schon mal eifersüchtig werden."

Andreas Wiersig hat sich eine mobile Bühne mit Wohnmobil zugelegt

Andreas Wiersig hat sich eine mobile Bühne mit Wohnmobil zugelegt

Leicht zu reparieren

Für Andreas Wiersig war auch die relativ simple Technik der Fahrzeuge wichtig. "Die Militär-Autos sind so ausgelegt, dass sie unter widrigsten Bedingungen funktionieren müssen. Du siehst, wenn etwas kaputt ist und kannst es selbst reparieren. Das ist faszinierend", sagt Wiersig. Genau diese Erfahrung kann auch Händler Timo Kratschke bestätigen: "Mit Hand, Auge und einem gewissen Menschenverstand kann man das Auto wieder in Gang setzen."

Bastler Wiersig hat seinen Wagen in den vergangenen drei Jahren verschiedensten Um- und Ausbauten unterzogen. Von LCD-Fernseher, Hifi-Anlage, Kühlschrank, Waschbecken über Bett und Kochgelegenheit bis zur Wasseraufbereitungsanlage - was einst ein funktionaler Gebrauchsgegenstand war, ist für Wiersig längst zur Wohlfühl-Oase geworden. Mit großem Eifer und Geschick verpasst er seinem Gefährt immer neue Facetten. Aus Gründen der Sicherheit hat er sich sogar einen Gassensor und einen Sender eingebaut, mit dem er jederzeit den Aufenthalt seines Gefährts überprüfen kann.

Ausrangierte Militärfahrzeuge: Vom Militär-Oldie zum Spaß-Mobil
Die Volvo-Fahrzeuge sind ausrangierte Autos vom schwedischen Militär und werden als Oldtimer mit einem H-Kennzeichen zugelassen. Dieses Exemplar ist ein Volvo TGB 13 Ambulanzfahrzeug aus dem Jahr 1977. Der Sechs-Zylinder-Motor bringt eine Leistung von 86 kW (117 PS). Gefahren werden dürfen die Oldies mit der normalen Führerscheinklasse B

Die Volvo-Fahrzeuge sind ausrangierte Autos vom schwedischen Militär und werden als Oldtimer mit einem H-Kennzeichen zugelassen. Dieses Exemplar ist ein Volvo TGB 13 Ambulanzfahrzeug aus dem Jahr 1977. Der Sechs-Zylinder-Motor bringt eine Leistung von 86 kW (117 PS). Gefahren werden dürfen die Oldies mit der normalen Führerscheinklasse B

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.