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Volvo V50 2,4: Der Image-Wandler

Möbel-Design aus Schweden gilt in deutschen Wohnzimmern seit Jahren als stylish und modern, schwedische Autos hingegen als klobig und kantig. Mit dem V50 poliert Volvo dieses Image kräftig auf.

Schreckliche Kindheitserinnerungen werden wach, als ich den Schlüssel mit dem unverwechselbaren Logo auf meinem Schreibtisch liegen sehe: Ob Mathe- und Bio-Lehrer, sogar der Schuldirektor – alle kamen sie morgens mit großen, klobigen und schwerfällig wirkenden Autos der Marke Volvo zur Schule. Im Gepäck eine Ledertasche mit meist furchteinflößenden Latein-Vokabeltests oder korrigierten Diktaten. Mit dem Gefühl, mir eine schlechte Note abholen zu müssen, nähere ich mich dem Volvo V50, der zur Testfahrt bereit steht.

Doch der neue Volvo ist anders – ganz anders. Verdammt gut sieht er aus, nichts ist mehr übrig vom konservativen und kantigen Look von damals. Vor allem der Rücken des Kombi ist ein echtes Glanzstück: Die großen Heckleuchten fügen sich harmonisch in die Karosserie ein und unterstreichen die sich von der Motorhaube nach hinten durchziehende Sicke, die ein wesentliches Designmerkmal des V50 ist. Und nicht nur von außen kann sich der Volvo sehen lassen, auch innen wirkt alles durchgestylt und frisch. Clou ist die freischwebende Mittelkonsole, die mit ihren Knöpfen und Bedieneinheiten an eine Stereoanlage von Bang & Olufsen erinnert. Überflüssige Gimmicks ersparen uns die Inneneinrichter zum Glück. Es geht nüchtern zu wie man das bei schwedischem Design erwartet.

Innenraum

Doch nicht nur beim Design, auch beim Platzangebot hat der Volvo im Vergleich zum Vorgänger V40 einen Sprung nach vorne gemacht. Besonders deutlich wird dies im Fond: Selbst großgewachsene Passagiere sitzen jetzt, ohne sich ducken zu müssen. Schwach ist allerdings die Größe des Kofferraums, die mit 417 Litern für einen Kombi eher bescheiden ausfällt – Tribut an das tolle Design. Großeinkäufer bei Ikea müssen sich im Schweden-Mobil zurückhalten. Bei umgeklappter Rücksitzbank fasst der V50 nur 1307 Liter. Da hat die Konkurrenz deutlich mehr zu bieten. Zum Durchladen langer Gegenstände kann beim Volvo allerdings serienmäßig die Lehne des Beifahrersitzes nach vorne geklappt werden – genug Platz zum Transport von Billy und Co. bleiben also. Positiv zu vermerken ist auch die vollkommen ebene Ladefläche und der robust und stabil wirkende Gesamteindruck.

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Fahren

Der V50 fährt wie noch kein Volvo zuvor. Geradezu leichtfüßig schwänzelt er durch Kurven. Die direkt ansprechende Lenkung lässt vergessen, dass man fast mit 1,5 Tonnen Leergewicht unterwegs ist. Straff gefedert, aber nicht unkomfortabel rollt der Kombi über schlechte Fahrbahnen. Das hat er vor allem der Konzernmutter Ford zu verdanken. Der Volvo bekam Plattform, Achsen und Antriebskomponenten vom neuen Ford Focus II spendiert, der ab Herbst zu haben ist.

Der im Testwagen eingebaute und von Volvo selbst entwickelte Fünfzylinder-Benziner mit 2,4-Litern Hubraum und 140 PS überzeugt allerdings nicht. Ihm fehlt eindeutig der Biss. Auf dem Papier können sich die Fahrleistungen sehen lassen – von Null auf Hundert in 10 Sekunden, 200 km/h Spitze – aber der subjektive Eindruck enttäuscht. Im unteren Drehzahlbereich kommt der Motor nur schwer auf Touren. Nur häufiges Schalten des leichtgängigen Fünfganggetriebes sorgt für Abhilfe. Als sanfter Gleiter auf der Autobahn eignet sich der Benziner aber perfekt, vor allem seine Laufruhe kommt an Sechszylinder-Qualitäten heran. Wer 600 Euro aufzahlt, macht mit dem 2,0-Liter-Diesel-Direkteinspritzer aber die wesentlich bessere Wahl.

Sicherheit

In punkto Sicherheit leistet sich der V50 keine Schwäche: Zur Serienausstattung gehören sechs Airbags, ein Seitenaufprallschutz-System namens SIPS und eine elektronische Fahrstabilitätsregelung (DSTC). Lastwechsel quittiert der Kombi bei hoher Querbeschleunigung mit leicht zu beherrschendem Eindrehen. Neben den bewährten Sicherheitssystemen bietet der V 50 eine Neuheit, die aus der Flugzeugtechnik abgeleitet wurde: Das intelligente Informationssystem (IDIS) sorgt dafür, dass der Fahrer weniger abgelenkt wird. Wenn die Verkehrssituation volle Konzentration erfordert, wie beim Überholen oder beim Bremsen, werden Telefonanrufe, SMS-Meldungen und sekundäre Bordcomputer-Infos unterdrückt, bis sich die Situation wieder normalisiert hat.

Verbrauch und Preise

Mit einem Verbrauch von 8,5-Litern Super auf 100 Kilometern kann der Volvo, gemessen an seiner Größe, durchaus als sparsam bezeichnet werden. Dies allerdings nur, wenn man die Leistung des Fünfzylinders nicht bis in den oberen Drehzahlbereich ausreizt. Der Preis von 24.850 Euro liegt wesentlich unter dem, was die Konkurrenz von BMW und Mercedes verlangt. Die Serienausstattung fällt mit Radio und Klimaanlage üppig aus.

Fazit

Oberstudienräte müssen umdenken – Volvo-Kritiker auch. Mit dem V50 ist den Schweden ein großer Wurf gelungen, der Mercedes, BMW und Audi im Segment der Edel-Kombis das Leben schwerer machen dürfte. Und das vor allem – wer hätte es gedacht – wegen seines Designs.

Jens Maier
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