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VW Sharan Das Beste für Mutti und die Kleinen


Volkswagen weiß, was Familien wünschen. Der neue Sharan bietet nichts fürs Herzrasen, dafür aber sehr viel Platz und eine entspannte innere Größe. Der große Van ist etwas für die Vernünftigen, die Bedürftigen werden sich ihn nicht leisten können.
Von Gernot Kramper

VW ist gut zu seinen Autos. Der Sharan durfte 15 Jahre im Stall bleiben und bis zuletzt ungestört sein Gnadenbrot verzehren. Einmal ein dezentes Facelift, zwischendrin neue Scheinwerfer oder auch ein Cockpit – im Kern aber doch ein Youngtimer im unverbastelten Orginalzustand. Trotzdem hat es der Methusalem im letzten Jahr nach auf den zweiten Platz der Zulassungsstatistik im Segment gebracht. In Zukunft wird die Neuauflage auf Platz 1 eilen.

Ob und wieso man einen derart langen Mini-Van benötigt, kann nur der Käufer wissen. Für die vierköpfige Familie ist ein Wagen wie der kleinere Touran ausreichend groß und deutlich billiger. Mit drei Kindern an Bord oder unmäßigen Stauraumbedarf kann der große Familienreisewagen nötig sein.

Size Matters - der Sharan legt zu

Wer sich für einen großen Minivan interessiert, wird in Zukunft kaum am neuen Sharan vorbeikommen. Von außen betrachtet, setzt der Neue das kantige Markengesicht um und zeigt sich in dem Brotschachtel-Look, den man vom Touran kennt. Das ist gut und sachlich gelöst, aber atemraubend wirkt der Wagen naturgemäß nicht. Nicht umsonst wurde der langweiligste Wagen in der Flotte von VW stets von der witzigsten Werbung begleitet. Legendär der Auftritt des Damengeschwaders im Spot "für Mutti und die Kleinen".

Der Sharan setzt auf innere Werte. Und das heißt: "size matters". Der Neue wächst um 22 Zentimeter auf 4,85 Meter Länge – das sind etwa 45 Zentimeter mehr als beim Touran. Hier gibt es Raum für bis zu sieben Personen. Dazu Komfort und eine Extraniveau wie beim aktuellen Passat und erstmals Schiebtüren auf beiden Seiten.

Der Einstieg in die zweite Reihe gelingt mit den Schiebetüren auch bei engen Lücken ohne Verrenkungen. Die Sitze sind so einstellbar, dass man auch mit einem Riesen am Steuer hier sehr gut sitzen kann. Die beiden Plätzchen in der dritten Reihe fallen etwas opulenter als bei einem Zafira aus. Kinder leiden keine Not und sie können auch den Einstieg meistern. Plätze wie im Reisebus sind es aber nicht.

Endlich komfortables Sitz- und Staukonzept

An einem Bauteil wie der Schiebtür kann man die VW-Fleißarbeit am Detail erkennen, die zunächst niemand auffällt, die das Leben mit einem Wagen aber ungemein erleichtern. Das fängt mit den aufwändigen Führungen der Dichtungen an, geht über voll versenkbare Scheiben weiter und endet mit einem vollwertigen Staufach. In kaum einem Wagen sitzt man im Fond so gut, wie hier. Die komfortabelste Kombination bietet der Sechssitzer – mit zwei einzelnen Rücksitzen und den beiden Zusatzplätzen in der dritten Reihe. Das optionale Panoramadach öffnet den Kreuzer zum Himmel hin, dann reist man schon sehr unbeschwert.

Im neuen Modell können die Sitze von Reihe zwei und drei einfach im Boden versenkt werden. Das ist überzeugend gelöst, die Konkurrenz beherrscht das Problem allerdings auch. Sperrig verhalten sich nur noch die zivilen Varianten der Nutzfahrzeuge. Hier muss man die Sitze aufwändig aus dem Fahrzeug entfernen, gewinnt dafür aber noch mehr Stauraum unmittelbar über dem Boden. Der Kofferraum des Sharans kann sich aber auch so sehen lassen. Der Laderaum wächst in Stufen von mindestens 300 Litern auf 885 und bis zu 2430 Litern. Die Laderaumlänge beträgt üppige 2,10 Meter, mit umgelegtem Beifahrersitz wird es noch mehr.

Wegen der Außenmaße empfiehlt sich die Investition in die Ein- und Ausparkautomatik. Das System akzeptiert jetzt Längs- und Querlücken. Die neue Generation bugsiert den Wagen selbst mit einem Abstand von je 25 Zentimetern vorn oder hinten hinaus – das sind Lücken, die auch einen routinierten Fahrer fordern. Das System ist leider mit minimal 800 Euro Zuschlag nicht billig.

Besser mit Diesel

Der Basismotor mit 1,4-Litern erreicht auch 197 km/h, wirkt aber insgesamt überfordert. In einem einfacheren Fahrzeug könnte man mit der gebotenen Leistung leben, aber angesichts der sonstigen Sharanpreise wirkt der Motor nicht angemessen. Also muss es entweder der Top-Benziner (Zweiliter-Turbo, 200 PS) sein, oder doch besser einer der angebotenen Diesel. Hier geht auch der 2.0 TDI mit 140 PS, die größere Variante mit 170 PS bietet noch mehr. Für eine wirklich sportliche Gangart reichen beide Motoren nicht aus. Muss man auch nicht haben, denn Hauptvorzüge des Sharan-Fahrens liegen bei Werten wie entspannt, ruhig und großzügig.

Wirklich billig ist der Sharan dafür nicht. Der Einstiegspreis liegt 29.000 Euro, praktisch muss man mit 35.000 Euro rechnen. Wer ein wenig in die große Extra-Wundertüte greift und in dem Reisewagen elektrische Schiebetüren und Heckklappe, die Einparkhilfe, Xenonlicht, und Navigationssystem einbaut, nimmt Kurs auf 40.000 Euro. Mit Leder und Vollausstattung werden leicht über 45.000 erreicht. Die Mitbewerber liegen allerdings zumindest laut Liste in etwa gleichauf. Außerdem ist zu vermuten, dass der Sharan in dem Segment genau die Kunden anziehen wird, die mehr Geld in Ausstattung investieren können.

Hip ist heute kleiner –diesen Trend kann ein Riese wie der Sharan kaum bedienen. Aber vielleicht steht er für eine neue Bescheidenheit. So atemraubend die Preisliste zunächst wirkt, im Vergleich zu einem Full-Size-SUV ist der Familienwagen ein Schnäppchen. Und alles, was Mercedes seiner glücklosen R-Klasse nachsagt, macht der Sharan eigentlich auch und das für die Hälfte. Für manchen wird das passen – vor allem dann, wenn Volkswagen noch ein strammeres Triebwerk nachliefert.


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