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Ford Focus: Rheinische Sportnatur

Der Vorgänger war ein Verkaufsknaller. Mit dem neuen Focus wollen die Kölner Ford-Werke erneut die Kompaktklasse aufmischen.

Die Nase merkt den Unterschied: Vom typischen Neuwagengeruch ist im Ford Focus kaum etwas zu spüren. "Wir haben die Emissionen im Fahrzeug erheblich eingeschränkt", sagt Burkhard Schmitz, Leiter der Materialentwicklung bei Ford in Köln. Dass zudem alle Komponenten, mit denen die Passagiere in Hautkontakt kommen - zum Beispiel Lenkrad, Sitzbezüge, Fußmatten oder Sicherheitsgurte -, dermatologisch getestet und vom TÜV für gut befunden wurden, wird Menschen freuen, die auf bestimmte Stoffe allergisch reagieren. "Das Allergierisiko ist auf das absolute Minimum gesenkt", sagt Schmitz.

Auch Deutschland-Chef Bernhard Mattes hat keinen Grund, verschnupft zu sein. "Ford hat in den ersten acht Monaten gegen den Trend zugelegt und sich positiv entwickelt, sowohl beim Marktanteil als auch bei den Stückzahlen", sagte er bei der Vorstellung seines jüngsten Sprosses, des wichtigsten Ford-Modells. Immerhin war der Vorgänger, von dem mehr als vier Millionen Stück gebaut wurden, zwei Jahre lang das meistverkaufte Auto der Welt.

Ob der neue Ford Focus auch auf der Überholspur fahren kann, klärt der stern-Fahrbericht.

GLANZ & GLORIA: okay. Die Form des Neuen erinnert natürlich an seinen Vorgänger. Sie ist aber sportlich-eleganter ausgefallen, weil der Wagen "eine Coupéhafte Silhouette" besitzt, wie Chefdesigner Chris Bird sagt. Hinzu kommen auffällig ausgestellte Radkästen, der längere Radstand, die weit nach vorn gezogene Frontscheibe, eine geschwungene Dachpartie und das neue Schrägheck.

Irrsinniges Überholmanöver

GLEITEN & GENIESSEN:

klasse. Fahrer und Passagiere sitzen auf sehr bequemen Sesseln, die auch auf längeren Fahrten keine Kreuzschäden hinterlassen. Lenkrad und - gegen Aufpreis - Pedalerie sind auf die Maße des Fahrers einstellbar, die Federung wird mit miserablen Straßen locker fertig, und selbst bei höherem Tempo bleibt das Fahrgeräusch erträglich, sodass die Unterhaltung in Zimmerlautstärke problemlos möglich ist.

GAS & SPASS:

spitze. Bereits mit dem alten Focus konnte man auf kurvenreichen Landstraßen viel Freude haben. Der Nachfolger setzt noch einen drauf. Sein Fahrwerk ist toll. Wobei das serienmäßige Antischleuderprogramm ESP ständig auf der Lauer liegt. Merkt die Elektronik, dass eine Kurve zu flott gefahren wird, greift das ESP-System mit Bremsen ein, wodurch eine ansonsten drohende Gefahrenlage gar nicht erst aufkommt.

Zum sehr guten Handling des Wagens trägt auch die präzise elektrohydraulische Lenkung bei. Genauso das Getriebe mit kurzen, exakten Schaltwegen. Allerdings: Allzu schaltfaul sollte der Fahrer nicht sein.

GELD & WERT:

okay. Bereits in der Basisversion bietet der Focus neben ESP zwar so wichtige Dinge serienmäßig wie elektrische Fensterheber vorn, Front-, Seiten- und Kopfairbags sowie Zentralverriegelung. Dass aber für den Dieselpartikelfilter 600 Euro Aufpreis verlangt werden, ist mehr als nur ein Schönheitsfehler.

FAZIT:

Der neue Focus, nach VW Golf, Opel Astra und BMW Einser der vierte deutsche Neuling im hart umkämpften Markt der Kompaktklasse, wird es seinen Konkurrenten schwer machen. Auch beim Preis. Er ist mit 14 375 Euro gut einen Tausender günstiger als der Klassenprimus Golf. Und für viele der Millionen Allergiker in Deutschland dürfte auch der antiallergische Innenraum (mit dem auch der Modellbruder C-Max ausgestattet ist) ein Argument sein, beim Neuwagenkauf den Focus in die engere Wahl zu nehmen. Hans-Robert Richarz

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