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GEBURTSTAG: Glückwunsch Karmann

»Facharbeiter-Ferrari« und »Putzfrauen-Porsche« - die Autos des Fahrzeughersteller Karmann hatten es nie leicht. Jetzt feiert das Unternehmen 100-jähriges Bestehen und blickt mit Stolz zurück. Denn Karmann-Ghia und Scirocco sind längst Kult.

Mit Pferdekutschen fing bei Karmann im Jahr 1901 alles an. Ein halbes Jahrhundert später wurde der Osnabrücker Karosserie- und Fahrzeughersteller mit dem Karmann Ghia zur Branchenlegende. Der für damalige Verhältnisse extrem flache Flitzer wurde in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sogar zu einem Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder. Wegen seiner gefälligen Formen wurden Cabrio und Coupe des auf der Technik des VW Käfer basierende Karmann Ghia schnell populär. Jetzt feiert das auf die Fertigung von Cabrios spezialisierte Familienunternehmen Wilhelm Karmann GmbH sein hundertjähriges Bestehen.

Das Käfer Cabriolet wurde zum Renner

Den Durchbruch schaffte Karmann 1949 mit dem legendären Käfer Cabriolet, von dem bis 1980 fast 332.000 Stück vom Band rollten. Ihre eigene Automobilgeschichte schrieben die Osnabrücker mit dem von dem italienischen Designer Luigi Segre entworfenen Karmann Ghia fort, der 1955 auf den Markt kam. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« beschrieb den Wagen als »hübsch verpackten Käfer«, denn unter der schnittigen Karosserie steckte die solide Großserientechnik von Volkswagen. Wenn man so will, war Karmann damit ein Vorreiter der von dem heutigen VW-Chef Ferdinand Piech eingeführten Plattformstrategie, auf der die aktuellen Modelle des Wolfsburger Autoherstellers basieren.

800.000 Sciroccos liefen vom Band

Die Erfolgsgeschichte schrieb Karmann mit dem Bau des Sportwagens VW Scirocco fort. Von keinen anderem Auto hat die Firma nach eigenen Angaben mehr gebaut als von diesem Modell:Zwischen 1974 und 1992 liefen rund 800.000 Scirocco vom Band. Fast analog zum Karmann Ghia erhielt auch der Scirocco in der Öffentlichkeit einen etwas abwertenden Spitznamen, er wurde gelegentlich als »Facharbeiter-Ferrari« bezeichnet.

Cabrios im Bauhausstil

Die Geschichte von Karmann beginnt am 1. August 1901. Damals wird der Stellmacher Wilhelm Karmann Eigentümer der Kutschbau-Fabrik Christian Klages. Hier werden Coupes, Landaulets, Jagdwagen oder Landauer gebaut. Vier Jahre später, 1905 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Berlin, zeigt Karmann vier eigene Automobil-Karosserien und legt damit den Grundstein für seinen Erfolg. 1913 wird Karmann vom Kaiserlichen Patentamt das erste Patent für eine Verdeckentwicklung erteilt. Eine Vielzahl renommierter Hersteller von Motoren und Fahrgestellen bestellen bei Karmann, darunter Protos, AGA, Hanomag, Mercedes, Pluto und Minerva. In den 20er Jahren führt Wilhelm Karmann die Serienfertigung ein, die traditionelle Holzbauweise wird durch Halbstahlkarossen ersetzt. Ende der 30er Jahre fertigt Karmann sogar Aufbauten nach Entwürfen des Bauhaus-Designers Walter Gropius.

Mit Schubkarren ging es nach dem Krieg wieder los

Während des Zweiten Weltkriegs produziert Karmann Teile für die Flugzeugindustrie. Danach kommt die Produktion nur langsam wieder in Gang. Vor allem Essbestecke, Schuhanzieher, Klappsessel und Metallwannen für Schubkarren wurden in den Nachkriegsjahren bei Karmann gefertigt. Mit dem Käfer-Cabriolet begann ab 1949 der Aufstieg. Seitdem wurden bei Karmann nach Firmenangaben mehr als drei Millionen Fahrzeuge gebaut und ausgeliefert. Mit rund 6100 Beschäftigten erwirtschaftete das Familienunternehmen im vergangenen Jahr rund 1,25 Milliarden Euro Umsatz.

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