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Jutta Kleinschmidt: Endstation am Baumstumpf

Die elfte Tagesetappe der Rallye Dakar hat alle Hoffnungen auf einen deutschen Gesamtsieg ruiniert: Jutta Kleinschmidt, die Königin der Wüste, schied nach einem Unfall aus.

Von Christian Gebhardt

Erstmals seit 1997 erreicht die Deutsche damit nicht das Ziel der Marathon-Rallye. "In einem Loch verriss es mir die Lenkung und wir prallten gegen einen Baumstumpf. Dabei wurde die Radaufhängung irreparabel beschädigt. Ich habe über 50.000 Rallye-Kilometer mit Volkswagen hinter mir und kam immer ins Ziel - diese Serie ist nun vorbei", sagte Kleinschmidt enttäuscht. Nach dem dritten Podestplatz im Vorjahr sollte 2006 der Gesamtsieg für Volkswagen errungen werden. Um dieses Vorhaben möglich zu machen, wurde das Einsatzfahrzeug, der Race Touareg noch einmal technisch weiterentwickelt. "Der neue Race Touareg 2 durchlief ein hartes Entwicklungsprogramm. Das neue Fahrzeug ist in allen Bereichen besser", freute sich Kleinschmidt noch beim Start in Lissabon. Als erste und bisher einzige Frau hatte sie beim Wüsten-Abenteuer triumphiert und 2001 - damals allerdings mit Mitsubishi - einen historischen Dakar-Sieg gefeiert.

Bei Volkswagen ruhen jetzt alle Hoffnungen auf Giniel de Villiers. Der Südafrikaner dominierte die elfte Etappe von Kayes nach Bamako und bleibt unverändert auf Rang drei, verkürzte seinen Rückstand allerdings in der Gesamtwertung auf 42,19 Minuten. "Mein erster Etappensieg mit Volkswagen ist toll! Auch im Vorjahr habe ich schon die Bamako-Prüfung gewonnen. Ein großes Lob an meine Beifahrerin Tina Thörner, die exzellent navigiert hat", freute sich de Villiers. Für noch mehr Freude bei den Wolfsburgern sorgte Bruno Saby, der als Tages-Zweiter den Volkswagen-Doppelsieg perfekt machte. "Ich bin zufrieden mit der zweitbesten Etappenzeit und damit, dass wir zwei Positionen gewonnen haben. Der Tag war extrem schwierig: Viele Steine, Löcher und jede Menge Staub", erklärte der Franzose zufrieden. In der Gesamtwertung verbesserte sich Saby auf den achten Platz.

Lohrs Wagen gerammt

Nach den erfolgreichen letzten Etappen hatte Spitzenreiter Stéphane Peterhansel auf der elften Etappe viel Pech. Der Mitsubishi-Pilot verlor nach einem Navigationsfehler in der Gesamtwertung über 20 Minuten. "Heute war kein guter Tag für uns. Zuerst haben wir uns vier Kilometer verfahren und mussten wieder umkehren", sagte der Elfte der Tageswertung unzufrieden. Besser erging es Mitsubishi-Teamkollege Luc Alphand. Zusammen mit seinem Copiloten Gilles Picard wurde er Dritter. "Ich habe meinen Fehler gestern gemacht und werde jedenfalls bis ins Ziel kein Risiko mehr eingehen. Giniel de Villiers spielt mit seinem heutigen Tempo wohl seinen letzten Trumpf aus. Meiner Meinung nach war das nicht die sichere Fahrt, mit der man Dakar auch tatsächlich erreicht", analysierte der ehemalige Ski-Weltcupsieger die Aufholjagd der Konkurrenz.

Neben Jutta Kleinschmidt hatte auch eine weitere deutsche Wüsten-Dame auf der heutigen Etappe viel Pech: Ellen Lohr wurde von einem Konkurrenten gerammt. Dabei brachen die linke Spurstange und die linke Antriebswelle des Mercedes M-Klasse-Rallye-Prototypen. Die Ex-DTM-Pilotin war damit auf Hilfe ihres Service-Trucks angewiesen. Durch einen weiteren Unfall war die Strecke für LKW eigentlich gesperrt, doch die Hilfsmannschaft konnte sich zu Lohr und ihrem Beifahrer Detlef Ruf durchkämpfen. Dort begann das Service-Team sofort mit der Reparatur. "Wenn unser Rallyeauto repariert ist, liegen noch insgesamt 600 Kilometer ins nächste Biwak vor uns, davon das meiste bei Nacht. Wir werden alles daran setzen, morgen früh am Start der nächsten Sonderprüfung in Bamako in Mali zu stehen", hofft die ehemaligen Tourenwagen-Pilotin, die Dakar trotz des Zwischenfalls weiter fortsetzen zu können.

Insgesamt 872 Kilometer muss die Dakar-Karawane morgen auf der zwölften Etappe von Bamako nach Labé zurücklegen.

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