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Land-Rover-Studie: Handy Landy

Raus aus dem Matsch, rauf auf den Boulevard. Land Rover bringt einen auf Lifestyle getrimmten Kurz-Kombi. Wer jetzt meint, die spinnen, die Briten, urteilt vorschnell.

Von Michael Specht

Wow! Was für ein Auftritt. So eine heiße Kiste hätte man von Audi erwartet, mit dem Namen A3 Shooting Brake Allroad oder so ähnlich. Doch nun kommt das Ding aus England, von Land Rover. Ausgerechnet Land Rover, jene Marke, die heute noch Modelle aus dem automobilen Präkambrium (Opa Landy wird nächstes Jahr 60) im Programm hat. Autohersteller verlassen ihre ausgetretene Pfade, erschließen neue Nischen, brechen mit Traditionen und verändern ihr Markenbild. Wir haben gelernt, dass ein Porsche auch mit Heckklappe noch ein Porsche ist oder in einem Jaguar ein Dieselherz schlägt. Warum also soll es nicht ein kleines "Cross-Coupé" geben, wie Land Rover selbst seine Schöpfung nennt.

Denn schließlich zeigte der schrulligen Fahrzeugbauer schon 1970 Weitblick, als er mit dem Luxus-Geländewagen Range Rover praktisch eine neue Fahrzeugklasse gründete. Der Range zählt noch heute zu den erfolgreichen Premium-SUV. Kopfschütteln ernteten die Engländer erneut 1997, als der Freelander kam und Land Rover damit auch die neue Klasse der Kompakt-SUV etablierte - ein ganzes Jahrzehnt früher als es zum Beispiel Volkswagen tat.

Alles nur nicht "normal"

Und nun ein Cross-Coupé, scharf geschnitten, kompakt im Auftritt, perfekt in den Proportionen. Über ein Jahr arbeitete das Team um Design-Direktor Gerry McGovern an der 4,35 Meter langen und mit zwei Metern recht breiten Studie. Sie wird der Öffentlichkeit erstmals auf dem Detroiter Autosalon Mitte Januar gezeigt. Vor allem, um die Reaktion des Publikums zu testen. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, schon jetzt vorherzusagen, wie diese sein wird. McGovern gelang es, den LRX auf seinen mächtigen 20-Zoll-Rädern sehr eigenständig aussehen zu lassen, trotz zahlreicher typischer Land-Rover-Stilelemente. Dazu zählen die kurzen Karosserie-Überhänge, das "fließende Dach" ohne sichtbare Säulen und die so genannte "Clamshell-Haube", die sich wie eine große Muschel bis über die Kotflügel spannt.

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Nach Meinung von McGovern ("Wir bauen keine normalen Autos") hat der Wagen sogar das Zeug dazu, ein ganz eigenes Segment zu kreieren, so wie es der Mini und der Audi TT taten. Er soll, wie diese, Begierde wecken, emotional anmachen. Eine Besonderheit stellt die horizontal geteilte und elektrisch betätigte Heckklappe dar, deren gepolsterter, unterer Part als Sitzpritsche dient. Auf ihr sind zwei Alu-Cupholder integriert. Aus dem mächtigen Mitteltunnel, der sich vom Schalthebel bis nach hinten zur Ladefläche erstreckt, kann zudem ein Sektkühler gezogen und außen an der Pritsche eingehängt werden. Ferner sind die hinteren Lautsprecher - sie verfügen über eine iPod-Dockingstation - herausnehmbar. Einem Gourmet-Heckklappen-Picknick mit Wunschkonzert steht somit nichts mehr im Wege.

Das Ende der Walnuss-Ära

Der sportliche äußere Auftritt des LRX setzt sich auch innen fort. Reichlich poliertes Aluminium und viel Leder mit abgesetzten Doppelnähten zieren das Cockpit. Holzdekor ist tabu. Man will man der jungen Generation, die Hauptzielgruppe für das Cross-Coupé, diesen traditionell britischen Werkstoff nicht zumuten. Metallene Oberflächen bieten zudem mehr Möglichkeiten zur Individualisierung.

Dazu bestens passen dürfte das iPhone von Apple. Es sitzt bündig eingelassen in der Mittelkonsole und dient nicht nur zum Abspielen der gespeicherten Musik und der Verbindung zur medialen Außenwelt, sondern auf seinem Touchscreen erscheint sogar der Starterknopf für den Motor. Cooler geht es kaum, den Wagen anzulassen. Ebenso ungewöhnlich: Je nach Fahrmodus wechselt die indirekte Innenraumbeleuchtung ihre Farbe. Rot für Sport, Grün für Eco und Blau für Standard.

Eine technische Basis gibt es zurzeit für den LRX nicht. Wenn, dann käme sie aus dem amerikanischen Ford-Konzern, zu dem Land Rover noch gehört. Ein Verkauf steht jedoch unmittelbar bevor. Aus Emissionsgründen (120 Gramm CO2) wird der LRX mit modernster Dieseltechnik bestückt, inklusive eines Start-Stopp-Systems und eines neuartigen Allradantriebs, den Land Rover 2006 erstmals in der Studie "Land-e" vorstellte. Hier versorgten Motor und Getriebe die Vorderachse, hinten schickte bei Bedarf ein Elektromotor blitzschnell die Kraft zu den Rädern.

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