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Motorsport: Das rasende Klassenzimmer

Über den Führerschein mit 17 können diese Jungs nur lachen. Die Nachwuchs-Racer der Formel BMW geben schon mit 15 Vollgas. Dem Sieger des Weltfinales winkt ein Formel 1-Test und damit der erste Schritt in Richtung Schumis Erbe.

Von Christian Gebhardt

Je weniger Unterricht, desto besser. Daran wird sich nie etwas ändern. Es sei denn, die Schule heißt Formel BMW und die Lehrmeister sind erfahrener Rennfahrer. Dann noch schnell die langweiligen Schulbücher gegen einen flotten Formel-Boliden mit 140 PS tauschen.

"Am Anfang des Jahres reiche ich in der Schule alle Entschuldigungen ein. Für die Lehrer ist das dann so okay", sagt Jens Klingmann. Spätestens wenn der rasende Stundenplan steht, und das vorläufige Formel-Abitur mit einem heißen Ritt im Formel 1-Renner des BMW Sauber F1 Teams endet, macht Schule entgültig Spaß. "Natürlich macht das Rennfahren mehr Spaß, aber falls es mit der Karriere nicht klappt, ist die echte Schule genauso wichtig", so der 16-jährige Leimener. Doch sein Weg hinter dem Lenkrad scheint bisher erfolgreich zu sein. Mit Bestzeiten im Kartsport hat Klingmann sich in das rasende Klassenzimmer von BMW hochgeschraubt. Die abgelaufene Saison der Nachwuchsserie in Deutschland beendete er als bester Nachwuchsfahrer. Der Traum ist klar. Die nächste Rennstrecke im Umkreis von Leimen ist die Kurvenpiste von Hockenheim, sein Idol ist Formel 1-Rentner Michael Schumacher.

Jugendlicher Einheitstraum Formel 1

Ein Traum, der bei den jungen Formel-Kids für schlaflose Nächte sorgt. "Die Formel BMW besitzt einen hohen Stellenwert. Sie bietet jungen Fahrern, die dem Kartsport entwachsen sind, die ideale Möglichkeit, um den nächsten Schritt in ihrer Laufbahn zu gehen", beschreibt BMW Motorsport Direktor Mario Theissen die Nachwuchsserie für Jugendliche ab 15 Jahren. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien, Nordamerika und Asien laufen die baugleichen Formel-Flitzer mit Formel 1-Sicherheitsstandards erfolgreich. Allein in den BMW-Serien träumen weltweit über 80 Teenies von der Formel 1-Karriere. Doch der Weg ins richtige Cockpit der Königsklasse ist beinhart. Formel 1-Schnuppertraining heißt es schon mal für den Klassenbesten des Formel BMW Weltfinale in Valencia.

Irrsinniges Überholmanöver

Nicht nur die schnellste Rundenzeit zählt

Der ein oder andere Pickel aus der Pubertät ist zwar noch vorhanden, den Speed der Jungtalente bremst dies jedoch nicht. Doch nicht nur der Fahrstil ähnelt schon den Großen, auch in Interviewfragen sind die Nachwuchshelden nicht auf den Mund gefallen. Neben technischen Details rund um den Rennwagen, der richtigen Fitness und der cleveren Taktik wird auch der korrekte Umgang mit der Presse gepaukt. Erst denken, dann sprechen.

"Die Leute wollen ihr Geld lieber für sich behalten"

Der Weg in die Eliteschule ist steinig. Ohne finanziell potente Eltern oder einen Sponsor geht's nicht. Wenn die Nationalsportart zwar Rennfahren, aber leider auf der Skipiste ist, wird's doppelt hart. "In der Schweiz gibt es sehr, sehr reiche Leute. Die wollen ihr Geld aber lieber für sich behalten oder sie geben es den Skiläufern", erzählt Fabio Leimer, der einzige Vertreter der Alpen-Republik beim Weltfinale. Verständlich ist die Zurückhaltung der Sponsoren schon ein wenig. "Zwischen 200.000 und 300.000 Euro kostet die Formel BMW-Saison." Leimer kann es diesmal noch egal sein. Dieses Jahr hat zumindest ein Sponsor für den 17-jährigen auf den Gegenwert einer Eigentumswohnung verzichtet. Vielleicht wird er mit dieser Starthilfe der neue Schweizer Rennheld ohne Skier und Pulverschnee.

Erfolgreiche Talentschmiede

Die Nachwuchsförderung bei BMW hat Tradition und das Formel-Nachwuchskonzept geht auf. Formel 1-Piloten, wie Ralf Schumacher, Nico Rosberg und Christian Klien haben unter anderem über die Talentschmiede Formel BMW den Sprung in die Königsklasse geschafft. "Dass die Formel BMW eine gute Schule ist, zeigt das Beispiel Sebastian Vettel. Er hat 2004 die deutsche Serie dominiert.

In diesem Jahr hat er als Testfahrer des BMW Sauber F1 Teams auch in der Formel 1 überzeugt und ist auch 2007 als Test- und Ersatzpilot an Bord", schwärmt Motorsport-Chef Theissen von seinem Musterschüler. Der ist nicht nur sauschnell sondern auch clever. "Als kleiner Junge bin ich auf der Essen Motorshow in meinem Kart-Rennoverall rumgelaufen und habe nach Sponsoren gesucht", erzählt der 19-jährige Vettel heute. Die Suche war erfolgreich. Den Vertrag als BMW-Werksfahrer und die besten Aussichten auf ein dauerhaftes Formel 1-Cockpit hat er längst in der Tasche. Wirkliche Talente, wie der Heppenheimer Vettel sind jedoch rar. Für die meisten bleiben nur die Kosten vom Formel 1-Traum.

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