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Alfa Romeo Quadrifoglio: Himmelsstürmer

7.51,7 Minuten - das hat gesessen. Kein M BMW, kein AMG Mercedes und auch kein Porsche hat den SUV-Rundenrekord auf der Nordschleife an sich gerissen, sondern der Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio. Die pausbäckige Sportskanone ist eine absolute Fahrmaschine. Wer sein Heck so tänzeln lassen kann, dem verzeiht man kleine Schwächen.

Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio - 375 kW / 510 PS

Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio - 375 kW / 510 PS

Der Schock sitzt der Konkurrenz noch tief in den Adern. Dass die Sportversion des Stelvio den SUV-Rundrekord auf der Nordschleife brechen würde, hatte keiner auf dem Radar. Doch der bullige Italiener kann nicht nur in der regenreichen Eifel und der dort perfekt eingebetteten Grünen Hölle gefallen. Mehr als imposant ist sein Auftritt in den sonnen- und sandverwöhnten Emiraten. Es geht dabei nicht über die Flaniermeilen von Dubai, Qatar oder Abu Dhabi, sondern mit wuchtig wummernden 510 PS und 600 Nm hinauf auf den höchsten Punkt der Vereinigten Arabischen Emirate. Das ist der 1.934 Meter hohe Jebel Jais im Emirat Ras al-Khaimah, rund zwei Stunden nordöstlich von Dubai. Die dortige Bergstraße ist vergnügungssteuerpflichtig und macht schier süchtig nach Kurven. "Die schnellste Rundenzeit auf dem Nürburgring war uns sehr wichtig", erläutert Alfa-Cheftechniker Roberto Fedeli, "doch der rechte Fahrspaß und das Gefühl des Fahrers im Grenzbereich sind uns noch wichtiger. Das haben wir dem Stelvio Quadrifoglio geschafft."

Himmelsstürmer
Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio - 375 kW / 510 PS

Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio - 375 kW / 510 PS

Nirgends in den Vereinigten Arabischen Emiraten der unbegrenzten Möglichkeiten ist es höher, sind die Straßen spektakulärer und nirgends anders kann der Kraftprotz aus Italien besser zeigen, was in ihm steckt. Am Wochenende ist das Gebirge rund um den Jebel Jais ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, Radfahrer und Kletterer, doch in der Woche herrscht auf den bestens ausgebauten Straßen hinauf zum Emirati-Pikes-Peak tote Hose. Also keine langen Spielereien, am Mitteltunnel den Race-Modus eingelegt und das Gaspedal auf Dauerfeuer. Der stärkste aller Stelvios lässt sich nicht lange bitten und schiebt an, wie man es von einem potenten Lamborghini erwartet hätte. 600 Nm und 510 PS prügeln den knapp 1,9 Tonnen schweren SUV leichtfüßiger als erwartet durch die ersten Kurvenkombinationen. Die Lenkung ist direkter als die Schaltvorgänge der achtstufigen Getriebeautomatik, die beim Tatendrang von Pilot und Triebwerk bisweilen an ihre Grenzen kommt. Besser man schaltet über die leider statisch montierten Paddel am Lenkrad.

Aus dem Stand brüllt sich der Quadrifoglio in 3,8 Sekunden über die 100er-Marke und ist bis 283 km/h Höchstgeschwindigkeit kaum zu stoppen, doch man braucht keine Maximaltempi, um vom Norditaliener begeistert zu sein. Immer wieder keilt das Heck beim Beschleunigen leicht aus und beim Anbremsen an engen Kehre schiebt Alfas Stelvio spürbar über die Vorderachse. Nur partiell ein Problem der Kraftverteilung, denn im Normalbetrieb gelangt die üppige Motorleistung nahezu komplett an der Hinterachse. Etwas mehr und insbesondere schnelleren Kraftfluss an die Vorderachse würden sich im Grenzbereich besser als gut machen, doch an das Untersteuern mit leicht ausbrechenden Heck gewöhnt man sich schnell. Ein Grund für die Schunkelbewegungen auf dem Asphalt sind der noch junge Fahrbahnbelag hinauf auf den Jebel Jais und der allgegenwärtige Staub, der die Haftung an seine Grenzen bringt. Doch auch wenn im Vollgasstakkato den Berg hinauf bisweilen an- und leicht ausgerutscht wird, ist der Ritt kein unkoordinierter Schwof, sondern ein heißer Ritt - noch dazu ganz ohne Klinge. Der 4,70 Meter Alfa Romeo Stelvio macht Spaß wie kaum ein anderer in der potenten SUV-Mittelklasse.

Daher verzeiht man ihm die ein oder andere Unzulänglichkeit gern. Das Interieur ist nicht auf Premiumstandard; schwierig für ein Kraftprotz, der stramme 89.000 Euro kostet und damit 2.000 Euro günstiger als zum Beispiel der Mercedes AMG GLC 63s ist. Die Fahrerassistenzsysteme sind dünn, die Instrumente alles andere als wertig, das Navigationssystem bleibt eine Frechheit und die Materialanmutung hat - vorsichtig ausgedrückt - noch jede Menge Potenzial nach oben.

Ausreichend Platz für vier - weniger für fünf - Personen gibt es auch mit dem 525 Liter großen Laderaum genügend, doch mit Dampf hinauf auf den Jebel Jais will man in den bequemen Sportstühlen entweder allein oder mit einem Gefolgsmann, der in Sachen Kurvendynamik ein engagierter Bruder im Geiste ist. Dann lässt sich auch über die exzellente Bremse diskutieren und den Klang, der ebenso wie die Leistungsentfaltung bei hohen Geschwindigkeiten ein unweigerliches Zeugnis von den 2,9 Litern Hubraum sind. Der Motor ist klasse, doch kann den in dieser Leistungsklasse überschaubaren Hubraum kaum überspielen. Immerhin soll das für einen gezügelten Durst von 9,0 Liter Super sorgen. Das hat hinauf auf den Jebel Jais leider nicht ganz geklappt.

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