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Automarkt Türkei: Auf und Ab am Bosporus

Während die Produktionszahlen der Automobile in der Türkei stetig ansteigen, zeigen sich die Einwohner auf dem heimischen Markt gesättigt. Im vergangenen Jahr wurden rund 80.000 Einheiten weniger als 2013 verkauft.

Sonniges Urlaubsland, historische Kulturhochburg, vielfältiges Essen und freundliche Einwohner - die Türkei ist seit jeher für vieles bekannt. Von den politischen Eigenheiten abgesehen, fällt es nicht schwer, das Land am Bosporus als einen Teil Europas zu sehen. Mit knapp 78 Millionen Einwohnern befindet sich die Türkei auf Augenhöhe mit Deutschland. So gehören zu den 81 Millionen Einwohnern Deutschlands fast drei Millionen Menschen mit türkischer Herkunft, von denen rund die Hälfte die türkische Staatsbürgerschaft besitzt. Dass in solch einem bevölkerungsreichen Land der automobile Sektor eine ernstzunehmende Rolle spielt, überrascht niemanden.

Automarkt Türkei: Auf und Ab am Bosporus
Dank der beiden seitlichen Schiebetüren ist der Einstieg in den Fiat Doblo einfach und bequem.

Dank der beiden seitlichen Schiebetüren ist der Einstieg in den Fiat Doblo einfach und bequem.

Allerdings liegt in der Türkei der Fokus aktuell mehr auf der Produktion von Fahrzeugen, als im inländischen Verkauf. Waren es 2013 noch 664.655 Fahrzeugverkäufe, ist dieser Wert im vergangenen Jahr auf 587.331 Fahrzeuge gesunken. Dem gegenüber stehen doppelt so viele im Land produzierte Fahrzeuge. Mit den 1.170.445 Einheiten liegt die Türkei weltweit gesehen auf dem 17. Produktionsrang - Tendenz steigend. Dass ein Land mehr Autos produziert, als es selbst im Land verkauft ist nichts Neues. Den hierzulande verkauften 3,04 Millionen Autos stehen immerhin 5,6 Millionen produzierte Modelle gegenüber. Neben gestiegenen Zinsen und der an Wert verlorenen türkischen Lira wird vor allem die ÖTV für den Rückgang der Verkaufszahlen verantwortlich gemacht. Die Verbrauchssteuer Özel Tüketim Vergisi sorgt dafür, dass ein importiertes Kfz je nach Hubraum mit zwischen 27 und 50 Prozent besteuert werden muss.

Anders als in Deutschland werden in der Türkei hauptsächlich Marken fremder Nationen beziehungsweise fremde Modelle in Lizenz unter türkischem Namen hergestellt. Zu den größten Lizenzgebern gehören in der Türkei Fiat, Peugeot, Citroen, Ford und Opel. Letzterer blickt im ersten Quartal des laufenden Jahres auf ein Absatzplus von 45 Prozent zurück. 12.000 verkaufte Opel, von denen das Modell Mokka der Wachstumstreiber ist, lassen die Rüsselsheimer auf einen Gesamtabsatz von über 40.000 Einheiten in diesem Jahr hoffen. Produziert wird aus dem Hause Opel allerdings ein ganz anderes Modell in der Türkei. So läuft der Opel Combo im Tofas-Werk in Bursa vom Band, einem Joint Venture von Fiat Chrysler Automobiles und der türkischen Koc Holding. Der einstige Hochdach-Corsa ist nicht das einzige Auto, was die gewaltigen Fertigungshallen von Türk Otomobil Fabrikasi Anonim Sirket verlässt. Unter den insgesamt 400.000 jährlich produzierten Fahrzeugen befinden sich noch das Familientrio aus Peugeot Bipper, Renault Clio und Citroen Nemo. Die Marke Fiat lässt die Modelle Linea, Fiorino und Doblo inklusive der US-Version des Doblo, den Ram ProMaster City, in Bursa fertigen.

Ford Otosan errichtete vor genau einem Jahr ein neues Werk in Yeniköy, nördlich der 14-Millionen-Metropole Istanbul. Sowohl der Ford Tourneo Courier als auch der neue Transit Courier werden in der 511 Millionen teuren Anlage hergestellt. Der Vorstandsvorsitzende der Ford Motor Company Bill Ford erklärte in seiner Eröffnungsrede: "Ford Otosan ist eines der langlebigsten und erfolgreichsten Joint Ventures in der globalen Autoindustrie und der heutige Tag markiert einen wichtigen Meilenstein in dieser Partnerschaft." Dass solch große Werkseröffnungen auch an der Politik nicht unbemerkt vorüber gehen, zeigte die Anwesenheit des heutigen türkischen Regierungschefs Tayyip Erdogan.

Warum dennoch die Chance eines rein türkischen Automobils als unrealistisch eingestuft wird, liegt daran, dass "in der Türkei im Durschnitt ein Modell 20.000 Mal verkauft wird", erklärt Dogus Otomotiv-Chef Aclan Acar, dessen Unternehmen mit seinem engen Netz an Verkaufsstellen, in denen er 15 Automarken anbietet, für den türkischen Automarkt unverzichtbar geworden ist. Ein Zusammenschluss mehrerer Ingenieure, die Toruk Group, versucht sich dennoch an einem Elektro-Kleinwagen. Das aus organisch recycelbaren Materialien bestehende Konzeptfahrzeug hat allerdings weder Namen noch ausreichend solvente Investoren, so dass auch dieses rein türkische Experiment unbekannt am Bosporus verbleiben wird. Die dieser Tage stattfindende Istanbul Autoshow wird aber wohl noch den einen oder anderen türkischen Neustart zu feiern wissen.

Press-Inform / pressinform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.