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Europa tickt anders

Wer weiß das besser, als die global agierenden Autobauer. VW hat nun die Europaversion seines Tiguan Allspace vorgestellt - mit anderer Automatik und anderer Abstimmung.

VW Tiguan Allspace

VW Tiguan Allspace

Der "kleine" VW Tiguan ist in Europa durchaus ein Erfolgsmodell. Dennoch reichen die Wolfsburger nun auch hierzulande die 20 Zentimeter längere Allspace-Version nach. Der profane Grund: So manchem potenziellen und vor allem jüngeren Kunden ist der knapp 4,5 Meter lange Tiguan schlicht zu klein und der Touareg schlicht zu premium. Aber ein Van? Der passt dann auch nicht zum Image. Deren Bedürfnisse soll künftig der Tiguan Allspace als Zwillingsbruder des Skoda Kodiaq erfüllen: Sieht wie ein SUV aus, bietet reichlich Platz, bei Bedarf eine dritte Sitzreihe und die Variabilität eines Familien-Vans. Mit bis zu 1.775 Litern bietet er so viel Stauraum wie ein Passat Kombi und schluckt vom Surfbrett bis zur Volleyball-Nachwuchsmannschaft so ziemlich alles, was ansteht.

Europa tickt anders
VW Tiguan Allspace

VW Tiguan Allspace

Mit dem US-Modell hat der europäische Allspace Optik, opulente Größe und Konzept gemeinsam - aber er unterscheidet sich dann doch auch in wesentlichen Merkmalen und nicht nur darin, dass der Tacho Kilometer statt Meilen anzeigt. Einen erfahrbaren Unterschied etwa gibt es in der Qualität der Materialien, die im Innenraum verbaut sind. Die in den USA sind nicht ohne Grund durchweg billiger als hierzulande.

Einen weiteren Unterschied liefert das automatische Getriebe, das alternativ zur 6-Gang Handschaltung angeboten wird. Während der Amerikaner nichts über seine Wandlerautomatik kommen lässt, gibt es im europäischen Allspace natürlich ein DSG-Getriebe. Das passt deutlich besser zu dem Tiguan, schaltet weich und nahezu unbemerkt, bringt die Kraft der Motoren besser auf die Straße und ist bestens auf die Motoren abgestimmt.

Bei den Motoren hat die zwei schwächsten Versionen gestrichen. Übrig geblieben sind drei Benziner mit 150, 180 und 220 PS sowie drei Diesel mit 150, 190 und 240 PS. Die Motoren schlucken im Schnitt einen halben Liter mehr auf 100 Kilometer als beim kleinen Tiguan. 5,9 Liter etwa sind es offiziell beim Allspace mit 2.0-Liter-TDI und 150 PS. In der Praxis lag der Wert knapp einen Liter höher - nicht schlecht bei reichlich Kurven und innerstädtischen Staus.

Anders als bei den Amerikanern, die sich auf den limitierten Straßen mit einer dafür immer noch üppigen Höchstgeschwindigkeit von höchstens 180 km/h begnügen müssen, geben die Wolfsburger dem Europäer mehr Speed mit: 198 km/h sind beim 150-PS-Diesel drin, die 100 km-Marke ist nach dem Start in 9,9 Sekunden erreichbar - eine halbe Sekunde langsamer als bei dem kleineren und leichteren Touareg mit gleichem Motor. Das maximale Drehmoment von 340 Nm, das ab 1.750 relativ früh seine volle Leistung entfacht, sorgt für kraftvollen Vortrieb bei dem leer knapp 1,8 Tonnen schweren Allspace. Über dioe Traktion braucht man beim Allradler ohnehin nicht viel zu sagen: passt.

Verändert haben die Wolfsburger auch die Abstimmungen. Die Federung etwa ist deutlich robuster als bei dem Amerikaner, verschafft aber vor allem auf der Autobahn immer noch das Gefühl, ein kleines Schlachtschiff zu navigieren. Die Lenkung ist zwar präzise, aber sehr leichtgängig. Gleiches gilt für das Gaspedal - ein bisschen mehr Widerstand würde ihm gut tun. Gut hinbekommen haben die Wolfsburger die Geräuschdämpfung - auch bei höheren Geschwindigkeiten geht es im Inneren angenehm leise zu.

Ansonsten? Vor allem wie versprochen viel Platz. Besonders die Passagiere in der zweiten Reihe profitieren vom verlängerten Radstand. Die um elf Zentimeter gestreckten Hecktüren gestatten einen bequemen Einstieg und weil dich die Rückbank noch um 18 Zentimeter verschieben lässt, bleibt für die Beine mehr Platz als selbst im Touareg. Auch dem Laderaum kommt die neue Länge zu passe: Er liefert im Fünfsitzer mit 760 Litern Stauraum 145 Liter mehr als im normalen Tiguan. Praktisch die zwei Ablagen an den Seiten - sie schlucken vor allem Kleinkram, der sonst bei jeder Kurve durch den Laderaum vagabundieren würde. Auf die dritte Sitzreihe werden die meisten europäischen Käufer allerdings verzichten - sie ist ohnehin allenfalls eine Notlösung: nur akrobatisch zu erreichen, wenig Platz für die Beine, nicht sonderlich ausgeformte Lehnen mit wenig Seitenhalt. Die rund 800 Euro Aufpreis sind anderswo besser investiert.

In Deutschland ist der Tiguan Allspace, der im VW-Werk in Mexiko gebaut wird, ab 29.975 Euro zu haben - mit 6-Gang-Handschaltung und 150-PS-Benziner. Damit ist er rund 2.000 Euro teurer als der normale Tiguan. Den 2.0 TDI gibt es mit 150 PS, Allradantrieb und 7-Gang-DSG ab 36.875 Euro. Die Diesel fangen bei 32.850 Euro an. Top-Modell ist der TDI mit 240 PS, DSG und Allrad für üppige 46.600 Euro.

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